16.02.2007

Frank Pagelsdorf im Interview

„Ich ging durch ein Stahlbad“

Frank Pagelsdorf und Hansa Rostock: Das passt, so scheint es. Doch der Coach weiß, dass es im Fußballgeschäft keine Eheversprechen gibt. „Das eigene Schicksal hängt von vielen Dingen ab“, sagt er im Gespräch mit 11freunde.de.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Frank Pagelsdorf, Sie haben kürzlich mit Ihren Spielern das Spiel Schalke gegen Hertha besucht. War das ein Sonntagsausflug oder wollten Sie Ihre Spieler heiß auf die Bundesliga machen?

Wir hatten in Kaiserslautern gespielt, und für den Sonntagmorgen war ein Freundschaftsspiel in Oldenburg angesetzt. Schalke lag also auf dem Weg, und das Spiel habe ich gern als Fortbildungsmaßnahme für meine Mannschaft wahrgenommen.



Sie haben fünf Punkte Vorsprung auf den Viertplatzierten, den 1. FC Kaiserslautern. Alles andere als der Aufstieg wäre schon jetzt eine Enttäuschung.

Das wird permanent an uns herangetragen. Ich sehe darin keinen Sinn. Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir unter die ersten Acht wollen, darunter die Absteiger Köln, Duisburg, Kaiserslautern, die knapp Gescheiterten vom letzten Jahr, Karlsruhe, Fürth, Freiburg, sowie 1860 München. Von all diesen Vereinen hatten wir die schlechtesten Voraussetzungen. Jetzt sind wir Dritter – und haben kein Interesse daran, diese Position wieder zu verlassen.

In der letzten Saison wurde Hansa noch Zehnter, nicht weit von den Abstiegsrängen entfernt. Was machte die Trendwende aus?

Es gab im letzten Jahr einen schwierigen Umbruch. Drei Monate vor Saisonende wussten zehn Spieler, dass wir nicht mehr mit ihnen planen. Wir haben dann sieben Spieler aus der Zweiten Mannschaft hochgezogen. Insofern war klar, dass es eine holprige Saison wird. Seitdem hat sich die Mannschaft sehr gut entwickelt, hat aus ihren Fehlern gelernt und spielt nun sehr diszipliniert. Das ist die Grundlage für die jetzige Situation, und ich glaube, dass weiteres Potenzial in dieser Mannschaft steckt.

Dennoch setzte es nach der Winterpause zwei Niederlagen. Der Weg in die Erste Bundesliga wird wohl beschwerlicher, als zunächst angenommen.

Wir hatten einen kleinen Hänger. Nach siebzehn ungeschlagenen Spielen war das für manche eine Überraschung, für mich persönlich nicht. Entscheidend ist, dass wir in die Spur zurückfinden. Ich bin von dieser Mannschaft überzeugt. Sie hat das Potenzial, es zu schaffen.

Sie haben die beste Abwehr der Zweiten Bundesliga. Würden Sie den Satz unterschreiben: Mit dem Angriff gewinnt man Spiele, mit der Abwehr steigt man auf?

Ein wahrer Satz, den man immer mal wieder bringen kann. Eine starke Abwehr erhöht zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass man Erfolg hat.

Andererseits stehen auch schon acht Unentschieden zu Buche. Fehlt Ihrer Mannschaft eher der Wagemut, noch auf Sieg zu spielen?

Unentschieden sind nie geplant. Wer mich kennt, der weiß, dass ich am liebsten gewinne.

Könnte Hansa Rostock sich denn angesichts der wirtschaftlichen Gegebenheiten überhaupt dauerhaft in der Ersten Bundesliga halten – oder ist ein Aufstieg dorthin schon der größte denkbare Triumph?

Letzteres trifft sicherlich zu. Jenseits dessen müssen wir einen Platz im deutschen Fußball finden. Unsere Vision ist es, der beste Ausbildungsverein zu werden. Wir haben hervorragende Voraussetzungen geschaffen, und wir haben hier ein Umfeld, das es einem jungen Spieler erlaubt, auch mal ein schlechtes Spiel zu machen. Die sieben Jungs, die wir letztes Jahr aus der Zweiten Mannschaft hochgezogen haben, haben es bewiesen. Drei von ihnen sind mittlerweile Stammspieler.

Wie wichtig ist es, dass ein Spieler jenseits seiner spielerischen Fähigkeiten zum Verein Hansa Rostock passt?

Das ist grundsätzlich wichtig, aber besonders wichtig in Rostock. Ein Spieler, der hierher kommt, sollte wissen, dass er sich mit dem Verein identifizieren muss. Das muss spürbar und sichtbar sein.

Was schätzen Sie selbst am Rostocker Umfeld besonders?

Ich wusste von Anfang um die Schwierigkeit der Ostvereine, dass man nicht die ganz großen Möglichkeiten hat. Wenn Sie mich also fragen, was ich am Rostocker Umfeld besonders schätze, dann muss ich sagen: Es ist sehr erstaunlich, was man hier trotzdem auf die Beine gestellt hat. Nicht zuletzt deshalb ist der Verein Hansa Rostock das große Aushängeschild der Region.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden