Fotografin Regina Schmeken über ihr Fotoprojekt mit der Nationalmannschaft

»Was mich fasziniert, geschieht auf dem Platz«

Die Fotografin Regina Schmeken begleitete die Nationalelf seit März 2011 und auch während der Europameisterschaft 2012. Das Ergebnis sind beeindruckende Bilder, die noch bis zum 6. Januar 2013 im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen sind. Wir sprachen mit ihr über Fußball und Kunst, Mesut Özils Surfergruß und die Dramatik des Spiels.

Regina Schmeken

Regina Schmeken, von allen denkbaren Sujets und Themen, die sich für die Fotografie anbieten: Was hat Sie zum Fußball geführt?
Ich habe etwa 2003 angefangen, mich für Fußball zu interessieren, zunächst in einem künstlerischen Sinn als Bewegungsmodell. In einigen früheren Arbeiten war das Thema Bewegung auch schon zentral, irgendwann habe ich mich dann dem Sport zugewandt. In der bildenden Kunst ist der Sport interessanterweise selten Thema. Die Darstellung von Bewegung auf einem Bild, also nicht mit Hilfe des Mediums Film ist eine künstlerische Herausforderung. Diese Herausforderung hat mich interessiert.

Woran liegt es, dass der Sport so selten Thema der Kunst ist? Sind Sport und Kunst, bzw. Fußball und Kunst unvereinbar?
Das glaube ich nicht. Die Zeit, in der Künstler und Intellektuelle naserümpfend auf den Fußball herabblickten ist lange vorbei. Es gibt doch mittlerweile sehr viele Intellektuelle und Angehörige der gebildeten Schichten, die sehr fußballaffin sind, bis hin zur Kanzlerin. Auch wenn einige wenige ihr Fan-Sein vielleicht nicht vor sich hertragen.

Sind Sie Fan?
Nicht im klassischen Sinne. Mein Großvater ging auf Schalke und meine Neffen sind Schalke-Fans, ich selber bin eher Fan eines guten Spiels.

Also eine Fußballästhetin, nicht nur in der Fotografie, sondern auch während das Spiel läuft?
Absolut, daher rührt auch die Idee mich mit dem Thema Fußball zu beschäftigen. Ich habe gesehen, wie viel auf dem Spielfeld und auch drumherum passiert. Wenn das denn der Fall ist, es gibt ja auch genug Spiele, bei denen eher nicht so viel geschieht. Aber Spiele wie etwa das 4:4 der Nationalmannschaft gegen Schweden, das ich live im Stadion verfolgt habe, sind doch sehr spannend und dramatisch.

Kein alltägliches Spiel.
Nein, sehr aufregend. Man spürt bei solchen Spielen, was dieser Sport den Leuten bedeutet und wie sehr er auch als Ventil funktioniert. Die Wenigsten können sich im Alltag derart ausleben, im Büro kann man ja nicht einfach schreien und so aus sich heraus gehen, wie das im Stadion möglich ist. Im Alltag ist man oft gefesselt, das Stadion ist ein Ort, an dem man diese Fesseln ein wenig ablegen kann.

Viele Ihrer Bilder strahlen eine eigentümlich Stille aus, die Momente im Stadion und auf dem Platz ganz anders wirken lassen, als man das gewohnt ist. War das Ihre Intention? Und gab es überhaupt eine zentrale Herangehensweise an das Projekt?
Was mich fasziniert hat, war das Tänzerische, das Artistische und die Choreographie, die sich aus der Notwendigkeit des Spiels ergibt. Man findet im Fußball zahlreiche Metaphern für Situationen unseres Lebens. Ich habe versucht, möglichst viele Aspekte zu zeigen, dementsprechend sind auch einige der Bilder, etwa die, die Zweikampfsituationen zeigen, nicht still, sondern eher laut. Und es gibt auch Aufnahmen, die witzig oder komisch wirken.

Hier geht es zu einigen Bildern der Ausstellung »Unter Spielern - Die Nationalmannschaft« >>>

Wie war es denn, als Künstlerin in diesen eigentlich recht abgeschlossenen Zirkel der Nationalmannschaft vorzudringen?

Ab und an durfte ich bei den Trainingseinheiten länger dabei bleiben als die Kollegen von der Presse, aber in den intimen Bereich der Mannschaft, etwa in die Kabine, einzudringen, das interessierte mich nicht. Ich wollte festhalten, was mich fasziniert. Und das geschieht nun mal auf dem Platz.

Also hatten Sie keinen engeren Kontakt zu den Spielern?
Engeren Kontakt nicht. Mesut Özil hat mir mal den Surfergruß ”Hang loose” zugeworfen, als ich die Mannschaft fotografierte, wie sie ins Flugzeug stieg und er schien sich köstlich zu amüsieren, weil ich wohl etwas angestrengt unten an der Gangway mit meiner Kamera hantierte.

War den Spielern denn bewusst, dass sie Teil eines Kunstprojektes sind? Hat man bei dem ein oder anderen vielleicht sogar eine gewisse Eitelkeit gemerkt?
Es wurde ihnen mitgeteilt, dass da jemand ist, der sie für ein Projekt fotografiert, aber die Fotos entstanden ja meistens ohnehin während des Spiels, so dass ich weitgehend unbemerkt blieb. Für die Spieler steht natürlich das Spiel im Mittelpunkt, außerdem sind sie es gewöhnt, fotografiert zu werden, wenn auch auf andere Art und Weise. Aber für Eitelkeiten ist während des Spiels keine Zeit und für mich posieren musste auch niemand.

Seit dem 16. Oktober läuft die Ausstellung bereits. Wie ist denn die Resonanz aus dem Kreis der Nationalmannschaft?
Oliver Bierhoff war zur Eröffnung hier und ich glaube, dass ihm die Ausstellung und auch die Räumlichkeiten gefallen haben. Herr Bierhoff schrieb auch das Vorwort für den Bildband, da er ja das Projekt mitinitiiert hat.

Waren die Spieler denn auch schon hier?
Die Spieler waren noch nicht hier, aber sie kennen die Aufnahmen aus dem Buch. Vielleicht kommt der ein oder andere ja noch vorbei. Herr Löw hat gesagt, dass er sich die Ausstellung anschauen wolle. Noch ist Zeit, bis zum 6. Januar läuft sie noch.

----

Die Ausstellung »Unter Spielern – Die Nationalmannschaft« ist noch bis zum 6. Januar 2013 im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen.
Eine ergänzende Ausstellung ist bis zum 12. Januar 2013 in der Galerie Susanne Albrecht zu sehen.

Der Bildband zur Ausstellung erschien im Hatje Cantz Verlag und kann auf der Homepage des Hatje Cantz Verlags sowie auf der Homepage von Regina Schmeken bestellt werden. Ein Exemplar verlosen wir unter allen Interessierten, die eine Email mit dem Kennwort »Fotokunst« an verlosung@11freunde.de schicken. Viel Glück.


Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!