Fotograf Toby Binder hat den VfB Stuttgart ein Jahr begleitet

»Momente, die sich einbrennen«

Im Rahmen einer Vereins-Trilogie zum 120. Geburtstag des VfB Stuttgart begleitete Fotograf Toby Binder den Weg des VfB vom Sommer-Trainingslager 2012 bis zum Pokalfinale 2013. In der aktuellen 11FREUNDE-Ausgabe #143 haben wir einige seiner Momentaufnahmen veröffentlicht. Ein Gespräch über das Vertrauen zu den Spielern und die Spaßvögel Arthur Boka und Ibrahima Traoré.

Toby Binder / VfB Stuttgart
Heft: #
143

Toby Binder, Sie durften den VfB Stuttgart während einer kompletten Saison begleiten. Im Profigeschäft ist das alles andere als alltäglich. Wie kam der Kontakt zustande?
Der VfB Stuttgart wollte anlässlich seines 120. Geburtstages etwas Besonderes veröffentlichen. Da kein Historien-Band entstehen sollte, wie es ihn schon hundertfach gibt, kam unter anderem ich ins Spiel. Meine Aufgabe bestand dann darin, einen reinen Bildband als Drittel einer VfB-Trilogie zu füllen.

Warum waren Sie der Mann für das »Besondere«?
Der Bildband sollte einen stark dokumentarisch geprägten Einblick hinter die Kulissen des Vereins geben und abseits der gängigen Sportfotografie funktionieren.

Und Ihre Schwerpunkte liegen nicht in der Sportfotografie?
Nein. Ich arbeite meist über Gesellschafts- und Umweltthemen, häufig auch im Ausland. Dabei fand ich es schon interessant, dass dies durchaus auch Themen sind, die den einen oder anderen Spieler gereizt haben.

Ihr sonstiger Job ist bei den Spielern also auf Interesse gestoßen?
Durchaus, die Jungs haben ja unterschiedlichste internationale Hintergründe und sind viel im Ausland unterwegs. Ins Gespräch kam ich vor allem mit Georg Niedermeier, Martin Harnik oder Christian Gentner. Die haben neben dem Fußball schon noch ein Ohr und Interesse für andere Dinge.

Hat sich so im Verlauf der Zeit ein Vertrauensverhältnis aufgebaut?
Ich nehme es an. Einzeln herausgegriffene Bilder sind von ihrer Qualität her schwer vergleichbar, aber die Trefferquote für ein gutes Motiv erhöht sich mit zunehmendem Vertrauen zwischen Spielern und Fotograf natürlich. In manchen Momenten hat man den Spielern angemerkt, dass sie es nicht gewohnt sind, dabei fotografiert zu werden. Da musste sich über die Monate erstmal eine Normalität entwickeln. Als ich nicht mehr wahrgenommen wurde, entstanden die besten Bilder!

In welchem Turnus waren Sie während der zwölf Monate bei der Mannschaft?
Bei fast jedem Heimspiel. Dazu auswärts einmal mit der Mannschaft in Bukarest. Sonst war ich häufig mit den Fans unterwegs, um deren Stimmung und Alltag entsprechend bildlich festhalten zu können. Ein Gefühl der Zufriedenheit hat sich aber nie eingestellt: Ich hätte eigentlich immer an drei Orten gleichzeitig sein sollen.

Auffällig ist, dass unter Ihren Bildern wenige Spielszenen zu finden sind. Haben Sie die bewusst vermieden?
Das ganze Projekt war von Anfang an eher als Reportage gedacht – vielmehr als hinter die VfB-Kulissen, denn als typische Sportfotografie. Als wir dann ein erstes Fazit gezogen haben, war auffällig, dass man zumindest vereinzelt ästhetische Spielszenen benötigt. Keine Aufnahmen von typischen Zweikämpfen oder Torschüssen, die gibt es zuhauf. Aber zumindest ein paar Bilder, auf denen man mal den Rasen sieht. (lacht)

Haben Sie während des Jahres ein Motiv besonders liebgewonnen?
Generell sind Fans motivisch sehr interessant. Ungezügelte Emotionen während eines Spiels sehen gut fotografiert immer fantastisch aus. Im Hinblick auf die Mannschaft gibt es so magische Momente nach einem Spiel, wenn alle in der Kabine einfach nur auf ihrem Platz sitzen und total erschöpft sind. Ich hatte da ein Bild von Martin Harnik, wie er nach einem Sieg vollkommen fertig ins Leere stiert. Das sind Momente, die sich einbrennen.

Gab es Tabus für Sie?
Nach einer Niederlage in die Kabine zu gehen. Das ging einfach nicht.

Dabei will man vielleicht gerade solche Momente sehen.
Klar. Für mich wäre es optimal gewesen, immer und überall dabei sein zu dürfen. Aber bei einer Mannschaft im professionellen Fußball ist das für einen Fotografen vermutlich utopisch.

Ibrahima Traore dominiert Ihre Auswahl. Ist er besonders fotogen?
Bei 14.000 Bildern und einem Jahr »Begleitschutz« verliert man ein wenig den Überblick, wer besonders oft zu sehen ist. Aber Ibrahima ist natürlich einfach ein lockerer Typ, das kann also schon stimmen.

Wer hat sich noch ins Bild gedrängt?
Arthur Boka ist ein wahnsinniger Spaßvogel. Bei den beiden hatte man keine Hemmungen, die Kamera draufzuhalten. Und vom Resultat wurde man nie enttäuscht.

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