Fortuna Kölns Pressesprecher Mathiak über den Aufstieg

»Gleich 200 neue Freunde«

Durch den Rückzug von Germania Windeck wird Fortuna Köln wohl in die Regionalliga aufsteigen. 11 FREUNDE sprach mit Pressesprecher Burkhard Mathiak über die schrittweise Rückkehr zum Profifußball und die Bedeutung für »deinfussballclub.de«.  Fortuna Kölns Pressesprecher Mathiak über den AufstiegImago

Burkhard Mathiak, Germania Windeck verzichtet auf den Aufstieg in die Regionalliga. Fortuna Köln rückt als Dritter nach. Kam das für den Verein überraschend?

Burkhard Mathiak: Es gab zwar immer wieder Gerüchte, um einen Rückzug von Germania Windeck, darauf haben wir aber nicht viel gegeben. Als es jetzt bestätigt wurde, war diese Information auch für uns ganz neu.  

Gab es denn insgeheim Planspiele für einen möglichen Aufstieg?

Burkhard Mathiak: Unser Kader hat ohnehin die Qualität, auch in der Regionalliga zu bestehen. Deshalb haben wir vorher keine Maßnahmen getroffen.  

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Auf der Homepage gibt man sich noch sehr reserviert, was den Aufstieg anbetrifft. Die Information über den Aufstieg findet man lediglich in einer kurzen Nachrichtenmeldung.

Burkhard Mathiak: Die endgültige Entscheidung über die Lizenz wird erst am kommenden Mittwoch gefällt. Bis dahin halten wir uns natürlich noch bedeckt. Auch danach werden wir nicht großartig feiern, weil ein Aufstieg am grünen Tisch eben nicht so emotional ist, als wenn wir am letzten Spieltag in Essen aufgestiegen wären.  

Wie sicher ist es, dass der DFB Fortuna Köln die Lizenz für die Regionalliga erteilt?

Burkhard Mathiak: Der DFB hat uns mitgeteilt, welche Auflagen wir erfüllen müssen. Dem sind wir nachgekommen. Wir gehen ganz sicher davon aus, dass wir nächstes Jahr viertklassig spielen.  

Von Fortunas Südstadion sagt man allerdings, es würde nicht mehr den Anforderungen entsprechen.

Burkhard Mathiak: Die Lautsprecheranlage muss erneuert werden. Deshalb haben wir in der kommenden Saison tatsächlich das Problem, dass die Stadionkapazität eingeschränkt sein wird. Lediglich die Haupt- und die Gästetribüne werden zur Verfügung stehen.  

Wie groß ist der Schritt von der NRW-Liga in die Regionalliga?

Burkhard Mathiak: Die Regionalliga ist der letzte Schritt in Richtung Profifußball und es ist auch alles darauf ausgelegt, die Vereine für das Profigeschäft vorzubereiten. Die Anforderungen des DFB sind deutlich höher, als die des WFLV (Westdeutscher Fußball- und Leichtathletikverband, d. Red.) in der NRW-Liga. Der Schritt von der Regionalliga in die Dritte Liga wird deshalb nicht mehr ganz so groß sein.  

Was bedeutet der Aufstieg für das in Deutschland einzigartige Modell »deinfussballclub.de«? Hat Sönke Wortmann schon den Schampus kalt stellen lassen?

Burkhard Mathiak: (lacht) Nein, hat er noch nicht. Ich habe das mal ausgerechnet: Wir sind nach 3368 Tagen wieder in der Regionalliga angekommen und werden jetzt überregional stärker wahrgenommen, als das zuletzt der Fall war. Das tut dem Verein gut, das tut dem Projekt gut und das tut der ganzen Entwicklung gut. Auch die Fans spüren jetzt, dass wir wieder da anknüpfen können, wo wir irgendwann mal gewesen sind. 

Was wird aus deinfussballclub.de?



Derzeit sind es nur noch etwa 7300 Mitglieder, die die 40 Euro Jahresbeitrag für das Projekt zahlen. Der Trend ging zuletzt nach unten. Wird es da einen neuen Schub geben?


Burkhard Mathiak: Das lässt sich schwer sagen. Aber auf unserer Facebook-Seite hatten wir direkt 200 neue Freunde, als dort der Rückzug von Germania Windeck verkündet wurde.   

Wenn Sie die auf die Zeit seit der Gründung von deinfussballclub.de blicken. Wie fällt das Zwischenfazit aus?

Burkhard Mathiak: Wir haben in der Verbandsliga angefangen - jetzt sind wir in der Regionalliga. Auch nach zwei Aufstiegen am grünen Tisch war es sportlich eine durchaus erfolgreiche Zeit. Wir haben natürlich auch Fehler gemacht und gelernt, dass Transparenz im Fußball nicht in diesem Maße möglich ist, wie wir es uns ursprünglich vorgestellt haben.  

Zum Beispiel?

Burkhard Mathiak: Man kann beim Sponsoring nicht die Mitglieder zwischen zwei Partnern abstimmen lassen. Das hört sich für die Fans zwar spannend an, wenn sie entscheiden können, welches Logo nächstes Jahr auf dem Trikot ist, aber so funktioniert das in der Realität nicht, weil die Firmen da nicht mitmachen.  

Wie sieht es mit der Trainerfrage aus? Uwe Koschinat wird Matthias Mink zur neuen Saison ersetzen. Mink war ja bei den Mitgliedern durchaus umstritten...

Burkhard Mathiak: Auch hier kann man die Mitglieder nicht abstimmen lassen. Da würden zu viele emotionale Komponenten ausschlaggebend sein. Diese Entscheidung wurde allein von der Geschäftsführung getroffen. Matthias Mink hat hier aber hervorragende Arbeit geleistet.  

Könnte das ein Grund für den Rückgang der Mitglieder sein – weil sie bei solchen Entscheidungen am Ende doch nicht mitbestimmen dürfen?

Burkhard Mathiak: Einige haben sich bestimmt mehr Transparenz vorgestellt und wenn sie deshalb austreten, ist das auch nachvollziehbar. Es ist aber sehr schwer, sportlichen Erfolg zu haben und gleichzeitig die Ansprüche der Mitglieder zu befriedigen. Da gibt es Reibungspunkte. Auch beim Neubau der großen Fußballarenen waren nicht alle Fans davon begeistert, dass Businessplätze gebaut wurden. Die braucht man aber, um das, was auf dem Rasen passiert, überhaupt noch finanzieren zu können. Sie sehen: Dieses Problem haben auch andere Vereine.

Franz-Josef Wernze, der Mäzen von Germania Windeck, wird sein Geld künftig in Viktoria Köln investieren. Freuen Sie sich schon auf packende Derbys?

Burkhard Mathiak: Es gibt nicht schöneres als einen Rivalen in der eigenen Stadt zu haben. Ich wünsche Viktoria, dass sie möglichst bald in die Regionalliga aufsteigen, damit wir wieder richtige Lokalderbys in Köln haben.

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