Florian Gothe über die Elf der Saison

»Die Realität abgebildet«

2500 Spieler von der ersten bis zur vierten Liga haben in Zusammenarbeit mit 11FREUNDE die Spieler der Saison gewählt. Mit dem VDV-Präsidenten Florian Gothe sprachen wir über heimliche Stars und Wahlüberraschungen. Florian Gothe über die Elf der SaisonImago
Heft #92 07/2009
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Florian Gothe, als Präsident der Spielergewerkschaft VDV ehren Sie zum vierten Mal den »Spieler der Saison«. Nach Miroslav Klose 2006, Diego 2007, Franck Ribéry 2008 heißt der Sieger diesmal Grafite. Einverstanden?

Auf jeden Fall. Auch wenn man gerechterweise sagen muss, dass er die Wahl auch deshalb gewonnen hat, weil er gerade im Abstimmungszeitraum am Ende der Saison konstant überragende Leistungen brachte. Dadurch sind einige, die in der Hinserie herausragten, ein bisschen in Vergessenheit geraten.

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An wen denken Sie dabei?


Ich behaupte, wenn Vedad Ibišević die komplette Saison durchgespielt und sein Level halbwegs gehalten hätte, wäre es für Grafite eng geworden.

Hat der Preis für die Aktiven eine besondere Bedeutung?

Das würde ich schon sagen, allein wenn ich an Franck Ribéry im vergangenen Jahr denke. Der freute sich wie ein Schneekönig, als ich ihm den Preis übergab, weil es auch für ihn – obwohl er schon ein Weltstar ist – etwas Besonderes war, gerade von seinen Berufskollegen für seine Leistungen zum Besten des Spieljahres gewählt worden zu sein. Die Verleihung wurde über die Videoleinwand übertragen und vom Ansager über die Stadionlautsprecher kommentiert. Man hatte den Eindruck, er würde den Europapokal hochreißen.

Welcher Spieler überrascht Sie in der »VDV-11«?


Mich freut die Berufung von Zvjezdan Misimovic, weil er in dieser Saison eine enorme Entwicklung gemacht hat. Schön auch, dass Josip Simunic, der ein ganz wichtiger Spieler für den Erfolg der Hertha war, von den Profis berücksichtigt wurde. Und das mit einer überzeugenden Quote, immerhin hat er fast die Hälfte aller Stimmen als Innenverteidiger bekommen.

Wer war aus Ihrer Perspektive gesetzt?


Bei Ribéry und Diego hat man in den vergangenen Jahren schon gesehen, dass sie das Potential für eine große Karriere haben, genauso bei Philipp Lahm, dem in Deutschland auf seiner Position niemand das Wasser reichen kann.

Mit anderen Worten, auch wenn Profis abstimmen, gibt es eine Art Kanzlerbonus?


Das glaube ich nicht. Fußballer achten sehr dezidiert darauf, wer in einer Saison gute Leistungen bringt und nicht darauf, wer einen großen Namen trägt. Das zeigt sich bereits daran, dass Andreas Beck als rechter Außenverteidiger gewählt worden ist, der in Stuttgart lange nicht klar kam und erst in Hoffenheim aufblühte. So einer hatte vor der Saison ganz sicher keine Lobby.

Wen hätten Sie gerne noch im Team gesehen?

Es ist die Wahl der Spieler, die in einigen Fällen erst auf den letzten Metern entschieden wurde. Ein Beispiel: Mario Gomez ist nur mit ganz wenigen Stimmen vor Edin Džeko in die Elf gewählt worden. Ich denke, das Ergebnis bildet die Realität gut ab.

Ihr Fazit zur abgelaufenen Saison?

Ich war beeindruckt, dass Teams wie Hoffenheim und Wolfsburg ohne die ganz großen Namen beziehungsweise mit Spielern, die woanders nicht so eingeschlagen haben, die Liga phasenweise dominierten. Auch wenn man natürlich sagen muss, dass es sich dabei um teure Teams handelt.

Das Ranking der VDV stellt mal wieder die Top-Stars in den Mittelpunkt, dabei sind vor allem die weniger populären Spieler auf die Hilfe der Spielergewerkschaft angewiesen. Gibt es für Sie als Präsident einen weniger bekannten Spieler, den Sie gern mal mit einem Sonderpreis
ehren würden?


Beachtung hat auf jeden Fall George Mbwando verdient, der zuletzt beim FC Ingolstadt spielte. Nach seiner Karriere gründete er den Verein »Fußball gegen AIDS« und engagiert sich seitdem ehrenamtlich mit viel Aufwand für Aids-Waisen in seinem Heimatland Simbabwe. Viele Ex-Profis unterstützen ihn dabei.

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