10.04.2012

Florian Fromlowitz über Hoffnungen und Erkenntnisse

»Ich werde mich zurückkämpfen«

Florian Fromlowitz wurde in der vergangenen Saison in Hannover aussortiert. Ihn zog es ins Ruhrgebiet zum MSV Duisburg. Sein letztes Spiel bestritt der Torhüter allerdings am 14. Spieltag. Ein Gespräch über die Erkenntnis, dass Fußball nicht alles ist.

Interview: Christian Lawendel Bild: Imago

Florian Fromlowitz, sind Sie ein guter Tänzer?
Florian Fromlowitz: Das überlasse ich anderen. Nach einem guten Spiel und einem Sieg hüpfe ich manchmal vor den Fans. Ich weiß allerdings nicht, ob man das als Tanzen bezeichnen kann. Wieso fragen Sie?

 

Man sagt, dass Tanzen entspannend in Stresssituationen wirkt. Sie drücken aktuell bei einem Zweitligisten die Bank, obwohl ihr Anspruch ein Stammplatz in der Bundesliga ist. Sie müssten demnach ziemlich häufig das Tanzbein schwingen.
Florian Fromlowitz: (lacht) Ich habe andere Möglichkeiten mich zu entspannen. Ich habe eine tolle Frau und bin privat sehr glücklich. In diesem Bereich schalte ich ab und finde den nötigen Ausgleich. Ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass der Beruf nicht alles ist.

Woher kommt diese Erkenntnis?

Florian Fromlowitz: Ich bin älter geworden. Seit ich verheiratet bin, ist mein Leben auch wesentlich ruhiger geworden. Das merke ich speziell in solchen Situationen. Nicht zuletzt hat mich natürlich auch meine Zeit in Hannover und der Tod von Robert Enke sehr geprägt. Sportliche Niederlagen hänge ich nicht mehr zu hoch. Wer einen Freund und Kollegen verloren hat, kann das nachvollziehen. Ich bin reifer geworden. 

Ihre Situation beim MSV ist nicht ganz einfach. Am 15. Spieltag teilte Ihnen Ihr Trainer Oliver Reck mit, dass er im Spiel gegen Eintracht Braunschweig auf Felix Wiedwald im Tor setzen würde. Sie sagten daraufhin, dass Sie sich mental nicht in der Lage fühlen, dem Spiel von der Bank aus beizuwohnen. Wo lag das Problem?

Florian Fromlowitz: Für mich war die Entscheidung sehr hart und auch unverständlich. Es kam sehr unerwartet für mich und ich sah viele Parallelen zu meiner Degradierung in Hannover. Es mag von außen betrachtet eigenartig sein, aber an diesem Tag fühlte ich mich nicht bereit auf der Bank Platz zu nehmen.

Fans warfen Ihnen Eitelkeit und fehlende Professionalität vor. Können Sie das nachvollziehen?

Florian Fromlowitz: Absolut nicht. Ich bin auch nur ein Mensch und was wirklich in mir vorging, können diese Kritiker nicht wissen. Leider ist es aber normal geworden, dass viele Leute zu vielen Dingen ihre Meinung äußern müssen. Ich habe meine Professionalität in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen und gerade in Hannover gezeigt, dass ich mit schwierigen Situationen umgehen kann. Aus meiner Sicht ist diese Art von Kritik völlig unverständlich.

Wie sehr stört eine solche Beurteilung von außen?

Florian Fromlowitz: Gar nicht, weil ich mich nicht damit beschäftige. Ich habe mich entschuldigt, die Sache mit dem Verein geklärt und buchstäblich für mein Verhalten gezahlt.

Eine interne Strafe von 10.000 Euro. Ein hohes Bußgeld. Haben Sie trotzdem Angst vor einem Imageschaden?

Florian Fromlowitz: Nein, die Verantwortlichen im Verein wissen, dass ich ein umgänglicher Spieler bin. Ich bin bisher aus jeder unangenehmen Situation gestärkt heraus gekommen und glauben Sie mir, dass es in meinem Profileben schon schwierigere Situationen gab. Auch diese Phase werde ich überstehen.

Wie bleibt man in solchen Situationen ruhig?
Florian Fromlowitz: Ich habe gelernt, dass die großen Worte in der Öffentlichkeit nichts bringen. Die Aussage, mich auf die Bank zu setzten, hat mich sehr getroffen, gerade weil ich Ähnliches vor einem Jahr in Hannover erlebt habe. Beide Entscheidungen waren für mich nicht direkt verständlich, trotzdem akzeptiere ich sie. Ich hänge mich jetzt im Training voll rein, um die alte Hierarchie wieder herzustellen.

Das klingt abgeklärt. Beispiele wie Timo Hildebrand, Ralf Fährmann oder auch René Adler zeigen zeigen aber, dass es für Torhüter auch schlecht laufen kann. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?
Florian Fromlowitz: Klar mache ich mir meine Gedanken. Ich habe aber noch einen Vertrag über anderthalb Jahre beim MSV. Langfristig ist es mein Anspruch in der Bundesliga zu spielen. Dass habe ich immer gesagt und dort möchte ich auch wieder hin.

Sie sind davon weit entfernt.

Florian Fromlowitz: Ich werde mich zurückkämpfen. Das Trainerteam hat mir die faire Chance gegeben, mich im Training zu präsentieren und das tue ich. Der Zukunftsgedanke spielt für mich keine große Rolle. Es ist wichtig, dass ich wieder im Tor stehe.

Aktuell steht der MSV im Niemandslands der zweiten Liga und ist vom Aufstieg weit entfernt. Denken Sie über einen Wechsel nach?

Florian Fromlowitz: Nein, auch ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sich der MSV weiter entwickelt. Ich glaube, dass ich am Ende hier gebraucht werde.

Sie haben Hannover 96 im Sommer verlassen und beim MSV angeheuert, um wieder mehr zu spielen. Ist der Plan jetzt schief gegangen?

Florian Fromlowitz: Nein, meine Zeit in Hannover war zu Ende. Das Torwartkarussell drehte sich im Sommer nicht so, wie ich es mir gewünscht habe. Also bin ich einen Schritt zurück gegangen und in die zweite Liga gewechselt. Ich durfte hier 14 Spiele bestreiten und bin mir sicher, dass ich auch wieder spielen werde. Die aktuelle Situation sehe ich als Abschluss des Jahres 2011, das für mich wirklich kein Gutes war. Jetzt kann es nur aufwärts gehen. Ich hoffe auf das Vertrauen des Trainers und möchte zeigen, dass ich in die erste Liga gehöre.

Duisburg sah auf den ersten Blick wie ein Rückschritt aus. Ein junger Keeper mit der Erfahrung aus 70 Bundesligaspielen wechselt in die zweite Liga. Beurteilen Sie die Situation ähnlich?

Florian Fromlowitz: Ich bin nach Duisburg gekommen, weil die Ambitionen und Ziele mit meinen Vorstellungen übereinstimmten. Leider konnten wir das bisher nicht abrufen und in allen Belangen zeigen. Für mich gehört dieser Verein aber nicht in die zweite Liga und deshalb sehe ich meinen Wechsel auch nicht als Rückschritt. Vielleicht brauchen wir noch ein bisschen Zeit. Dann werden wir in der nächsten Saison sehen, was möglich ist. Hannover 96 ist doch das beste Beispiel. Vor drei Spielzeiten kämpften sie um die Klasse, jetzt spielen sie im Europapokal.

Borussia Mönchengladbach wäre ein anderes Beispiel.

Florian Fromlowitz: Das zeigt doch, dass sich im Fußball vieles schnell ändern kann. Ich hoffe, dass das auch auf mich zutrifft.

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