Flaggschiff des schwul-lesbischen Fußballs: Der Come-Together-Cup

»Ich dachte, ich sei der Einzige«

Seit 1995 organisiert Andreas Stiene den Come-Together-Cup, ein integratives Fußballturnier in Köln. Vor dem 20. Jubiläum sprachen wir mit ihm über sein Erfolgsrezept.

CTC

Andreas Stiene, Sie sind seit jeher mit dem Fußball verbunden. Trotzdem dauerte es lange, bis Sie wirklich glücklich wurden. Warum?
Ich habe bis zu meinem 28. Lebensjahr in meiner Heimatstadt Essen aktiv in der Landesliga Fußball gespielt und bei der Polizei gearbeitet. Bis dahin habe ich mich und meine Homosexualität versteckt und zwei Leben geführt. Es ging so weit, dass ich meinen Freund beim Shoppen verleugnete. Dieses Schauspielern hat unglaublich viel Energie gekostet.

Wann wurde Ihnen klar, dass sich etwas ändern muss?
Mit knapp 27 Jahren kündigte ich meinen Job als Kriminalkommissar bei der Polizei. Ich begann einen Neuanfang im Bereich Gewerbe-Immobilien und bin dafür nach Köln gegangen. Dort hatte sich zu diesem Zeitpunkt gerade ein schwules Fußballteam gegründet, für das Spieler gesucht wurden. Vorher hatte ich ganz fest geglaubt, ich sei der einzige schwule Fußballer auf der Welt. (Lacht.)

Haben Sie sich bei dem Team gemeldet?
Sogar als Erster überhaupt. So bin ich in das »Cream-Team-Cologne« gekommen, das zwischenzeitlich die beste schwule Fußballmannschaft der Welt war. Wir haben zum Beispiel 1994 in New York und 1998 in Amsterdam den WM-Titel bei den »Gay Games« geholt.

In diese Zeit fällt auch die Gründung des Come-Together-Cups. Hat Ihnen das Spielen an sich nicht mehr gereicht?
Das schon. Mich hat aber immer ein wenig gestört, dass wir als Schwule immer nur untereinander gespielt haben. Das wollte ich durch den Come-Together-Cup aufbrechen. Als erstes habe ich ein Spiel meiner Mannschaft gegen die Kölner Polizeiauswahl mitorganisiert. Wir schafften damals sogar ein Unentschieden. Viel wichtiger war aber das Drumherum. Die Reaktion meiner Ex-Kollegen war super positiv. Das hat mich mit dazu motiviert, meine Idee von einem integrativen Cup tatsächlich umzusetzen.

Welche Erinnerung haben Sie an den ersten Come-Together-Cup ?
1995 fingen wir mit zehn Mannschaften an. Das waren noch ausschließlich  Männerteams. Über den Tag hatten wir rund 1.000 Besucher, die hauptsächlich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Spieler kamen. Gegen Abend war das Publikum in den ersten Jahren fast ausschließlich schwul-lesbisch geprägt.

Und 20 Jahre später?
2013 kamen über 20.000 Besucher. Das Publikum ist bunt gemischt und ein großer Teil kommt nicht wegen, sondern trotz des Fußballs, weil wir von Anfang an mehr als ein klassisches Benefiz-Turnier aufgeboten haben. Es gibt zum Beispiel am Abend ein Bühnenprogramm und einen Biergarten. Außerdem haben wir heute ein ganz anderes Standing in der Gesellschaft. Kölner Szene-Gastronomen übernehmen beispielsweise ehrenamtlich die Thekendienste, was für uns natürlich eine große Hilfe ist.

Sie unterstützen mit einem Teil der Einnahmen soziale Projekte. Wohin fließt das Geld?
In erster Linie helfen wir damit dem »Rubicon-Beratungszentrum« und dem »Jugendzentrum anyway«. Beide Projekte setzen sich für Schwule, Lesben, Trans- und Bisexuelle in Köln ein.

Gibt es noch Ziele für den Come-Together-Cup?
Zunächst muss ich sagen, dass ich aus privaten Gründen in diesem Jahr das letzte Mal die ganz große Organisations-Verantwortung tragen werde. Für die Zukunft des Cups kann ich mir eigentlich nur wünschen, dass alles so bleibt, wie es ist. Er muss nicht größer werden. Wir konzentrieren uns aber immer darauf, viele kleine Dinge besser zu machen.

Der Come-Together-Cup findet jährlich auf den Jahn-Wiesen vor dem Rhein-Energie-Stadion in Köln statt. Dabei treten Freizeitmannschaften aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen gegeneinander an, um Vorurteile abzubauen und Integration zu fördern. 2014 findet der Come-Together-Cup am 29.  Mai statt. www.come-together-cup.de

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