Finnlands Star Mikael Forsell

Miklu vor, noch ein Tor!

Heute trifft Deutschland auf Finnland. Einer der wenigen Stars der Skandinavier ist Mikael Forssell. Wir sprachen mit ihm über die Erwartungen seiner Landsleute, die Partie gegen die DFB-Elf – und erste Ballkontakte. Finnlands Star Mikael ForsellImago

»Vielä yksi maali« – »Noch ein Tor«, so der Titel des Buches, das Mikael Forssell im Frühling 2007 fertig gestellt hat. »Ich hatte wegen dieses Themas in den vergangenen Jahren schon öfter Anfragen«, erzählt die Sturmhoffnung des aktuellen Tabellenschlusslichts Hannover 96.

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Außerdem habe sein Berater in der Vergangenheit schon mehrere Bücher geschrieben. »So war es nahe liegend, dass wir das zusammen machen.« In dem Werk beschreibt der rotblonde Nordeuropäer seine bisherige Karriere. »Es geht darum, wie mit großer Leidenschaft Ziele erreicht werden können. Ich zeige, auf welche Art ein Fußballer denken muss, um Erfolg zu haben.«

Seit den ersten Schritten ein Weltenbummler

Dass er über dieses Wissen verfügt, hat der 27-Jährige bereits zu Beginn seiner sportlichen Laufbahn bewiesen. Im zarten Alter von 16 Jahren feierte er für HJK Helsinki sein Profidebüt in der finnischen Veikkausliiga. Schnell sollten Europas Spitzenklubs auf den 1,78 Meter großen Offensivmann aufmerksam werden. Immer noch nicht volljährig, wechselte Forssell zum FC Chelsea.

Aufgrund der starken Konkurrenz an der Stamford Bridge haben ihn die Verantwortlichen des Londoner Top-Klubs innerhalb von fünf Jahren an drei Vereine ausgeliehen. Darunter auch Borussia Mönchengladbach. »Eine super Zeit«, erinnert sich Forssell. Seitdem sei der Kontakt zu Christian Hochstätter nie abgerissen. Im Sommer holte ihn Hannovers Sportdirektor von den »Blues« aus Birmingham in die niedersächsische Landeshauptstadt. Nach einem recht verkorksten Saisonstart mit den »Roten« will »Miklu« am Mittwoch in Helsinki gegen seinen Klubkameraden Robert Enke beweisen, dass er von seiner alten Torgefährlichkeit nichts eingebüßt hat.

Theoretisch hätte sich Hannovers Nummer 32 auch für das Land seines jetzigen Arbeitgebers entscheiden können. Geboren wurde Mikael Forssell in Steinfurt, da sein Vater Anfang der Achtzigerjahre im Münsterland für ein finnisches Unternehmen gearbeitet hat. »Wenn meine Familie damals geblieben wäre, hätte die deutsche Nationalmannschaft vielleicht ein Thema werden können.« Ob ihn Jogi Löw aktuell nominieren würde? Bei aller Bescheidenheit: »Ich sage: Ja«, antwortet der Finne und lacht. 

Viel verbindet er inzwischen nicht mehr mit seinem Geburtsort: »Es ist lange her, dass ich dort war. Ich habe ein Jahr in Steinfurt gelebt, bis unsere Familie nach Schweden gezogen ist, und als ich drei oder vier Jahre alt war nach Helsinki.« Was bleibt, ist ein schöner Videobeweis: »Auf einer alten Kassette, die mein Vater aufgenommen hat, sind meine ersten Ballkontakte in Steinfurt zu sehen«, verrät Mikael Forssell.
   
Finnland und die Fußballlandkarte

Gemeinsam mit Deutschland in einer Qualifikations-Gruppe zu spielen, sei für den quirligen Angreifer natürlich etwas Besonderes. Er möge die deutsche Kultur, betont der Wandervogel höflich. »Zudem denke ich, dass ich als Skandinavier gut hierher passe.«

In seiner Heimat »fragen sich die Leute ständig«, warum sich andere nordeuropäische Teams wie Schweden oder Dänemark im Gegensatz zu Finnland bereits mehrmals für EM- oder WM-Endrunden qualifizieren konnten. Forssell sieht die Ursachen dafür in erster Linie in der Liga: »Die ist nicht so stark, wie die der anderen nordischen Länder«, geschweige denn der Bundesliga oder der Premier League: »In diesen Klassen wird während des Trainings immer hundert Prozent gegeben und sehr konstruktiv gearbeitet.« Dem Fußball in seiner Heimat täte eine solche professionelle Arbeitsweise sehr gut.

Grundsätzlich könne Finnlands Coach Stuart Baxter »eine wirklich starke erste Elf« aufbieten – sofern sich kein Stammspieler verletzt. »Sperren oder Ausfälle können wir nicht so leicht kompensieren, wie beispielsweise Deutschland. Unser Fundament an guten Spielern ist deutlich begrenzter.«

1.200 Kilometer für 20 Minuten


Aufgrund dessen ist Deutschlands zweiter Gruppengegner nach wie vor auf sportliche Auslaufmodelle wie den Rekordnationalspieler Jari Litmanen oder Sami Hyypiä angewiesen. »Momentan sind diese beiden sehr wichtig für uns«, so Forssell. Gerade Jari Litmanen sei, obwohl er seine Karriere mittlerweile in der finnischen Liga ausklingen lässt, für die Mannschaft nach wie vor ein wichtiger Führungsspieler.

Mindestens ebenso stark fokussieren sich die Erwartungen seiner Landsleute auf den Star im Angriff, für den finnische Reporter 1.200 Kilometer von Helsinki nach Hannover in Kauf nehmen, um ein zwanzigminütiges Interview zu führen. »Ich versuche immer, dem Ganzen so gut es geht gerecht zu werden«, sagt der Begehrte mit ernster Miene. »Zu Hause warten alle darauf, endlich bei einem großen Turnier dabei zu sein.«

Damit es 2010 mit der Weltmeisterschaft in Südafrika klappt, schlägt Forssell vor, »die richtige Balance aus Verteidigung und dem Spiel nach vorne zu finden«. Nachdem die Skandinavier während der letzten Qualifikation zur EM in den Alpenländern sehr kompakt standen und wenig Tore kassiert, allerdings auch wenig Treffer erzielt haben, bildet das neue Gleichgewicht die nächste Entwicklungsstufe auf dem Weg zur Erfüllung des großen Traums. Dabei sind die Vorzeichen dieselben, wie in den vergangenen Jahrzehnten: Finnland bekommt stets mindestens zwei starke Gegner, wie jetzt Deutschland und Russland, zugelost.

»Generell müssen wir positiv an unsere Aufgabe herangehen.« Gegen Aserbaidschan und Wales könnten auch die Favoriten aus Gruppe vier Probleme bekommen. Wichtig sei, so Forssell, in den Heimspielen gegen das starke russische Team und den Vize-Europameister gute Resultate zu erzielen. Portugal und Polen wissen seit der umkämpften EM-Quali um die Stärke der Nordlichter – genau wie die Finnen selbst.

Mit dem neuen Selbstbewusstsein im Rücken ist für den Fixpunkt des Offensivspiels somit »alles möglich« in der Gruppe mit Deutschland. Etwas Glück gehöre freilich auch dazu, damit die finnischen Fans am Mittwoch in Helsinki rufen können: »Vielä yksi maali!« –  »Noch ein Tor!«.

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