15.05.2009

Filip Trojan im Interview

»Es geht beschissen zu Ende«

Für St. Paulis Filip Trojan ist die Saison nach einem Innenbandriss beendet, ab dem Sommer wird er für Mainz 05 auflaufen. Wir haben Ihn vor dem Spiel zwischen seinem aktuellen und seinem zukünftigen Verein am Millerntor getroffen.

Interview: Marco Weber Bild: Imago
Sind die Koffer für Mainz schon gepackt?

Noch nicht, bis jetzt habe ich mich noch gar nicht bewegt. Es ist alles noch, als würde ich hier weiter wohnen bleiben. Nächste Woche will ich mir in Mainz eine Wohnung suchen.

Vor ihrem Wechsel zu St. Pauli haben Sie lange Zeit im Ruhrpott gelebt. Wie sind Sie mit der Hamburger Mentalität zu Recht gekommen?

Es ist nicht einfach. Die Stadt ist zwar sehr schön, aber die Leute sind ein bisschen anders. Im Ruhrpott sind die Menschen alle ein wenig offener und helfen dir sofort, wenn du was brauchst. Das hat den Anfang hier nicht leicht gemacht, aber irgendwann hat man dann doch Freunde und einige Leute gefunden, mit denen man sich versteht.

Das Bild vom Kultklub St.Pauli wird medial häufig stark überzeichnet.  Was macht den FC St. Pauli für Sie einzigartig?

Das ist schwer zu beschreiben, du musst es als Spieler erleben. Wenn du hier spielst, dann weißt du, wovon immer geredet wird. Wenn du da unten stehst, darauf wartest einzulaufen und es wird »Hells Bells« gespielt, dann bekommst du Gänsehaut. Wenn die Leute anfangen zu singen, zu schreien – und dann die letzten Minuten, wenn sie das letzte Lied singen und dich feiern. Das gibt es, in dieser Form, nur hier. Und das ist der Grund, warum du hier spielst. 

Es wird immer wieder die enge Bindung zwischen Stadtteil und Verein hervorgehoben. Wohnt der Großteil des Teams auch in St. Pauli?

Wir gehen ab und zu hier feiern, das macht die enge Bindung aus, aber wir wohnen woanders. Auf St. Pauli sind wir meistens nur am Abend unterwegs.

Können Sie sich noch an besonders skurrile Momente der letzten zwei Jahre erinnern? Mir fällt da ein Spiel in Offenbach ein: Nach einem Tor entblößten Sie vor dem Offenbacher Anhang Ihr Hinterteil.

Das war auf jeden Fall eine gute Erfahrung, denn so etwas hatte ich noch nie vorher erlebt. Ich habe die Leute dort ein bisschen geärgert (lacht) und die haben mich dann ausgepfiffen, beleidigt und beschimpft, eben alles, was man sich vorstellen kann. Aber meistens ist es ja so, dass nur die guten Spieler ausgepfiffen werden. Von daher kann ich ein bisschen stolz auf mich sein.

Hatte Ihre Geste einen Hintergrund?

Ich wurde von Anfang an, ohne jeden Grund, beleidigt und beschimpft. Hätte ich was gemacht, hätte ich es ja verstanden. Aber so war es ein wenig anders, ich habe mitgemacht und mich provozieren lassen.

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