15.05.2009

Filip Trojan im Interview

»Es geht beschissen zu Ende«

Für St. Paulis Filip Trojan ist die Saison nach einem Innenbandriss beendet, ab dem Sommer wird er für Mainz 05 auflaufen. Wir haben Ihn vor dem Spiel zwischen seinem aktuellen und seinem zukünftigen Verein am Millerntor getroffen.

Interview: Marco Weber Bild: Imago
Herr Trojan, sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ab und zu schon, ab und zu nicht. Manchmal weiß ich nicht, an was ich glauben soll, in anderen Momenten wiederum glaube ich schon, dass es da oben irgendwas gibt.



Haben Sie so vielleicht eine Erklärung für das Verletzungspech, dass Sie verfolgt?

Ich glaube, das ist dieses Zeichen, dass ich an irgendwas glauben soll. Das beschützt mich irgendwie vor dem Spiel heute. Wahrscheinlich wäre sonst noch etwas viel Schlimmeres passiert.

Sind Sie froh, diesem Spiel heute aus dem Weg zu gehen oder schmerzt es, nicht auflaufen zu können?

Es schmerzt schon. Das ist ein Spiel, bei dem jeder dabei sein will. Jeder will spielen und zeigen, dass er für den Verein, für den er nächstes Jahr spielt, gut genug ist. Leider hat die Verletzung mir dieses Spiel versaut. Ich mag es sowieso nicht: auf der Tribüne  sitzen, nichts tun und den anderen zuschauen, das ist nicht mein Ding. Von daher weiß ich nicht, wie lange ich das heute hier aushalte. Vielleicht bin ich nach ein paar Minuten schon wieder weg.

Sie haben eine unglückliche Rückrunde gespielt und als Sie nach der Verkündung ihres Wechsels allen beweisen wollten, dass sie bis zum letzten Spiel alles für Ihren Verein geben, haben Sie sich die schwere Verletzung zugezogen. Was war in dem Moment Ihr erster Gedanke?

Dass es einfach beschissen zu Ende geht. Die Rückrunde war nicht gut, ich hatte von Anfang an gesundheitliche Probleme, aber gegen Wiesbaden und Duisburg habe ich endlich wieder gespielt und mich gut gefühlt nach Monaten. Ich war mir sicher, dass ich noch was zeigen kann, deswegen ist es so bitter. Wenigstens habe ich eine gute Hinrunde gespielt.

Sie werden für St.Pauli nicht mehr auflaufen können. Sehen Sie sich trotzdem noch als Teil des Teams?

Ich denke schon, dass ich das bis zum letzten Spiel bin. Natürlich ist es nicht so, wie es wäre, wenn ich noch spielen würde, aber ich bin oft beim Training, in der Kabine und habe hier immerhin fast zwei Jahre gespielt.

Während der letzten beiden Jahre beim FC St.Pauli haben Sie sich mit vielen Verletzungen herumgeplagt. Fällt Ihr Fazit trotzdem positiv aus?

Auf jeden Fall. Hierher zu gehen, war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich hatte zwei superschöne Jahre hier, die ich niemals vergessen werde. Es ist nur schade, dass alles so endet.

Waren es auch finanzielle oder ausschließlich sportliche Gründe, die den Ausschlag für den Wechsel nach Mainz gegeben haben?

Es ist ja ganz normal, dass man, wenn man zu einem neuen Verein wechselt, nicht weniger Geld verdient. Wenn ich sagen würde: Ich verdiene in Mainz 5000 € weniger, würde jeder wissen, dass ich lüge. Klar verdient man mehr, aber wenn ich wegen des Geldes irgendwohin wechseln würde, wäre ich nie zu St. Pauli gekommen. Hier spielt man nicht, weil man Millionen verdienen möchte, sondern weil es großen Spaß macht. Ich habe einen ähnlichen Verein gesucht, der auch erste Liga spielen kann und ich denke, da habe ich mit Mainz genau den richtigen gefunden. Genauso sympathisch wie St. Pauli, das Stadion, jedes Heimspiel ausverkauft und die Stimmung ist so wie hier, naja, fast zumindest. Denn eine Stimmung wie auf St. Pauli gibt es sonst ja nicht. Viele haben mir Mainz empfohlen und wenn man die Möglichkeit hat, eventuell eine Klasse höher bei einem Verein zu spielen, bei dem es genauso familiär wie hier zugeht, dann ist das genau das Richtige.

Sehen Sie sich persönlich als Bundesligaspieler?

Ich habe mich die ganze Zeit als Bundesligaspieler gesehen, nur die Verletzungen werfen mich immer wieder zurück. Ich habe noch kein Jahr ohne Verletzungen überstanden und ich bin mir sicher: Wenn ich das irgendwann schaffe, werde ich auch zeigen, dass ich ein Bundesligaspieler bin.

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