Filip Daems über Fehler, Vorbilder und die Borussia

»Ich habe mich gut gehalten«

Seit sieben Jahren spielt Filip Daems für Borussia Mönchengladbach. Zweite Liga, Relegation, Champions-League-Qualifikation - der Kapitän hat alles mitgemacht. Wir sprachen mit ihm über Fehler, Wendepunkte und Vorbilder der Borussia.

Filip Daems, Sie sind 33 Jahre alt und 15 Jahre als Profi unterwegs. Gehen Sie noch mit Freude in die Saisonvorbereitung?
(lacht) Ja, mir macht sie immer noch Spaß. Alles andere wäre auch ein schlechtes Zeichen. Wir hatten lange genug Urlaub. Natürlich ist es nicht die schönste Zeit im Jahr, der eine oder andere Lauf wartet, doch in den vergangenen zwei Wochen habe ich schon wieder dieses Kribbeln gespürt und mich gefreut, dass es bald losgeht.

Tricksen Sie als älterer Spieler in der Vorbereitung ein bisschen herum und sparen bei manchen Übungen ihre Kräfte?
Schön wär’s, aber das kann ich mir nicht leisten. Als Kapitän muss ich vorangehen, mit vollem Einsatz bei jeder Trainingseinheit. Klar, wenn ich Beschwerden habe, dann mache ich eine Pause. Im Alter kommt so etwas öfter vor. Doch eigentlich bin ich noch ziemlich fit.

In der vergangenen Saison sind Sie als Linksverteidiger die Linie lang marschiert und haben einige jüngere Gegenspieler stehen lassen.
Ich habe mich gut gehalten. Ich achte auf meine Ernährung, nehme mir die Ruhe wenn ich sie für richtig halte. Das ist absolut wichtig, sonst kannst du keinen Sport auf Topniveau über so lange Zeit machen.

Sie kamen im Januar 2005 zur Borussia im Rahmen einer ausgedehnten Einkaufstour des damaligen Trainers Dick Advocaat. Hätten Sie gedacht, solange bei der Borussia zu bleiben? Eine solche Vereinstreue ist inzwischen recht unüblich.
In unserem Geschäft weißt du das nie vorher, aber ich habe es zumindest gehofft. Ich bin seit 15 Jahren Profi und war nur bei drei Vereinen. Wenn ich einen Ort gefunden habe, wo ich mich wohlfühle, dann bleibe ich dort gerne länger. Und hier bei der Borussia ist das der Fall.

Obwohl es in Mönchengladbach oft unruhig war? Der Klub befand sich überwiegend im Abstiegskampf, 2007 stieg die Borussia sogar ab.
Es wurden in der Vergangenheit ohne Zweifel Fehler gemacht. Der Trainer- und Spielerverschleiß war zu groß, da konnte keine Kontinuität entstehen. Sowas mündet dann halt im Abstiegskampf oder in der Zweiten Liga. Das weiß der Verein auch. Seitdem hat sich jedoch einiges geändert. Unsere sportliche Führung mit Max Eberl und Lucien Favre funktioniert super. Die beiden wissen, was gut ist für den Klub, was gut ist für Mannschaft, schließlich waren sie auch mal Profis. Ihnen haben wir die nötige Stabilität zu verdanken. Umso wichtiger ist die Vertragsverlängerung unseres Trainers. Ein starkes Signal.

Mit Lucien Favre erreichte die Borussia 2011 noch die Relegation, obwohl man vorher so gut wie abgestiegen war. Wie hat Lucien Favre das geschafft?
Lucien Favre ist ein Trainer mit klaren Vorstellungen. Vom ersten Tag an hat er uns erklärt, was er taktisch von uns verlangt und das perfekt vermittelt. Und das Team hat es schnell begriffen und umgesetzt. Deshalb stehen wir heute so kompakt. Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Dafür haben wir hart gearbeitet. Es gehört natürlich auch Glück dazu. Im ersten Spiel gelang gegen Schalke gleich ein Sieg. Dadurch war das Selbstvertrauen und der Glaube in das neue Konzept sofort da.


Waren die Spiele gegen den VfL Bochum die schlimmsten ihrer Karriere?
Das glauben Sie mir vielleicht nicht, aber ich war ganz ruhig. Vor, während und zwischen Spielen. Innerhalb der Mannschaft wurde auch nicht viel darüber geredet. Wir haben unseren tollen Lauf aus den Monaten davor einfach durchgezogen.

Und dann hieß es: Von der Relegation bis in die Champions League mit gleichen Mannschaft.
Es ist wirklich unglaublich. Wir haben uns als Mannschaft immer besser kennengelernt, wieder ein Jahr mehr zusammen verbracht. Jeder weiß inzwischen genau, wie der andere tickt, was er drauf hat. Hannover 96 hat es uns vorgemacht, wie das geht. Die sind 2010 fast abgestiegen, in der darauffolgenden Saison in den Europapokal marschiert und dieses Jahr wieder, trotz der Doppelbelastung. Die 96er müssen ein Vorbild für uns sein.

Gibt es also konkrete Ziele für die nächste Saison? Mit Marco Reus, Roman Neustädter und Dante haben wichtige Spieler den Verein verlassen, dafür kamen Granit Xhaka, Alvaro Dominguez und Peniel Mlapa vor allem junge Spieler.
Eine Prognose ist extrem schwierig, aber noch einmal so eine Saison zu spielen wird sehr schwer. Durch das internationale Geschäft kommt die Doppelbelastung hinzu, daran müssen wir uns erst einmal gewöhnen. Dann gilt es, die neuen Spieler zu integrieren, ob das nun schnell oder langsam geht, weiß man nie. Bei Xhaka sieht man sofort, was für eine enorme Qualität er mitbringt, Mlapa ist auch sehr talentiert. Dominguez war nur ein paar Tage hier, weil er mit der spanischen U21 zu den Olympischen Spielen muss. Alle werden uns weiterhelfen. Und mal schauen, wer noch kommt.

Sie haben erstaunlicherweise nur acht Länderspiele für Belgien gemacht. Warum so wenige?
Ich bin 2001 von Lierse SK für fünf Jahre in die Türkei gewechselt und dadurch aus dem Fokus der Nationalmannschaft gerutscht. Mir war klar, dass der Wechsel ein Risiko ist, doch ich war jung, wollte die Welt sehen und mal was anderes machen. Die Entscheidung war richtig, die Auslandserfahrung hat mich weitergebracht. Bei Mönchengladbach bin ich 2006 für ein Jahr wegen einer Fersenverletzung ausgefallen, 2010 habe ich dann entschieden, mich nur noch auf die Borussia zu konzentrieren.

Wo Sie ihre Karriere beenden werden? Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr.
Wie gesagt, ich fühle mich wohl hier, bin Kapitän und habe ein gewisses Standing im Verein. Doch im Fußball weißt du einfach nicht, was morgen ist. Für mich zählt zunächst nur die kommende Saison.

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