13.07.2012

Filip Daems über Fehler, Vorbilder und die Borussia

»Ich habe mich gut gehalten«

Seit sieben Jahren spielt Filip Daems für Borussia Mönchengladbach. Zweite Liga, Relegation, Champions-League-Qualifikation - der Kapitän hat alles mitgemacht. Wir sprachen mit ihm über Fehler, Wendepunkte und Vorbilder der Borussia.

Interview: Christoph Drescher Bild: Imago

Filip Daems, Sie sind 33 Jahre alt und 15 Jahre als Profi unterwegs. Gehen Sie noch mit Freude in die Saisonvorbereitung?
(lacht) Ja, mir macht sie immer noch Spaß. Alles andere wäre auch ein schlechtes Zeichen. Wir hatten lange genug Urlaub. Natürlich ist es nicht die schönste Zeit im Jahr, der eine oder andere Lauf wartet, doch in den vergangenen zwei Wochen habe ich schon wieder dieses Kribbeln gespürt und mich gefreut, dass es bald losgeht.

Tricksen Sie als älterer Spieler in der Vorbereitung ein bisschen herum und sparen bei manchen Übungen ihre Kräfte?
Schön wär’s, aber das kann ich mir nicht leisten. Als Kapitän muss ich vorangehen, mit vollem Einsatz bei jeder Trainingseinheit. Klar, wenn ich Beschwerden habe, dann mache ich eine Pause. Im Alter kommt so etwas öfter vor. Doch eigentlich bin ich noch ziemlich fit.

In der vergangenen Saison sind Sie als Linksverteidiger die Linie lang marschiert und haben einige jüngere Gegenspieler stehen lassen.
Ich habe mich gut gehalten. Ich achte auf meine Ernährung, nehme mir die Ruhe wenn ich sie für richtig halte. Das ist absolut wichtig, sonst kannst du keinen Sport auf Topniveau über so lange Zeit machen.

Sie kamen im Januar 2005 zur Borussia im Rahmen einer ausgedehnten Einkaufstour des damaligen Trainers Dick Advocaat. Hätten Sie gedacht, solange bei der Borussia zu bleiben? Eine solche Vereinstreue ist inzwischen recht unüblich.
In unserem Geschäft weißt du das nie vorher, aber ich habe es zumindest gehofft. Ich bin seit 15 Jahren Profi und war nur bei drei Vereinen. Wenn ich einen Ort gefunden habe, wo ich mich wohlfühle, dann bleibe ich dort gerne länger. Und hier bei der Borussia ist das der Fall.

Obwohl es in Mönchengladbach oft unruhig war? Der Klub befand sich überwiegend im Abstiegskampf, 2007 stieg die Borussia sogar ab.
Es wurden in der Vergangenheit ohne Zweifel Fehler gemacht. Der Trainer- und Spielerverschleiß war zu groß, da konnte keine Kontinuität entstehen. Sowas mündet dann halt im Abstiegskampf oder in der Zweiten Liga. Das weiß der Verein auch. Seitdem hat sich jedoch einiges geändert. Unsere sportliche Führung mit Max Eberl und Lucien Favre funktioniert super. Die beiden wissen, was gut ist für den Klub, was gut ist für Mannschaft, schließlich waren sie auch mal Profis. Ihnen haben wir die nötige Stabilität zu verdanken. Umso wichtiger ist die Vertragsverlängerung unseres Trainers. Ein starkes Signal.

Mit Lucien Favre erreichte die Borussia 2011 noch die Relegation, obwohl man vorher so gut wie abgestiegen war. Wie hat Lucien Favre das geschafft?
Lucien Favre ist ein Trainer mit klaren Vorstellungen. Vom ersten Tag an hat er uns erklärt, was er taktisch von uns verlangt und das perfekt vermittelt. Und das Team hat es schnell begriffen und umgesetzt. Deshalb stehen wir heute so kompakt. Jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Dafür haben wir hart gearbeitet. Es gehört natürlich auch Glück dazu. Im ersten Spiel gelang gegen Schalke gleich ein Sieg. Dadurch war das Selbstvertrauen und der Glaube in das neue Konzept sofort da.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden