18.08.2012

Fifa-Vizepräsident Ali bin al Hussein im Interview

»Katar im Winter wäre kein Problem«

Fifa-Vizepräsident Prinz Ali bin al Hussein spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die umstrittene WM in der Wüste, Reformen in der Fifa und seine Ideen für einen sozial engagierten Fußball.

Interview: Robert Ide Bild: Imago

Prinz Ali, wird die Fußball-WM 2022 tatsächlich in Katar stattfinden?

Warum nicht? Die Fifa hat 209 Mitgliedsstaaten. Und ich denke, es ist das Recht jedes einzelnen Landes, eine Weltmeisterschaft auszurichten – so es diese organisieren kann.

An dem Turnier in der Wüste gibt es erhebliche Zweifel, insbesondere wegen der hohen Temperaturen im Sommer.

Ich denke, es ist besser, im Winter zu spielen. Dann wäre das Wetter für Spieler und Fans gut. Das müsste allerdings der Gastgeber entscheiden.

Nicht nur. Schließlich müssten weltweit die Spielpläne umgestellt werden.
In Asien schon einmal nicht. Wir haben die letzten Asien–Meisterschaften auch im Januar ausgespielt. Ich sehe nicht, warum eine Winter-WM in Katar ein großes Problem sein soll. Schließlich gibt es in Europa ja auch eine Winterpause.

Ist es nicht aber ein großes Problem, dass es in Katar kaum Fußballfans gibt?

Die WM kann ein Fest für ganz Asien werden, wir sollten dabei die Nachbarländer auf alle Fälle einbinden. Und das Turnier muss eine soziale Dimension haben, Menschen in Asien zum Fußball zu bringen. Mit diesem Projekt sollten wir jetzt schon anfangen. Vor allem Frauen möchten wir für unseren Sport motivieren. Die Entwicklung des Frauenfußballs in Asien ist mir sehr wichtig, denn sie hat eine soziale und gesellschaftliche Funktion.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat auf Ihre Initiative hin gerade das Kopftuchverbot für Spielerinnen aufgehoben. Kann das helfen?

Nach der Aufhebung des Verbots ist das Interesse bei vielen Mädchen in arabischen Ländern gestiegen, selbst Fußball zu spielen. Gerade in ärmeren Gegenden, in denen Traditionen eine große Rolle spielen, gibt es eine Menge Zuspruch und Neugier. Auch deshalb arbeiten wir jetzt mit der Berliner Initiative von „Streetfootballworld“ zusammen, um den Straßenfußball zu fördern. Auch eine Weltmeisterschaft in Katar kann dazu beitragen.

Viele europäische Fans können sich die WM in Katar nur schwer vorstellen.

Viele konnten sich auch eine WM in Südafrika nicht vorstellen. Es gab nun einmal eine Doppelentscheidung der Fifa für Russland 2018 und Katar 2022, über deren Umstände ich nicht sehr glücklich war. Aber Russland ist eine großes Land, und Katar ist gewählt worden. Nun sollten wir etwas daraus machen.

Entbehrt der Vorwurf denn völlig den Tatsachen, dass Katar die WM gekauft hat?

Um ehrlich zu sein: Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich war an dieser Entscheidung nicht beteiligt und bin erst danach ins Fifa-Exekutivkomitee gerückt.

Prinz Ali, Sie sind mit 36 Jahren das jüngste Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee. Wie fühlen sich die Sitzungen für Sie an im Kreise der sonst sehr betagten Herren?

Natürlich lerne ich noch viel; es ist aufregend, hier mitzuarbeiten. Ich würde mir aber mehr Mitstreiter mit verschiedenen Hintergründen wünschen. Wir haben die gewählten Verbandsvertreter im Exekutivkomitee, das ist klar. Aber warum sitzt kein Vertreter der Fußballmanager dort, weshalb kein Vertreter der Spieler, kein Vertreter der Schiedsrichter? Sie alle machen doch den Fußball aus, und sie hätten sicher neue Ideen.

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