Felix Magath im Interview

„Man verliert die Unschuld“

In München hat Felix Magath seinen Ruf als Feuerwehrmann abgelegt. Nun will er das Image des VfL Wolfsburg aufpolieren. Ein Interview über wilde Party-Jahre beim HSV, die Amigos aus München und sein Vorbild Branko Zebec. Imago
Heft #72 11 / 2007
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72

Felix Magath, was lieben Sie am Fußball besonders?

Dass er das schönste und schwierigste Spiel ist, das es gibt.

Was ist denn so schwierig daran?

Es einfach zu spielen.

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Damit Ihnen das gelingt, haben Sie sich gerade wieder einiges ans Bein gebunden: Sie sind Trainer, Sportmanager und Geschäftsführer des VfL Wolfsburg. Wünschen Sie sich manchmal die Zeit als Spieler zurück?

Da geht es mir genauso wie den meisten anderen, die nach der Spielerkarriere einen neuen Job übernommen haben.

Was macht die Zeit als Spieler denn so außergewöhnlich?


Ich war nie mehr so frei in meinen Entscheidungen wie damals. Ein Spieler ist nur für sich selbst verantwortlich. Er kann – im Rahmen seiner Aufgabe – tun und lassen was er will. Erst wenn die Laufbahn endet, bemerkt man allmählich, wie viele Kompromisse man eingehen muss.

Ein Spieler verliert also einen Teil seiner Unschuld, wenn er in den Trainer- oder Managerstatus aufsteigt?

Der Verlust der Unschuld hat nichts mit der Position zu tun. Die Unschuld verliert man, weil es in diesem Geschäft fast nur noch ums Geld geht. Mittlerweile ist der Sport oft nur noch Mittel zum Zweck.

Aber auch Sie partizipieren an diesem System.


Es fällt mir auch nicht leicht, zu sagen, man solle Geld nicht so wichtig nehmen. Schließlich habe ich schon als Spieler gut verdient. Doch ich würde behaupten, dass ich immer deutlich gezeigt habe, dass der Sport und der Spaß am Spiel bei mir immer an erster Stelle stehen. Ich wünschte, es gäbe nur Spieler, die zuerst einmal gewinnen wollen und kapiert haben, dass alles andere dann von ganz alleine kommt.

Der heutige Spielertypus unterscheidet sich also charakterlich von den Spielern Ihrer aktiven Zeit?

So schnell verändern sich die Menschen nicht. Aber sie passen sich ihrer Umgebung an. Ein Beispiel: In der Bundesliga bleiben viele Spieler auch nach harmlosen Fouls lange am Boden liegen. Das gibt es in der Premier League nicht. Dort bleiben sogar Spieler aus dem Ausland nur im Notfall am Boden.

Auch der Trainerposten hat in der Bundesliga einen anderen Stellenwert als im Ausland. Wie gehen Sie mit Entlassungen um?

Meine erste Entlassung beim HSV war eine sehr große Enttäuschung. Auch die Demission bei Eintracht Frankfurt hat mich getroffen. Inzwischen aber habe ich das akzeptiert. Ich hege zum Beispiel überhaupt keinen Groll, was meine Entlassung bei Bayern München anbetrifft.

Beim FC Bayern wurden Sie über Ihre Entlassung wochenlang im Unklaren gelassen. Auch beim SV Werder spielte der Vorstand mit Ihnen Katz und Maus. Wie können Sie so was akzeptieren?

Entlassungen laufen nun mal selten fein ab. Das bringt das Geschäft mit sich. Diejenigen, die entscheiden, dass ein Trainer gehen muss, sehen Gründe für die Entlassung und entziehen dem Coach nach und nach die Unterstützung. So entsteht eine Situation, in der immer mehr Leute der Meinung sind, dass der Mann auf der Bank nicht mehr haltbar ist.

Dabei gibt es viele Faktoren, die zu einer Entlassung führen können...

Ich sehe da nicht so viele Faktoren. Denn im Endeffekt ist ein Trainer immer so stark wie ihn der Vorstand macht. Volker Finke wurde 16 Jahre beim SC Freiburg nicht entlassen, obwohl er mehrfach abgestiegen ist. Wo waren da die Marktmechanismen? Ganz einfach: Der Vorstand hat hinter ihm gestanden.

Der Trainer ist also das schwächste Glied in der länger werdenden Kette von Entscheidungsträgern?

Nein, der Trainer wird oft nur zum schwächsten Glied gemacht, weil es für alle am einfachsten erscheint.

War das während Ihrer aktiven Zeit anders?


Damals hatten Trainer viel mehr Einfluss. Denn es wurde längst nicht so viel Geld im Fußball verdient. Deshalb hatten viele Leute gar kein Interesse, etwas mit Fußball zu tun zu haben. Inzwischen ist es aber sehr lukrativ, im Fußballgeschäft ein Wörtchen mitzureden.

Hatte etwa Ernst Happel mehr Möglichkeiten beim HSV als Sie heute beim VfL Wolfsburg?


Alle Trainer hatten damals mehr Einfluss und eine ganz andere Akzeptanz bei den Spielern.

Waren die Spieler dem Trainer gegenüber loyaler?

Es liegt in der Natur der Sache: Durch die höhere Akzeptanz des Trainers waren Spieler damals nicht so schnell bereit, öffentlich etwas gegen den Coach zu sagen oder seine Methoden infrage zu stellen.

Dabei verfügen Sie in Wolfsburg über eine Machtposition, von der andere Trainer nur träumen können.

Mir wurde hier in Wolfsburg der Posten des Sportmanagers angetragen. Also habe ich überlegt, mit welchem Trainer ich mir den nötigen Umbruch durch den Weggang von zehn Spielern vorstellen könnte – und kam zum Entschluss, dass ich es wohl am Besten selbst mache (lächelt).

Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, dass der Vertrag in Wolfsburg nach Ihrem Bayern-Engagement ein Rückschritt sein könnte?

Nein. Mir war immer bewusst, dass mein Engagement in München nur von begrenzter Dauer sein würde. Deshalb war ich weder überrascht, noch enttäuscht, dass ich nach zweieinhalb Jahren die Kündigung erhielt. Anschließend erhielt ich ein Angebot von Manchester City. Wenn ich nach meiner Zeit als Eintracht-Trainer so ein Angebot erhalten hätte, wäre ich begeistert gewesen. Aber nach meinen Erfolgen beim FC Bayern war so eine Offerte doch normal. Also fing ich an zu überlegen, ob es sich lohnt, den Schritt ins Ausland zu einem Verein im unteren Mittelfeld zu machen...

Eine Frage, die Sie sich angesichts des Angebots vom VfL Wolfsburg auch stellen mussten.

Überhaupt nicht. Hier ist es eine ganz andere Situation, denn ich kenne die Bundesliga seit 1976, die Premier League kenne ich nur übers Fernsehen. In ein fremdes Umfeld in die Mittelklasse zu wechseln, finde ich erheblich weniger reizvoll, als bei einem Verein wie Wolfsburg – mit allen Kompetenzen betraut – etwas Neues aufzubauen.

Wo hat der VfL Wolfsburg Nachholbedarf im Vergleich zum FC Bayern?

Die Bayern stehen in Deutschland über allem, deshalb stellt sich die Frage nicht. Beim VfL handelt es sich um einen sehr jungen Klub, der keine große Tradition vorweisen kann. Das Einzugsgebiet ist etwas begrenzt und die Stellung des Hauptsponsors ist anders als bei anderen Klubs. Aber hier bemüht man sich seit Jahren, gute Arbeit zu leisten. Ich werte es als großen Erfolg, dass bei den Nachteilen, die dieser Verein gegenüber Traditionsvereinen hat, in Wolfsburg seit zehn Jahren Bundesliga-Fußball gespielt wird. Das ist Klubs wie dem 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt nicht gelungen.

Also alles eitel Sonnenschein.


Natürlich nicht. Wir müssen zusehen, dass wir weiter zu den Klubs mit mehr Tradition und einer besseren Infrastruktur aufschließen.

Meinen Sie, dass das durch Ihre Nähe zu VW-Vorstand Martin Winterkorn möglich sein wird?

Es war eine Grundlage meiner Entscheidung, dass der Sponsor auch in Zukunft hinter dem Verein steht. Die Ausrichtung von VW ist die, dem Verein eine wirtschaftliche Unterstützung zu geben, die es möglich macht, langfristig auch im internationalen Geschäft mitzumischen.

Hat es Ihnen Spaß gemacht, als Bayern-Trainer mit der geballten Kompetenz in der Führungsetage des FCB über Fußball zu diskutieren?


Mit Fußballkompetenz ist das so eine Sache. Das Spiel ist auch deshalb so schwierig, weil jeder eine eigene Ansicht dazu hat. Deswegen findet man nur wenige, die genauso darüber denken, wie man selbst. Mit viel Kompetenz muss ein Trainer also viel mehr diskutieren (lächelt).

Mit anderen Worten: Es war nicht immer leicht mit den Amigos beim FC Bayern.

Das sagen Sie. Ich sage es so: Diskussionen mit Menschen, die aus dem Fußball kommen, sind oft schwieriger, als mit Leuten zu sprechen, die dieses Thema eher theoretisch, in manchen Fällen aber auch emotionsloser und objektiver beurteilen. Aber ich möchte die Erfahrung in München auf keinen Fall missen.

Klingt, als hätten Sie keine Sekunde überlegen müssen. Einigen Trainern hat das Bayern-Engagement auch geschadet: Ribbeck, Rehhagel, auch Trapattoni.

Nein, bei einem Angebot des FC Bayern gibt es kein Wenn und kein Aber.

Weil es der FC Bayern ist?

1992 habe ich entschieden, in den Trainerjob einzusteigen. Und welches Ziel habe ich, wenn ich diese Entscheidung fälle? Ich will das erreichen, was mir als Spieler gelungen ist: Meister werden und den Europacup gewinnen. Und diese Möglichkeit hat ein Trainer nun einmal am ehesten, wenn er auf der Bank des FC Bayern sitzt.

Das klingt sehr kalkuliert
.

Ich will Erfolg haben. Darum geht es im Fußball. Und da ist es für mich nicht entscheidend, ob ich dieses mit meinem ehemaligen Mitspieler Beckenbauer als Präsidenten verfolge oder hier beim VfL Wolfsburg den VW-Vorstand an meiner Seite habe.

Gibt es nach dem FC Bayern noch einen weiteren Traumverein für Sie?

Nein.

Aber das Engagement von Bernd Schuster bei Real Madrid wäre auch für Sie interessant gewesen.

Selbstverständlich sagt man ein Angebot aus Madrid nicht ab. Aber allein, weil ich kein Spanisch spreche, käme das für mich dort gar nicht in Frage.

Woran liegt es, dass deutsche Trainer bei Spitzenvereinen im Ausland keine Rolle mehr spielen. Lange galten Männer wie Hennes Weisweiler, Udo Lattek oder Jupp Heynckes als Koryphäen.

Das ist ein Wahrnehmungsproblem. Die Bundesliga ist nach wie vor eine der stärksten, wenn nicht die stärkste Liga der Welt. Aber es mangelt ihr an Akzeptanz. Warum wird zum Beispiel ein Frank Lampard höher eingeschätzt als Michael Ballack? Was hat das englische Nationalteam in den letzten Jahren geleistet? Das kann ich so nicht nachvollziehen.

Aber es ist unbestritten, dass die deutschen Klubs seit Jahren international nicht mehr mithalten. Woran liegt das?

Weil in anderen Ligen wesentlich mehr Geld bezahlt wird und die Topspieler eher dort spielen. Dafür ist die Wettbewerbsfähigkeit in der Bundesliga viel höher als in England oder Spanien, wo nur zwei, drei Vereine den Meister unter sich ausmachen.

Mit einem Wechsel zu Manchester City hätten Sie zumindest ein bisschen Werbung für die deutsche Trainerzunft machen können.

Aber warum soll ich als Vater meiner Familie bei so vielen Unwägbarkeiten das Risiko zumuten, nach Manchester zu ziehen? Wenn es daneben geht, muss ich in einem halben Jahr wieder umziehen.

Diese Einstellung widerspricht aber Ihrem Anliegen, um jeden Preis Erfolg zu haben.

Da sehe ich keinen Widerspruch. Wenn ich eine realistische Chance gesehen hätte, mit Manchester City dauerhaft Erfolg zu haben, dann hätte ich das zusammen mit meiner Familie riskiert. Aber was wissen Sie über Manchester City, abgesehen davon, dass der Klub vom thailändischen Ex-Premier Thaksin Shinawatra gekauft wurde?

Zumindest, dass es ein Verein in der weltweit bedeutendsten Liga ist.


Ich hatte auch die Möglichkeit, Borussia Dortmund zu trainieren. Aber ich habe auch dort abgesagt, weil mir klar war, dass ich mit den vorhandenen Mitteln unmöglich die Erwartungshaltung erfüllen kann. Und von Manchester City weiß ich noch sehr viel weniger als von Dortmund.

Nach der aktiven Zeit fingen Sie schon 1986 als Manager beim HSV an. Kurz darauf wechselten Sie auf die Trainerbank. Gab es in Ihrer Lebensplanung nie einen Plan B, in dem Fußball keine Rolle spielt?

Anfang der 90er habe ich kurz überlegt, ob ich mich aus dem Fußball zurückziehen soll. Ich habe aber schnell bemerkt, dass der Fußball das Genre ist, wo ich hingehöre. Denn ich kenne mich in keinem Bereich so gut aus.

Trotzdem haben Sie vor Ihrem Wechsel 2000 zum VfB Stuttgart angekündigt, nicht mehr als Trainer in der Bundesliga zu arbeiten, falls auch dieses Engagement nur von kurzer Dauer sein würde.

Weil ich kein Feuerwehrmann mehr sein wollte. Ich hatte genug davon, Vereinen zu helfen, die sportlich und finanziell am Boden lagen, und wenn sich der Erfolg einstellte, wie in Frankfurt, die Papiere in die Hand gedrückt zu bekommen.

Und wenn es in Stuttgart genauso gelaufen wäre?

Dann wäre ich ins Ausland gegangen oder in die 2. oder 3. Liga.

Die HSV-Mannschaft, in der Sie Anfang der 80er spielten, war die erfolgreichste in der Vereinsgeschichte. Was machte dieses Team aus?

Der Schlüssel zum Erfolg waren Spielertypen wie Kaltz, Stein, Jakobs, Hrubesch oder ich. Für uns war Siegen das Wichtigste.

Haben Sie als Spieler die Freiheiten ausgenutzt, die man Ihnen gab?

Ich habe gelebt, wie ich es für richtig hielt. Ich habe geraucht, ab und an auch mal einen getrunken – und wunderbare Jahre in Hamburg verbracht. Unsere Spielergeneration hatte das Glück, dass uns damals nicht bewusst war, wie kontraproduktiv sich ein Rindersteak mit Pommes Frites am Spieltag auf die Leistung auf dem Platz auswirken konnte.

Der Asket, als der Sie immer beschrieben werden, sind Sie also nicht?

Irgendwann nach meiner aktiven Laufbahn habe ich begriffen, dass Alkohol eine große Belastung für den Körper darstellt. Das kann man einem aktiven Fußballer nur schwer vermitteln. Ein junger, austrainierter Fußballer steckt das viel besser weg als ein über 50-jähriger.

Inwieweit waren Sie trotzdem ein Musterprofi?


Wenn ich am Abend einen Schluck zuviel hatte, habe ich mich nicht krank gemeldet, sondern mit schlechtem Gewissen versucht, am nächsten Morgen noch besser zu trainieren als sonst (lächelt).

Ist die heutige Spielergeneration nicht mehr so hart im Nehmen?

Da müssen sie die Spieler fragen, ob sie am Abend einen trinken können und am nächsten Tag hart trainieren.

Welchen Anteil hatten die Trainer Branko Zebec und Ernst Happel an den Erfolgen des HSV?

Ich habe oft darüber nachgedacht, wer von beiden der bessere Trainer war. Mit dieser Herangehensweise wird man beiden aber nicht gerecht. Und man darf auch Aleksandar Ristić nicht vergessen. Zebec war ein Trainer, der Spieler entwickelt hat. Happel war dazu in der Lage, alles aus einem ausgebildeten Kader herauszuholen.

Erkennen Sie in Ihrer Arbeitsweise Ihre alten Trainer mitunter wieder?

Um Spieler und Mannschaften zu entwickeln, braucht man bestimmte Grundlagen, um erfolgreich zu sein: Ordnung, Disziplin und Fitness. Das habe ich von Branko Zebec gelernt. Und das gilt bis heute.

Ihr Quälix-Image ist also eine Folge der Tugenden, die Ihnen Branko Zebec eingetrichtert hat?


Immer wieder wird von Sportredakteuren auf dieser Schiene herumgeritten. Das ist doch dummes Zeug. Sie können fragen, wen Sie wollen: Um im Leistungssport, egal in welcher Sportart, erfolgreich zu sein, muss man fitter und in unserer Sportart am besten auch technisch und taktisch weiter als der Gegner sein. Und ich habe noch keinen Sportler mit der richtigen Einstellung erlebt, der sich über ein hartes Training beschwert.

Trotzdem bringt Sie dieses Quälix-Klischee auf die Palme.


Seit Jahren hält sich hartnäckig die Meinung, das Training mit Medizinbällen sei veraltet. Neulich habe ich gelesen, dass der Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer und Roger Federer auch mit Medizinbällen trainieren. Den Artikel habe ich in unsere Kabine gehängt.

Obwohl Sie doch gar nicht mehr für das Konditionstraining zuständig sind.


Nein, das macht mein Konditionstrainer, aber ich stimme mich mit ihm darüber ab.

Verzweifeln Sie als ehemaliger Weltklassespieler noch, wenn Ihre Spieler Fehler machen?

Da verzweifelt jeder Trainer. Ganz egal, wie gut er früher als Spieler war.

Trotzdem wirken Sie am Spielfeldrand sehr cool. Wann flippen Sie denn mal aus?

Das wird einem doch abgewöhnt. Ein Trainer darf heute keine negativen Emotionen in der Öffentlichkeit zeigen. Alle Protagonisten sollen zu 100 Prozent engagiert und emotional bei der Sache sein. Aber wenn dann ein Kraftausdruck fällt, wird sofort von den Medien die Moralkeule geschwungen.

Also muss Ihre Frau den angestauten Druck in Ihnen ertragen?

Ich weiß nicht, wie Sie auf diese Idee kommen. Ich habe kein Problem damit, während eines Spiels sitzen zu bleiben und mich still zu ärgern.

Das geht?


Na klar. Man grummelt eben in sich hinein.

Waren Sie immer eher der zurückhaltende Typ?

Ich bin jemand, der sich sehr intensiv mit Dingen beschäftigt und mehr darüber nachdenkt und weniger darüber spricht.


Felix Magath, gibt es einen fußballhistorischen Moment, bei dem Sie gerne dabei gewesen wären?

Nein, aber wenn ich Sie mich so fragen, hätte ich statt der Silbermedaille nach dem WM-Finale 1986 lieber die goldene entgegen genommen. Aber so wichtig ist das nicht. So denke ich nicht.

Und welchen Moment würden Sie als Höhepunkt Ihrer Karriere bezeichnen?


Es gibt viele Momente, an die ich mich sehr gerne erinnere. Aber ich muss sagen, dass ich mich als Spieler mehr über eine Meisterschaft gefreut habe, als über den Gewinn eines Europapokals.

Woran liegt das?


Weil die Meisterschaft die sportlich wertvollere Leistung ist. Im Europacup ist immer das Los und die Tagesform mit entscheidend. Wir haben mit dem HSV mal im März gegen Dynamo Kiew gespielt. Da war der Platz gesperrt, wir mussten in Tiflis in Georgien antreten und haben 3:0 gewonnen. Zuhause haben wir dann verloren. Was ich sagen will: Unter normalen Voraussetzungen wären wir wohl gegen Kiew ausgeschieden, aber das Glück hat uns geholfen. Bei 34 Ligaspielen kann man sich nicht aufs Glück verlassen.

Wenn eine Meisterschaft so eine Bedeutung für Sie hat, muss das zweimalige Double mit dem FC Bayern eine besondere Genugtuung nach Ihrer bis dato eher durchwachsenen Trainerkarriere gewesen sein.

Ich will das nicht klein reden, aber das Double mit Bayern ist eher etwas, was meine Außenwahrnehmung verbessert hat. Die größte Leistung als Trainer war der Nicht-Abstieg mit Eintracht Frankfurt. Und ich hatte auch beim VfB Stuttgart und vorher beim HSV viel mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, als beim FC Bayern.

Die Zeit beim FC Bayern fällt für Sie in der Rückschau offensichtlich komplett heraus. Fast, als hätten Sie nie richtig dazu gehört und trotzdem das Engagement als Krönung Ihrer Laufbahn begriffen.


Ein bisschen ist es auch so.

Aber der Mensch strebt doch immer nach Höherem.

Mein Ziel ist es, mit einer Mannschaft nach oben zu kommen und erfolgreich zu sein. Aber ich brauche es nicht zwingend, die Erfolge nur beim besten Verein zu feiern.

Wann können wir den ersten Titel des VfL Wolfsburg vermelden?
Unser Ziel ist es, in drei Jahren international dabei zu sein. Eine Garantie dafür kann ich nicht geben: Wenn ich in der Saison 2009/10 in der Rückrunde zehn Verletzte habe und wir am Ende nur Siebter werden, bin ich auch zufrieden.


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