Felix Magath im Interview

»Die Fans müssen mitziehen«

Gleich an seinem zweiten Arbeitstag hat Felix Magath seinem Amtsvorgänger Mike Büskens mitgeteilt, dass er keine Zukunft mehr in Schalke hat. Nicht die einzige schwere Entscheidung. Hier erläutert Magath, was er will. Felix Magath im InterviewImago

Mike Büskens, in 17 Schalker Jahren eine Institution, wollte eigentlich als Co-Trainer von Ihnen lernen. Warum muss er trotzdem gehen?

Ich habe ihm gesagt, dass es nichts bringt, mir über die Schulter zu schauen. Wir haben ihm das Angebot gemacht, dass er die zweite Mannschaft trainieren kann, das hat er abgelehnt. Er wäre gerne in unserer Lizenzspielerabteilung dabei gewesen, aber das macht keinen Sinn. Das Umfeld um die Mannschaft muss möglichst klein gehalten werden. Mike Büskens muss als Trainer jetzt seinen eigenen Weg gehen.

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Sie bringen alle vier Assistenten mit, mit denen Sie in Wolfsburg gearbeitet haben. Braucht Schalke soviel frischen Wind, oder braucht der Trainer die Vertrauten um sich?

Genau beides. Dieser Verein braucht eine Erneuerung, und mir tut es gut, wenn ich vorher weiß, dass es im Trainerteam passt und es sich nicht erst herausstellen muss.

Die Änderungen im Trainerteam kamen nach einem Tag. Droht einigen Spielern Ähnliches?

Drohen will ich überhaupt nicht. Ich bin bereit, mit jedem zu arbeiten, aber erfahrungsgemäß ist es so, dass ja auch einige mit mir nicht zurecht kommen. Wenn ich Erfolg haben will und Meister werden möchte, muss ich dafür mehr arbeiten. Mir kann ein Spieler sagen: So viel will ich nicht trainieren, mir reichen 20 Bundesligaspiele und Platz zwölf. Aber ich habe da ganz andere Vorstellungen.

Die müssten doch eigentlich alle Spieler teilen, oder?


Das sagen die einem ja nicht immer so direkt. Aber ich brauche kein halbes Jahr, um zu erkennen, wer mitzieht und wer nur so tut als ob. Mir reichen vier Wochen. Normalerweise spreche ich mit den Spielern ja auch vorher über meine Vorstellungen, aber hier haben natürlich alle Verträge.

Schalke muss sparen. Kann das so weit gehen, dass Sie Leistungsträger wie Manuel Neuer, Rafinha oder Kevin Kuranyi abgeben?

Nein. Grundsätzlich halte ich zwar keinen Spieler, der weg will. Dem sage ich, bring mir einen Verein und du kannst gehen. Aber wir wollen in die Champions League, und ich kann nicht ausgerechnet diejenigen verkaufen, die wie Manuel Neuer das Potenzial dafür haben und auch noch jung sind. Und ob ich mit dem vielen Geld, das ich erlösen könnte, glücklich werde, weiß ich auch nicht. Ich möchte im Moment nicht der Manager in Stuttgart sein. Der hat jetzt 30 Millionen für Mario Gomez bekommen, aber keinen Torjäger. Ohne Not geben wir keinen Leistungsträger ab.

Einer der Leistungsträger heißt Kevin Kuranyi, der es auf Schalke nicht immer leicht hat. Wird er von Ihnen besonders profitieren?


Ich habe Kevin in Stuttgart in die Bundesliga gebracht und kenne seine Stärken und seine Schwächen. Die haben sich ja nicht großartig geändert. Er ist ein Spieler, der viel arbeiten muss.

Mit Kuranyi liegen die Fans immer wieder über Kreuz. Planen Sie vor dem Start Aktionen, um auf die Anhänger zuzugehen?

Ich habe schon aus der Ferne beobachtet, dass das Verhältnis zwischen Publikum und Spielern in Schalke besser werden muss. Wenn das Ziel die Meisterschaft sein soll, müssen uns alle unterstützen. Wir brauchen ein gesundes Verhältnis, in dem die Fans auch mal schwächere Leistungen akzeptieren und die Mannschaft sich nicht hängen lässt.

Schalke rennt dem Titel schon so lange vergeblich hinterher, dass es zum Trauma geworden ist. Nun kommen Sie und reden ganz offen von der Meisterschaft...

Lange Jahre hat man sich um die Meisterschaft bemüht, war nah dran, aber es hat nicht gereicht. Gerade deswegen ist die Umstrukturierung im Verein jetzt so nötig. Es geht ja nicht um den Titel gleich im ersten Jahr.

Aber innerhalb von vier Jahren. So lange läuft Ihr Vertrag.

Ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass sie mir keine vier Jahre Zeit geben, wenn es nicht läuft. Wenn man eine Meisterschaft verpasst, gibt es immer Argumente, aber so etwas wie vor zwei Jahren, dass man auf der Zielgeraden schwächelt, darf mir nicht passieren.

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