Felix Bastians über das Freiburger Idyll und sein Studium

»Könnten die Fußballer bitte aufwachen!«

Generation Playstation? Von wegen, Freiburgs Linksverteidiger Felix Bastians geht nebenbei studieren. An der Uni von Stoke macht er seinen Bachelor in Sportjournalismus. Ein Gespräch über einnickende Fußballer und Noten nach einer 0:7-Klatsche. Felix Bastians über das Freiburger Idyll und sein StudiumImago

Felix Bastians, wie viele schlaflose Nächte hatten Sie nach der 0:7-Klatsche gegen die Bayern?

Felix Bastians: Schlaflose Nächte hatte ich nicht. Wir wissen natürlich alle, dass wir meilenweit von unserem eigentlichen Leistungsvermögen entfernt waren. Wir alle hatten einen rabenschwarzen Tag. Das darf uns nicht noch einmal passieren. Aber: Wir haben das aufgearbeitet und können uns schon heute im Derby gegen Stuttgart etwas rehabilitieren.

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Sie selbst haben im »kicker« die Note 6 erhalten. Interessiert Sie das?

Felix Bastians: Mich belastet das nicht, mir sind die Noten relativ schnuppe. Ich kann meine Leistung ganz gut selbst einschätzen – und die gegen die Bayern war nun einmal schlecht. Ärgerlich ist es nur wegen des Managerspiels, das ich mit alten Kollegen von meinem vorherigen Verein Young Boys Bern spiele. Es heißt »Fooma« und dort werden die »kicker«-Noten berücksichtigt.

Freiburg gilt als ruhiges Idyll. Ist das ein Vorteil nach so einem Spiel?

Felix Bastians: Im Vergleich zu anderen Bundesligavereinen ist das Medienaufkommen hier natürlich gering, ein Idyll ist es vielleicht von der Arbeitsatmosphäre, aber das heißt nicht, dass wir die Trainingsarbeit ruhiger angehen. Woanders stehen mehrere Journalisten jeden Tag beim Training, hier kommt der Redakteur der »Bild« dann alle zwei Wochen mit dem Fahrrad vorbei. Nach so einer herben Niederlage kann das ein Vorteil sein, nach guten Leistungen wiederum ein Nachteil.

Wie meinen Sie das?

Felix Bastians: Unsere Leistungen werden im Rest Deutschlands nicht so wahrgenommen. Wenn beispielsweise bei den Bayern jemand gut spielt, dann richtet sich der Fokus auf diesen Spieler. Bei uns müssen überragende Leistungen her, damit uns jemand bemerkt. Ich will nicht wissen, welch ein Rummel um Oliver Baumann oder Papiss Demba Cissé bei anderen Vereinen herrschen würde.

Ihnen gelangen in der vergangenen Saison acht Torvorlagen als Linksverteidiger. Fühlen Sie sich in der Öffentlichkeit unter Wert verkauft?

Felix Bastians: Ich habe mich auch gewundert, warum Spieler anderer Vereine hoch gelobt wurden, denen auf ähnlicher Position weniger Vorlagen gelangen. Aber ganz ehrlich: Ich brauche die öffentliche Wertschätzung und Lobhudelei auch nicht.

Die Mechanismen der Medien dürften Sie wie sonst kein Bundesligaprofi durchschauen, Sie studieren nebenher Sportjournalismus. Wie läuft es?

Felix Bastians: Ich bin noch an der Universität in Stoke eingeschrieben und will dort im nächsten Sommer meinen Bachelor zu Ende bringen. In der Sommerpause habe ich dort zwei Prüfungen bestanden. Es ist ein Fernstudium, bei dem ich während der Saison viele Arbeiten über das Internet machen kann. Was mich begeistert, ist der praktische Bezug. Wir haben an der Uni ein eigenes Tonstudio, haben eine eigene Radiosendung produziert, Filme gedreht und geschnitten – also alles sehr aufregend!



Die Mitspieler legen im Sommer die Beine hoch und Sie bereiten sich auf Prüfungen vor.

Felix Bastians: Ach, die meisten wissen das nicht, ich prahle schließlich nicht damit, dass ich studiere. Davon mal abgesehen: Einige Spieler wie Johannes Flum oder Stefan Reisinger haben auch studiert. (lacht) Wir sind keine dumme Mannschaft. Im Ernst: Wir können nicht ewig Fußball spielen und es wird schwierig, ein Studium mit 34 Jahren nach der Karriere zu beginnen.

Dabei hat man doch die Vorstellung, dass die meisten Spieler in ihrer Freizeit nur vor der Playstation hängen.

Felix Bastians: Das ist eine etwas veraltete Sicht. Klar, ich spiele auch mit meinen Freunden an der Konsole, schließlich bin ich keine 40. Aber man sollte schon darauf achten, dass man ein zweites Standbein hat. Auch, um ein bisschen den Kopf frei zu bekommen.

Felix Magath hat Julian Draxler im letzten Jahr geraten, er solle sich statt Schule ganz auf den Fußball konzentrieren. Ist es schwer, beides zu verbinden?

Felix Bastians: Das ist natürlich etwas anderes, weil man in der Schule jeden Tag anwesend sein muss. In England, wo ich mit 19 mein Studium begonnen habe, wird alles um den Fußballtag herum organisiert. An den freien Tagen sind wir von Nottingham nach Stoke gefahren, und saßen dort von 8 bis 18 Uhr bei den Vorlesungen. Wenn du zehn Stunden auf einem Hocker sitzt, lernst du das Fußballtraining sehr zu schätzen.

Zehn Stunden Uni – baut man da in der letzten Stunde nicht nur noch Papierflieger oder schläft?

Felix Bastians: Ja, es kam vor, dass manche eingenickt sind. Wir waren in der Saisonvorbereitung und haben abends Kurse zur Gesetzgebung gehabt. Da musste der Dozent dann schon mal etwas lauter sagen: »Könnten die Fußballer in der letzten Reihe bitte aufwachen!« Ich habe sehr oft Kollegen geweckt.

Wie hilfreich ist denn das Studium für Ihren Beruf als Fußballprofi?

Felix Bastians: Man lernt natürlich die Ansicht des Gegenübers besser kennen und einzuschätzen. Ich verstehe, dass die Journalisten möglichst viele Infos wollen. Aber als Spieler muss man auch aufpassen, dass man dem Verein nicht auf die Füße tritt. Viele Klubs sind da sehr dünnhäutig.

Werden deswegen viele Interviews nach dem Spiel zum Phrasenbingo?

Felix Bastians: Manche Dinge darf man als Spieler nun einmal nicht sagen. Das fällt direkt nach dem Spiel schon schwer, weil da die Emotionen hoch kochen. Doch heutzutage lässt auch selten ein Spieler nach der Partie in den Interviews die Sau raus. Mir tun die Reporter manchmal schon fast leid. Denn als Fußballprofi lernt man, dass man viel spricht, ohne viel zu sagen. Und dass man den Ärger über eigene Leistungen oder die von Kollegen hinter der Kabinentür rauslässt und nicht davor.

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