17.09.2011

Felix Bastians über das Freiburger Idyll und sein Studium

»Könnten die Fußballer bitte aufwachen!«

Generation Playstation? Von wegen, Freiburgs Linksverteidiger Felix Bastians geht nebenbei studieren. An der Uni von Stoke macht er seinen Bachelor in Sportjournalismus. Ein Gespräch über einnickende Fußballer und Noten nach einer 0:7-Klatsche.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Felix Bastians, wie viele schlaflose Nächte hatten Sie nach der 0:7-Klatsche gegen die Bayern?

Felix Bastians: Schlaflose Nächte hatte ich nicht. Wir wissen natürlich alle, dass wir meilenweit von unserem eigentlichen Leistungsvermögen entfernt waren. Wir alle hatten einen rabenschwarzen Tag. Das darf uns nicht noch einmal passieren. Aber: Wir haben das aufgearbeitet und können uns schon heute im Derby gegen Stuttgart etwas rehabilitieren.



Sie selbst haben im »kicker« die Note 6 erhalten. Interessiert Sie das?

Felix Bastians: Mich belastet das nicht, mir sind die Noten relativ schnuppe. Ich kann meine Leistung ganz gut selbst einschätzen – und die gegen die Bayern war nun einmal schlecht. Ärgerlich ist es nur wegen des Managerspiels, das ich mit alten Kollegen von meinem vorherigen Verein Young Boys Bern spiele. Es heißt »Fooma« und dort werden die »kicker«-Noten berücksichtigt.

Freiburg gilt als ruhiges Idyll. Ist das ein Vorteil nach so einem Spiel?

Felix Bastians: Im Vergleich zu anderen Bundesligavereinen ist das Medienaufkommen hier natürlich gering, ein Idyll ist es vielleicht von der Arbeitsatmosphäre, aber das heißt nicht, dass wir die Trainingsarbeit ruhiger angehen. Woanders stehen mehrere Journalisten jeden Tag beim Training, hier kommt der Redakteur der »Bild« dann alle zwei Wochen mit dem Fahrrad vorbei. Nach so einer herben Niederlage kann das ein Vorteil sein, nach guten Leistungen wiederum ein Nachteil.

Wie meinen Sie das?

Felix Bastians: Unsere Leistungen werden im Rest Deutschlands nicht so wahrgenommen. Wenn beispielsweise bei den Bayern jemand gut spielt, dann richtet sich der Fokus auf diesen Spieler. Bei uns müssen überragende Leistungen her, damit uns jemand bemerkt. Ich will nicht wissen, welch ein Rummel um Oliver Baumann oder Papiss Demba Cissé bei anderen Vereinen herrschen würde.

Ihnen gelangen in der vergangenen Saison acht Torvorlagen als Linksverteidiger. Fühlen Sie sich in der Öffentlichkeit unter Wert verkauft?

Felix Bastians: Ich habe mich auch gewundert, warum Spieler anderer Vereine hoch gelobt wurden, denen auf ähnlicher Position weniger Vorlagen gelangen. Aber ganz ehrlich: Ich brauche die öffentliche Wertschätzung und Lobhudelei auch nicht.

Die Mechanismen der Medien dürften Sie wie sonst kein Bundesligaprofi durchschauen, Sie studieren nebenher Sportjournalismus. Wie läuft es?

Felix Bastians: Ich bin noch an der Universität in Stoke eingeschrieben und will dort im nächsten Sommer meinen Bachelor zu Ende bringen. In der Sommerpause habe ich dort zwei Prüfungen bestanden. Es ist ein Fernstudium, bei dem ich während der Saison viele Arbeiten über das Internet machen kann. Was mich begeistert, ist der praktische Bezug. Wir haben an der Uni ein eigenes Tonstudio, haben eine eigene Radiosendung produziert, Filme gedreht und geschnitten – also alles sehr aufregend!

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