17.08.2011

FC Zürich-Sportchef Fredy Bickel über die Bayern

»Hoeneß mag unsere Musik«

Wenn heute Abend der FC Bayern im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation auf den FC Zürich trifft, wird sich Präsident Uli Hoeneß mit diesem Mann vermutlich über Musik aus der Schweiz unterhalten: Fredy Bickel, FCZ-Sportchef. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Fredy Bickel, Hand aufs Herz, welches FCB-Duell war Ihnen denn vor dem Spiel gegen den FC Basel wichtiger: Das gegen den Schweizerischen oder jenes gegen den deutschen FCB?

Fredy Bickel: Ganz klar das in Basel. Wir haben uns das leider selbst eingehandelt. Durch den miesen Start mit drei Niederlagen sind wir in der Liga gehörig unter Druck geraten. Die nationale Meisterschaft ist unser Kerngeschäft. Wäre der Auftakt anders verlaufen, hätten wir uns nach der Auslosung gleich richtig auf den FC Bayern München freuen können. So war die erste Forderung an die Spieler: bis zum 14. August kein Wort und Gedanke zu Bayern.



Nach dem 6:0-Derbyerfolg gegen die Grasshoppers folgte jetzt der 2:0- Sieg in Basel. Es scheint als hätten sich die Spieler an Ihre Vorgabe gehalten.

Fredy Bickel: Ja, ein Kompliment an die Mannschaft. Durch die beiden Siege hat sich die Situation auf jeden Fall beruhigt. Der FC Bayern war wirklich weit weg. Über das Spiel in der Allianz Arena ist nicht gesprochen worden – zumindest in meiner Gegenwart nicht.

Wie erklären Sie sich den Liga-Fehlstart mit drei Niederlagen in Folge?

Fredy Bickel: Wir hatten wirklich eine perfekte Vorbereitung und nicht das kleinste Problem: keine Abgänge, ein unverändertes Kader, eine gute Stimmung im Team. Vielleicht lief in der Vorbereitung alles zu gut und die Mannschaft hat sich zu sicher gefühlt.

Immerhin gab es in der Champions League-Qualifikation den Erfolg gegen Standard Lüttich.

Fredy Bickel: Das Weiterkommen gegen Lüttich war für mich keine Überraschung. Wir haben die ersten drei Ligapartien verloren, aber phasenweise dennoch ordentlich gespielt. Dass wir dann die Champions-League-Play-Offs erreicht haben, war aber auf jeden Fall ein wichtiger Schritt aus der Krise.

Nicht nur in sportlicher, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht…

Fredy Bickel: Absolut. Wenn wir jetzt an den Bayern scheitern sollten, sind wir immerhin noch für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Der FCZ in der jetzigen Größenordnung ist auf Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben angewiesen. Wir waren schon in der vergangenen Saison international nicht vertreten. Wäre uns das nochmals passiert, hätte es Einschnitte gegeben.

Der Etat des FC Zürich liegt ohnehin bei bescheidenen 18 Millionen Euro, der des FC Bayern München bei rund 100 Millionen Euro.

Fredy Bickel: Das sind ganz andere Relationen. Ich habe gelesen, dass der FC Bayern bei Heimspielen ein Einzugsgebiet hat, das so groß ist wie die ganze Schweiz.

Der Ligakonkurrent FC Basel plant immerhin mit  54 Millionen Euro. Und Zürich ist kein Provinznest, sondern ein weltweit wichtiger Finanzmarktplatz. Da müssten doch Investoren zu finden sein.

Fredy Bickel: Ich bin der Meinung, dass sich der Fußball selbst wirtschaftlich tragen muss. Aber es ist schon frustrierend. Fußball in Zürich ist einfach ein schwieriges Pflaster. Anders als der FC Basel verfügt der FC Zürich über kein eigenes Stadion, das wir vermarkten können. Wir haben sowieso deutlich weniger Zuschauer als Basel und müssen die Einnahmen dann auch mit der Stadt teilen. Der FC Basel verkauft 26.000 Dauerkarten, wir nur 8000. Die Heimspiele tragen wir im Letzigrund-Stadion aus, aber wir haben nicht einmal einen Schlüssel dafür, uns wird vor jedem Spiel aufgesperrt. Wir fühlen uns im Letzigrund fast so wie ein Gast und nicht wie eine Heimmannschaft. Der FCZ hat ja nicht einmal ein eigenes Trainingszentrum, die Spieler ziehen sich in einer Art Zivilschutzraum um. Zudem sind unsere Teams über die ganze Stadt verteilt.

Dabei hat FCZ-Präsident Ancillo Canepa vor vier Jahren davon gesprochen, den FC Zürich zum FC Bayern München der Schweiz machen zu wollen.

Fredy Bickel: So wie die Voraussetzungen derzeit sind, können wir das nicht. Kein eigenes Stadion, nicht einmal ein eigenes Trainingsgelände. Ich war in München an der Säbener Straße, da weinst du als Vertreter des FC Zürich, wenn du das siehst.

Canepa gilt als großer Freund des deutschen Fußballs.

Fredy Bickel: Er ist ein absoluter Bundesliga-Fan. Es fehlt kein einziges Heft in seiner Kicker-Sammlung. Ancillo Canepa hatte sogar mal eine Jahreskarte bei einem Bundesligisten.

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