FC Zürich-Chronist Michael Lütscher über das Rückspiel

»Favre könnte jetzt helfen«

Heute will der FC Bayern München im Playoff-Rückspiel beim FC Zürich die Champions-League-Teilnahme eintüten. Wir sprachen mit Michael Lütscher, Autor der FCZ-Chronik »Eine Stadt, ein Verein, eine Geschichte«, über ein mögliches Wunder im Letzigrund. FC Zürich-Chronist Michael Lütscher über das Rückspiel

Michael Lütscher, der FC Zürich hat das Hinspiel in München mit 0:2 verloren. Der FC Bayern plant schon für die Champions League. Spricht irgendetwas für ein Wunder im Letzigrund?

Michael Lütscher: Auf dem Papier schaut es schon düster aus. Aber der FC Zürich konnte zuletzt oft überraschen, wenn er mit dem Rücken zur Wand stand. Das war in der Liga so, im Pokal und auch in den beiden Spielen gegen Standard Lüttich (1:1 und 1:0, d. Red.), die überhaupt erst die Teilnahme an den Playoffs möglich gemacht haben. Die Mannschaft wächst am Gegner.

Dann müsste sie jetzt ja in ungeahnte Höhen schießen. Einen größeren Gegner als den deutschen Rekordmeister konnte man kaum zugelost bekommen.

Michael Lütscher: Umso gigantischer wäre die Sensation, wenn wir das Ergebnis aus dem Hinspiel noch drehen würden! Die Schweizer verfolgen die deutsche Bundesliga ganz genau, viel intensiver als die englische Premier League, und sie wissen, dass der FC Bayern München die beste Mannschaft ist.

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Eine Frage an Sie als Vereinschronist: Mit welchem Video könnte FCZ-Trainer Urs Fischer die Mannschaft heute nochmal so richtig heiß machen?

Michael Lütscher: Das Meisterspiel anno 2006 ist längst Legende. Der FC Basel lag drei Punkte vor uns, wäre bei Sieg oder Remis auf jeden Fall Tabellenerster geblieben. Es stand in der Nachspielzeit noch 1:1, die Baseler machten sich bereit zum Jubeln – bis zur 93. Minute. Iulian Flipescu traf und plötzlich war der FC Zürich Meister, zum ersten Mal seit 25 Jahren.

Schon 2009 schaffte es der FC Zürich in die Gruppenphase der Champions League. Präsident Ancillo Canepa sprach damals vom »größten Erfolg der Vereinsgeschichte«.

Michael Lütscher: Das war eine tolle Erfahrung, zumal man in der Gruppe auf drei ehemalige Cupsieger traf. AC Milan, Olympique Marseille und Real Madrid hießen die Gegner. Man wurde zwar Gruppenletzter, hatte aber das Gefühl, dass eigentlich mehr hätte erreicht werden können.

Um heute Abend ...

Michael Lütscher: Moment, mir fällt grad ein, dass der FC Zürich ganz früher schon gut dabei war im Meisterpokal. 1964, bei der ersten Europacup-Teilnahme, scheiterte das Team erst im Halbfinale gegen Real Madrid, 1977 war beim großen FC Liverpool Endstation. Das darf nicht vergessen werden, wenn es um die größten Erfolge der Vereinsgeschichte, insbesondere international, geht.

In Ordnung, ist notiert. Jetzt aber der Brückenschlag in die Gegenwart. Um heute Abend das Wunder zu schaffen, ist die Unterstützung der Fans wichtig. Das Letzigrund wirkt mit seiner weiten Tartanbahn allerdings nicht gerade furchteinflößend.

Michael Lütscher: Leider wurde das Stadion auch für das alljährliche Leichtathletik-Meeting konstuiert. Es ist nicht besonders laut, die Akustik nicht ideal. Und doch sind die Fans sehr fanatisch, vor allem die Südkurve. Der FC Bayern wird sich vielleicht wundern, Pyros zu sehen. Die sind in Deutschland ja rigoros verboten. In der Schweiz zwar auch, aber sie finden trotzdem ihren Weg ins Stadion und gehören dazu.

Vielleicht sollte Coach Urs Fischer mal in Gladbach durchklingeln?

Michael Lütscher: In Gladbach? Ach so, ja, Lucien Favre! Der könnte bestimmt helfen mit einem guten Ratschlag, immerhin hat er neulich gegen die Bayern gewonnen und ist als Meistertrainer (2003 bis 2007, d. Red.) noch mit einigen Zürchern in Kontakt.

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