Fanvertreter Jan-Henrik Gruszecki über die Gespräche mit der DFL

»Rettig hat einen Vertrauensvorschuss!«

Am Dienstag treffen sich Fanvertreter und DFL zu einem Arbeitstreffen, um über die Zukunft der Stadionsicherheit zu sprechen. Wir sprachen mit Jan-Henrik Gruszecki, Sprecher des »12:12«-Protestes und Mitbegründer der Fan-Initiative »Ich fühl mich sicher!«, über den bevorstehenden Dialog.

Jan-Henrik Gruszecki, die DFL hat Fanvertreter zu einem Gespräch über die zukünftige Gestaltung der Fansituation in den Stadien eingeladen. Was erwarten Sie sich von dem Treffen?
Wir hoffen, dass wir einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden können. Es ist auf jeden Fall eine gute Sache, dass endlich mal miteinander und nicht übereinander geredet wird. Konkrete Beschlüsse erwarten wir für dieses Treffen allerdings noch nicht – die DFL hat zu »einem gemeinsamen Ausblick auf die Zukunft« eingeladen. Es wird also ein informelles Gespräch mit »Arbeitsatmosphäre«, wie es Andreas Rettig (seit dem 2.1.2013 DFL-Geschäftsführer, d. Red.) ja gerne betont.

Wie könnte dieser kleinste gemeinsame Nenner denn aussehen?
Teilweise liegen die Interessen von DFL und uns Fans ja vielleicht gar nicht so weit auseinander. Ich denke, dass die DFL genau so wie wir ein Interesse daran hat, dass die Kurven in den Stadien weiterhin laut und bunt sind, das lässt sich schließlich gut vermarkten. Durch die dringend nötige Aussprache können wir hoffentlich mittelfristig zu einem fanfreundlichen Stadionerlebnis beitragen. Letztlich müssen DFL und Fans gemeinsam für den Erhalt der Fankultur gegenüber politischen Hardlinern und der Innenministerkonferenz eintreten.

Wie sehen die mittelfristigen Ziele der Fans konkret aus?
Wir wollen eine Kommission gründen und in einer Kampagne lagerübergreifende Vorschläge zur Optimierung des Stadionbesuches erarbeiten. Wir werden unser eigenes Konzept präsentieren, um das Stadion fanfreundlicher zu machen. Uns liegt sehr am Herzen, dass sich die öffentliche Wahrnehmung der Fans ändert. Als Druckmittel haben Vereine und DFL in der Vergangenheit immer wieder Einschränkungen vermeintlicher »Fanprivilegien« eingesetzt. Darunter verstehen sie allerdings für Fans selbstverständliche Dinge wie das Mitführen von Trommeln und Fahnen. Für uns ist das kein Privileg, sondern gehört zu einem Stadionbesuch genau dazu wie die Stadionwurst.

In der Vergangenheit scheiterte ein Dialog zu der schrittweisen Legalisierung von Pyrotechnik mit den Verbänden. Damals beendete der DFB einseitig die Gespräche. Haben Sie keine Angst, dass ein Arbeitstreffen mit der DFL ähnlich enden könnte?
Wir glauben, dass es diesmal anders kommt. Andreas Rettig hat schon durch sein Teilnehmen am Fan-Gipfel in Berlin seine Gesprächsbereitschaft verdeutlicht. Er wird in der Fanszene positiv wahrgenommen und hat einen Vertrauensvorschuss. Wir hoffen, dass sich ein solches Kommunikationsdesaster wie im November und Dezember 2012 nicht wiederholen wird.

Welche Rolle haben die bundesweiten »12:12«-Fanproteste für den Dialog gespielt?
Ohne die Proteste hätte es keine Gespräche gegeben. Das war allerdings nicht ihr einziger Verdienst: Das erste Sicherheitskonzept wurde komplett überarbeitet, die Stehplätze sind nicht mehr bedroht. Wir konnten den Tod der Fankultur verhindern. Dennoch waren die Beschlüsse vom 12.12.2012 ein Schritt in die falsche Richtung. Vor allem war es schade, dass man der größten Jugendsubkultur in Deutschland vor Augen geführt hat, dass es in der Politik nicht um Inhalte, sondern um Symbolik geht. »Die Zeit« brachte es mit »es soll ein Problem gelöst werden, dass es nicht gibt« auf den Punkt.

Hätte sich die DFL gegen die Forderungen aus der Politik besser zur Wehr setzen müssen?
Mir ist es ein Rätsel, warum die DFL sich derart devot zum Spielball der Politik hat machen lassen. Die Mitglieder der DFL sind gemeinsam ein unglaublich wichtiger Steuerzahler der Republik. Man hätte öffentlich Stellung gegen die Scharfmacher der Debatte beziehen müssen. Ein Statement wie Hansi Küppers legendärer Talkshowauftritt, in dem er den Polizeigewerkschafter Rainer Wendt innerhalb von eineinhalb Minuten als Populisten entlarvt, weil er ihm seine absurden Äußerungen um die Ohren haut, hätte eigentlich von der DFL kommen müssen.


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Jan-Henrik Gruszecki ist  Mitbegründer der Fan-Initiative »Ich fühl mich sicher!«
und war einer der Organisatoren der bundesweiten »12:12«-Fan-Proteste.

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