Fan-Demo in Jena soll Stadion retten

»Im Paradies zu Hause«

In Jena hat die »Initiative Ernst-Abbe-Sportfeld erhalten« für heute zur Demonstration aufgerufen. Wir sprachen mit einem der Organisatoren, Christian Gürtler, über einen möglichen Stadionneubau, Hochwasser und die Ohnmacht der Fans.

Christian Gürtler, wofür gehen Sie am Freitag auf die Straße?
Ich will ein Zeichen setzen, dass das Ernst-Abbe-Sportfeld für den Fußball in Jena alternativlos ist.

Warum ist dieses Zeichen so nötig?
Grundsätzlich sind sich in Jena seit Jahren alle Beteiligten einig, dass in Sachen Stadion etwas passieren muss. Und bis Oktober diesen Jahres waren sich auch alle darüber einig, dass ein Stadion in Jena nur auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld im Stadtteil Jena-Paradies stehen kann. Lediglich über das Ausmaß der Umbauarbeiten gab es keinen Konsens.

Warum nur bis Oktober?
Das Hochwasser hat alles geändert. Das Ernst-Abbe-Sportfeld wurde diesen Sommer komplett überflutet. Das hat die Sicht auf mögliche Modernisierungs- oder Neubaupläne am aktuellen Standort durcheinander gewirbelt. Man war nun der Meinung, dass ein Hochwasserschutz unabdingbar sei. Dieser ist aber auf dem Gelände des Ernst-Abbe-Sportfeldes nicht möglich, und deshalb präsentierte man die Idee eines ganz neuen Standorts.

Die Stadt berief sich auf die »Obere Wasserbehörde«, die eine neue Multifunktions-Arena aus Hochwasserschutz-Gründen auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld für ausgeschlossen hält.
Die Stadt Jena hatte für den neuen Standort im Stadtteil Jena-Lobeda ein Planungsbüro beauftragt, noch bevor die »Obere Wasserbehörde« ihren Bescheid gegeben hatte, der zudem umstritten ist. Das Bürgerforum »Unser Stadion Jena e.V.« hatte eine unabhängige Prüfung in Auftrag gegeben, die zu einem anderen Ergebnis gekommen ist.

Muss es denn gleich eine Multifunktions-Arena sein?
Die Idee dazu kam 2011 vom thüringischen Wirtschaftsminister. Der schlug vor, sich um EU-Mittel zu bemühen. Dafür wäre aber der Bau einer Multifunktions-Arena unabdingbar, die neben dem Fußball auch andere Bereiche wie Kultur und Wirtschaft fördert. Viele Fans wären mit einer Renovierung des Stadions zufrieden, solange die Maßnahmen sich nicht nur auf ein Minimum beschränken, fanfreundlich erfolgen und man als Fanszene an der Gestaltung mitwirken kann.

Inzwischen hat die Stadt die Beschlussvorlage zum Stadion-Neubau in Jena-Lobeda wieder zurück gezogen. Man will nun doch prüfen, welche Möglichkeiten sich am traditionellen Standort Jena-Paradies bieten. Warum dann noch protestieren?
Uns Fans bedrückt das Gefühl der Ohnmacht. Der Verein würde gern etwas machen, aber es fehlen schlicht die Mittel. Die Landesregierung und die Stadt argumentieren mal mit-, mal gegeneinander und auch innerhalb des Stadtrats ist man unterschiedlicher Meinung. Wir Anhänger verfolgen nun seit Jahren die immer gleichen Diskussionen, ohne jede Chance, selbst Einfluss zu nehmen. Das einzige Mittel, das wir haben, ist für unsere Überzeugungen auf die Straße zu gehen.

Was haben Sie für die Demonstration geplant?
Wir haben die Demonstration bewusst für heute angemeldet. Denn zeitgleich findet die »Wahl zu Jenas Sportler des Jahres« statt. Unser Weg führt am Veranstaltungsort vorbei. Dort wollen wir eine Zwischenkundgebung abhalten und hoffen so, die Aufmerksamkeit der Lokalpolitik und Medien zu erlangen. Unsere Botschaft ist einfach: Carl Zeiss Jena ist im Paradies zu Hause.

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