Fahne? Trommelstock? Ihre Personalien, bitte!

»Wann wurde das letzte Mal ein Megaphon geschmissen?«

Wer in deutschen Bundesligastadien auf Fahnen, Trommeln oder Megaphon nicht verzichten will, muss damit rechnen, als Gegenleistung seine Personalien abzugeben. Eine einheitliche Regelung oder ein entsprechendes Datenschutzkonzept gibt es allerdings nicht. Wir sprachen darüber mit Philipp Markhardt von »ProFans«.

Philipp Markhardt, haben Sie ein Megaphon?
Nein.

Das dürfte Ihnen als aktiver Fußballfan eine Menge Umstände ersparen.
Allerdings. In vielen deutschen Stadien müsste ich mich erst im Vorfeld erkundigen, ob ich mein Megaphon mit ins Stadion nehmen darf, oder ob ich als Gegenleistung meine Personalien abgeben muss. In München sind Megaphone sogar per se polizeilich verboten.

Ihre Organisation »ProFans« hat in einer Pressemitteilung die »Personalienabgabe für Fanutensilien« kritisiert. Neben Megaphonen müssen sich anreisende Auswärtsfans beispielsweise auch bezüglich Trommeln, Trommelstöcken oder Fahnen bei den gastgebenden Vereinen erkundigen...
...und häufig dafür ihre Personalien abgeben. Das ist alleine aus datenschutzrechtlichen Gründen sehr bedenklich. Wer garantiert denn den Fans, dass ihre persönlichen Daten nicht kopiert, an Dritte weitergegeben oder entsprechend zu ihrem Nachteil verwendet werden? Entsprechende Datenschutzkonzepte der Vereine, des DFB oder DFL zum Umgang mit diesen Daten liegen uns jedenfalls nicht vor.

Wie sieht der normale Alltag von Fußballfans, die samt den genannten Fanuntensilien zum Auswärtsspiel fahren wollen, aus?
Schon Tage vor dem Spiel erkundigt man sich bei der Fanbetreuung, bzw. den jeweiligen Sicherheitsbeauftragten des Vereins darüber, was erlaubt ist und was nicht. Ein sehr umständliches und zeitaufwendiges Verfahren, meiner Meinung nach sogar völlig unnötig. Das Problem ließe sich zum Beispiel schon einmal dadurch beheben, wenn sich die Vereine und die Verbände auf eine einheitliche Regelung zum Umgang mit Fanutensilien einigen würden. Die gibt es aber nicht und wird es wohl auch in naher Zukunft nicht geben.

Warum nicht?
Gute Frage. Angeblich, weil man sich nicht auf eine einheitliche Regelung festlegen wolle, das sei quasi unmöglich. Da fragen wir uns natürlich, warum es dann ein einheitliches Verfahren in Bezug auf Stadionverbote in Deutschland gibt?

Wie sehr beeinträchtigt die mögliche Personalienabgabe das Ausleben der Fankultur?
Meiner Meinung nach enorm. An der Tür unseres Lagerraumes in Hamburg (Markhardt ist Fan vom Hamburger SV, d. Red.) hängt beispielsweise ein Maßband, um die exakte Länge der Fahnenstangen vor den Auswärtsspielen abzumessen. Denn auch da gibt es selbstverständlich Unterschiede. Ein Meter, 1,20 Meter, 1,50 Meter – was geht noch, was geht nicht. Diese Frage müssen wir jedes Mal berücksichtigen.

Grund für diese pingeligen Regularien sind Sicherheitsbedenken der jeweiligen Vereine und der Polizei.
Schon klar, aber da muss ich eine polemische Gegenfrage stellen: Wann wurde das letzte Mal in einem deutschen Stadion ein Megaphon auf das Spielfeld geschmissen? Wie soll man eine vier Meter lange Fahnenstange dazu benutzen, um auf jemanden einzudreschen? Es ist ja absurd, aber wenn überhaupt sollte die Polizei nur extrem lange Fahnenstangen erlauben, je kürzer die Stange, desto besser könnte man sie ja theoretisch als Waffe gebrauchen...

Als abschreckendes Beispiel für den Missbrauch von Fanuntensilien als Waffe dient immer noch der Trommelstockwurf von Hamburg 2005, als ein Kölner Fan mit seinem Trommelstock den HSV-Spieler Alexander Laas verletzte.
Das war schlimm, ist aber sieben Jahre her. Welcher Fan schmeißt denn auch sein »Werkzeug« durch die Gegend, wenn er es zuvor durch die halbe Republik geschleppt hat? Das gilt auch für Fahnen, Megaphone oder Trommeln. Das sind keine Waffen oder gefährliche Gegenstände, die es rechtfertigen, dass man seine Personalien abgeben muss. Überhaupt: Was passiert denn, wenn ich meine Personalien abgegeben habe und irgendein besoffener Hintermann meinen Trommelstock auf den Rasen schmeißt? Werde ich dann dafür bestraft? Diese Regeln sind in dieser Form einfach sehr unpräzise.

Das Problem besteht bereits seit einigen Jahren. Inwiefern spüren Sie, ob sich die entsprechenden Vereine und Verbände über mögliche Änderungen Gedanken machen?
Da kommt nichts. Die Kommunikation zwischen den Sicherheitsbehörden und den Fans ist in diesem Fall schlichtweg nicht vorhanden. Wir haben in der Vergangenheit häufiger Diskussionen zum Thema angeboten, aber ich habe die Vermutung, dass sich die zuständigen Stellen gar nicht dafür interessieren, was wir, die ja im Block stehen, zu sagen haben.

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