23.09.2010

Fabian Ernst über die Türkei

»yamyam heißt Menschenfresser«

In der millionenschweren Auswahl von Bernd Schuster spielt er die entscheidende Rolle: Fabian Ernst ist im Spiel von Besiktas Istanbul eine tragende Säule. Wir sprachen mit Ihm über Ricardo Quaresma und Freestyle-Interviews.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Fabian Ernst, Glückwunsch zu Ihrem sensationellen Kopfballtor in der 90. Minute gegen ZSKA Sofia vor genau einer Woche in der Europa League! Wir wussten gar nicht, dass Sie so hoch springen können.

Möglicherweise wurde meine Kopfballstärke in Deutschland jahrelang unterschätzt? Bei Besiktas bin ich dieser Saison jedenfalls bei Standartsituationen fest eingeplant.



Als Sie 2009 nach Istanbul wechselten, gab es wilde Jubelszenen am Flughafen, die Leute haben Sie ja fast bis aufs Trainingsgelände getragen. Hat sich die Euphorie um Ihre Person inzwischen gelegt?

Ja und nein. Mal eben einen Kaffee nach dem Training trinken gehen, ist immer noch nicht drin und wird wahrscheinlich auch nicht möglich sein, ohne, dass sich gleich ein Menschenauflauf bildet und ich eine halbe Stunde lang Fotomodell stehen muss. Gleichzeitig hat Besiktas neue Stars geholt...

...den ehemaligen Real Madrid-Spieler Guti und Ricardo Quaresma...

...die nun im Rampenlicht stehen. Die Leute mögen mich noch, aber es gibt neue Helden. Das ist doch eine ganz angenehme Situation.

Guti und Quaresma sind bekannte Kreativspieler, Sie kennt man als zuverlässigen Arbeiter im defensiven Mittelfeld. Woher kommt Ihre Popularität?

Viele Besiktas-Fans rekrutieren sich aus der Arbeiterklasse, die Leute schätzen es einfach, wenn sich jemand 90 Minuten lang auf dem Platz zerreißt. Vielleicht ist das eine Erklärung.

Besiktas hat in dieser Saison erneut viel Geld in die Hand genommen: Wie wertvoll sind die genannten Guti und Quaresma?

Bislang haben sie sich erstaunlich gut eingefügt. Guti trainiert jedenfalls nicht so, wie man es vielleicht von einem verdienten Real-Profi erwarten könnte, der haut sich voll rein und kann mit seinen Pässen noch immer Spiele entscheiden. Und Quaresma ist einfach ein unglaublich begnadeter Fußballer. Der schießt mit dem Außenrist so wie andere mit dem Innenrist. Das habe ich vorher noch nie gesehen.

Außerdem neu in der Mannschaft ist Trainer Bernd Schuster. Wird Besiktas jetzt Anlaufstelle für ehemalige Mitarbeiter von Real  Madrid?

Keine Ahnung, aber der Trainer spricht tatsächlich sehr viel spanisch im Training...

Was hat sich unter Schuster geändert?

Wir haben inzwischen viel mehr Struktur in unserem Spiel, mehr Ordnung und taktisches Verständnis. Das ging der Mannschaft in der vergangenen Saison teilweise abhanden. Da war es etwas wild, typisch türkisch. Mit Schuster kam die Konstanz.

Was ist eigentlich der wesentliche Unterschied zwischen deutschem und türkischem Fußball?

(überlegt) Es gibt keinen. Fußball ist inzwischen überall gleich.

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