15.09.2006

Fabian Ernst im Interview

„Meine Koffer waren gepackt“

Seit dem Wechsel zu Schalke lief es für einen der besten deutschen Sechser nicht mehr rund. Fabian Ernst über die Ausbootung durch Klinsmann, Schalker Nöte, und ob er auf dem Platz eher Bassist oder Klavierspieler ist.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: Frank Crosby
Was halten Sie von deutschem Rap?

Curse, Kool Savas und Azad finde ich gut. Die übrigen Bands sind nicht so mein Fall.

Bei welchen Musikern stimmt die Außendarstellung?

Bei Gang Starr beispielsweise: Die kommen immer durchdacht und intelligent rüber. Und die Beats, die DJ Premier dazu macht, sind genial. Genauso genial, wie alles, was 2Pac zu Lebzeiten aufgenommen hat. Ansonsten höre ich momentan gerne AZ und Timbaland.

Als Fußballer genießen Sie, zumindest in Ansätzen, ebenfalls den Status eines Popstars. Über welche Showelemente denken Sie bei Ihren Auftritten nach?

Über gar keine. Fußballer sind am effektivsten, wenn sie auf dem Platz nicht allzu viel nachdenken.

Wie wichtig ist Ihnen die Wahrnehmung als Prominenter?

Mir wäre es oft lieber, weniger wahrgenommen und nicht immer mit irgendwelchen Dingen behelligt zu werden.

Aber sind Sie nicht auch Fußballer geworden, um reich und berühmt zu werden?

Ich glaube nicht, dass ein Fünfjähriger, der das erste Mal gegen einen Ball tritt, darüber nachdenkt, eines Tages Geld damit zu verdienen.

Hatten Sie als Kind ein Fußball-Idol?

Ich komme aus Hannover. Als ich anfing, Fußball zu spielen, war 96 in der 2. Liga. Da gab es keinen Spieler, der zum Idol getaugt hätte. Später stand ich dann auf Eintracht Frankfurt mit Anthony Yeboah, Thomas Doll und Uwe Bein.

Gibt es einen Song, den Sie zur Frustbewältigung nutzen?

Nein, da fällt mir keiner ein.

Einen, der Sie vor Spielen besonders motiviert?

„Lose yourself“ von Eminem haben wir öfter im Kreis der Nationalmannschaft gehört, weil die Botschaft des Songs zu unserem Vorhaben gepasst hat. Sie lautet: Es gibt nur eine Chance, also nutze sie.

Sind denn alle Nationalspieler in der Lage zu verstehen, worum es Eminem in dem Song geht?

In einem Fußballteam kann man nicht davon ausgehen, dass alle Spieler gut englisch sprechen. Ich habe ihn jedenfalls verstanden. (grinst)

Was halten Sie von der inoffiziellen Nationalmannschaftshymne, Xavier Naidoos „Dieser Weg“?

Ich muss zugeben, dass Xavier in mein Geschmacksspektrum noch hinein passt. Der Song ist wirklich stark.

Und welcher der unzähligen WM-Songs hat Ihnen am besten gefallen?

Der Ohrwurm von den Sportfreunden Stiller.

Was ist mit dem Lied des Hannoveraners Oliver Pocher? Der hat ja zur WM einen ähnlichen Gassenhauer wie die Sportfreunde abgeliefert.

Da gibt es aber wesentliche Qualitätsunterschiede: Die Sportfreunde Stiller haben einen guten Chartsong gemacht, Oliver Pocher war eher darauf aus, im Stadion zum Mitgrölen zu animieren.

Mal ehrlich, konnten Sie die Begeisterung für die WM und ihre Songs überhaupt teilen, nachdem Jürgen Klinsmann Sie aus dem Kader gestrichen hatte?

Ab der KO-Runde ging das. Schließlich wurde man während der WM derart mit den Songs bombardiert, dass sie sich regelrecht in den Gehörgängen festgesetzt haben.

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