15.09.2006

Fabian Ernst im Interview

„Meine Koffer waren gepackt“

Seit dem Wechsel zu Schalke lief es für einen der besten deutschen Sechser nicht mehr rund. Fabian Ernst über die Ausbootung durch Klinsmann, Schalker Nöte, und ob er auf dem Platz eher Bassist oder Klavierspieler ist.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: Frank Crosby
Fabian Ernst, Sie gelten als einer der größten Musikfans der Bundesliga. Wie viele CDs besitzen Sie?

Etwa 700. Da ich mir inzwischen die meisten Songs bei iTunes runterlade, kaufe ich nicht mehr so viele wie früher.

Woher kommt Ihr Interesse an Musik?

Als ich noch in Hannover wohnte, hatte ich einen Kumpel mit einem Plattenladen, „Crazy Tunes“, durch den ich viele interessante Sachen kennen gelernt habe. Er hat mir sogar Importe aus den USA besorgt.

Worauf war der Laden spezialisiert?

In erster Linie auf HipHop und R&B. Inzwischen ist mein musikalisches Spektrum allerdings etwas breiter gefächert.



Und wo kaufen Sie auf Schalke Ihre CDs?

In Gelsenkirchen ist es zugegeben ein bisschen schwierig. Aber ein Kollege aus der Geschäftsstelle hat mir ein paar Adressen von Insiderläden in Köln gegeben. Da werde ich bei Gelegenheit mal vorbeifahren.

Genießen Sie als Profi mit einem ausgeprägten Musikinteresse in Ihrem Team einen Exotenstatus?

Na ja, da auch in den Clubs viel R&B, HipHop und Black Beat gespielt wird, bin ich mit meinem Musikgeschmack ja nicht völlig neben der Spur. Nur bei Sachen, die weniger tanzbar sind, wundern sich die Kollegen, was ich so höre.

Nehmen Sie manchen Teamkollegen regelmäßig Mix-CDs auf?

In Bremen habe ich für Tim Borowski öfter CDs mit R&B zusammengestellt. Hier in Schalke würde ich damit ziemlich auf den Bauch fallen: Asa (Gerald Asamoah, d. Red.) hat nur den Kopf geschüttelt, als er letztens bei mir im Wagen die Musik gehört hat.

Kriegen Sie auch mit, was die anderen Kollegen hören?

Wenn unsere Uruguayer in der Umkleide ihre Weltmusik aufdrehen, lässt sich das schwer ignorieren. Und von DJ Asa habe ich irgendwo eine Playlist gelesen – war ganz okay.

Gehen Sie viel tanzen?

Ich achte schon darauf, dass in den Läden, in die ich gehe, auch die Musik stimmt. Aber der exzessive Tänzer bin ich, ehrlich gesagt, nicht.

Interessieren Sie sich für die Charaktere, die hinter der Musik stehen?

Ich surfe viel im Internet und lese nach, wie der Musiker lebt und welche Einstellung er zu bestimmten Dingen hat. Denn auf diesen hohlen Blingbling-Rap, wie zum Beispiel von 50 Cent, stehe ich überhaupt nicht. Bei ihm habe ich den Eindruck, dass es nur noch um die Kohle, die Goldketten und die Sportwagen geht. Dabei fand ich seine ersten beiden Alben sehr gut.

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