25.04.2014

Fabian Boll über zwölf Jahre beim FC St. Pauli

»Mein Klub, meine Jungs, mein Viertel!«

Fabian Boll hat in zwölf Jahren über 300 Pflichtspiele für den FC St. Pauli bestritten. Seit kurzem besitzt er aus jeder Saison das jeweilige Original-Trikot. Ein Rückblick auf die schönsten Leibchen und größten Spiele.

Interview: Andreas Bock Bild: Per Kasch

Früher stand er in der Nordkurve oder der Gegengerade und feuerte seinen FC St. Pauli nach vorne. Ab 2002 lief er selbst unter tosendem Applaus in seinen Lieblingstrikots auf den Platz. Kurz vor seinem Karriere-Ende haben wir Fabian Boll für ein Foto-Shooting in einem Kiez-Hinterhof auf St. Pauli getroffen. Dort öffnete Fabian Boll seine Trikot-Schatzkiste. Das Ergebnis seht ihr im neuen Heft 11FREUNDE #150: Jetzt am Kiosk und im App-Store.

Nebenbei sprachen wir noch über eine zwölfjährige Karriere am Millerntor. Das Interview lest ihr hier:

Fabian Boll, sind Sie ein Trikotsammler?
Nein. Doch ich wollte zum Karriereende gerne alle Trikots besitzen, die ich in zwölf Jahren beim FC St. Pauli getragen habe.
 
Das sind insgesamt 33.
Richtig. Dummerweise hatte ich einige Trikots im Laufe der Zeit verschlampt oder an letzten Spieltagen ins Publikum geworfen. So fehlten mir bis vor einigen Wochen noch fünf Stück zur Komplettierung der Sammlung. Also habe ich einen Aufruf über meine Facebook-Seite und in der Stadionzeitung gestartet. Wichtig war: Es mussten originale Matchworn-Trikots sein, also Trikots, die ich tatsächlich mal in einem Spiel getragen haben, die auf der Rückseite zusätzlich mit der 17 und meinem Namen bedruckt sind und die auf dem Ärmel den originalen Werbe- oder Wettbewerbs-Patch aufweisen.
 
Und die Fans haben geliefert?
Ja, die waren super hilfsbereit. Das letzte Trikot erhielt ich von einer netten Dame, die den Aufruf in der Stadionzeitung gelesen hatte.
 
Wir wollen heute mit Ihnen über die Lieblingsstücke aus Ihrer Sammlung sprechen. Welche Trikots sind Ihnen besonders in Erinnerung?
Natürlich vor allem die, mit denen die Mannschaft und ich große Spiele bestritten haben. Fangen wir mal mit diesem hier an (zeigt auf die Trikots der Oberliga-Mannschaft von 2002/03, d. Red.): Das war meine Premieren-Saison bei den Amateuren des FC St. Pauli. Das erste Mal dieses Wappen tragen – das war ein sehr besonderes Gefühl!
 
Weil Sie schon lange Fan des FC St. Pauli waren?
Zugegeben: Meine ersten Stadionerlebnisse hatte ich beim HSV. Die Mannschaft ist damals häufig zum Trainingslager in meine Heimat, Bad Bramstedt, gekommen. Die Spiele in dieser riesigen Betonschüssel waren allerdings echt trostlos, sowohl das  Sportliche als auch die Atmosphäre. Mit 15 oder 16 Jahren bin ich dann mit Freunden das erste Mal ans Millerntor gegangen.
 
Kurze Zeit später wechselten Sie aber in die A-Jugend des HSV. Gab es da keine Interessenkonflikte?
Und ob. Zumal ich im Training sogar gelegentlich ein St. Pauli-Trikot angezogen habe. Da gab es den einen oder anderen Rüffel. Doch ich ließ mich nicht mehr abbringen von meinen Besuchen am Millerntor. Das erste Spiel Millerntor war ein Schlüsselerlebnis. Ein Freitagabendspiel unter Flutlicht gegen Hansa Rostock. Wir gewannen 2:0.
 
Wo haben Sie gestanden?
In der Nordkurve. Ich habe auch einige Jahre eine Dauerkarte besessen. Später bin ich in die Gegengerade gewechselt, hinein in die Singing Area. Gelegentlich war ich sogar auswärts mit dabei. Weil ich damals schon höherklassig gespielt habe, kollidierten die Spiele der Profis häufig mit unseren, und meine Besuche wurden seltener.
 
Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie sich in der Kabine zum ersten Mal das Trikot übergezogen haben?
Klar, ein Kappa-Jersey, eng geschnitten, angenehmer Stoff, ein schönes Teil. Es ging gleich gegen Altona 93, ein Derby vor über 1000 Leuten in der Adolf-Jäger-Kampfbahn.
 
Haben Sie damals schon die Nummer 17 getragen?
Nein, bei den Amateuren hatte ich die 10. Und ich muss auch zugeben, dass die beiden Trikots aus dieser Oberliga-Zeit nicht matchworn sind, sondern sogenannte Fantrikots. Die Originale habe ich jahrelang vergeblich gesucht.
 
Welches Trikot liegt Ihnen noch am Herzen?
Natürlich das aus der Saison 2003/04, mein erstes Jahr als Profi. Optisch gefiel mir das schwarze Auswärtstrikot zwar besser, doch mit dem weißen Jersey habe ich gegen Chemnitz mein erstes Tor erzielt. Ein Doppelpass mit Philipp Albrecht über 50 Meter. Herrlich!
 
Die Umstellung von den Amateuren lief also problemlos?
Nicht unbedingt. Ich hatte Schwierigkeiten, mich auf das neue Trainingspensum einzustellen. Vorher hatten wir nur dreimal die Woche trainiert, nun musste ich jeden Tag ran. Zusätzlich hatte ich ja noch meinen Job als Kommissar. Die Folge: Ich habe mich prompt verletzt, eine Schambeinentzündung, die mich drei oder vier Monate außer Gefecht setzte. Als ich wieder fit war, wurde mir ein Vereinswechsel nahe gelegt. Es hieß, ich sei nicht gut genug für die Regionalliga. Doch wie es so ist im Fußball: Die Situation kann sich innerhalb einer Woche komplett ändern.
 
Wie kamen Sie denn zurück?
Die erste Mannschaft legte im Frühjahr 2004 eine besonders üble Niederlagenserie hin, die in einer Pleite bei Rot Weiss Essen mündete. Wir gewannen an dem Wochenende mit den Amateuren zeitgleich ein Spiel mit 5:0, und ich schoss zwei Tore. Prompt waren ich und zwei, drei andere aus der Amateurmannschaft wieder im Profiteam. Ein paar Tage später kam das Spiel gegen Chemnitz, eine Bogenlampe, ein irritierter Torwart, und drin war das Ding – im ersten Spiel bei den Profis gelang mir gleich der Siegtreffer.

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