22.10.2013

Eyjólfur »Jolly« Sverrisson über Islands WM-Chancen

»Da muss was in den Genen liegen«

Am 15. und 19. November kämpfen Islands Nationalspieler in den Playoffs gegen Kroatien ums Ticket für die WM. Eyjólfur »Jolly« Sverrisson kennt viele von ihnen, seit 2009 ist er isländischer U21-Trainer. Hier spricht der ehemalige Bundesliga-Legionär über Wikingerblut und isländische Weltklassespieler.

Interview: Kaspar Heinrich Bild: Imago

Eyjólfur Sverrisson, wissen Sie, welchen Rekord Trinidad und Tobago im Fußball hält?
Ich nehme mal an, es ist das kleinste Land, das an einer WM teilgenommen hat. Stimmt das?

Völlig richtig. 1,3 Millionen Menschen leben dort. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sich Island mit seinen 320.000 Einwohnern diesen Rekord am 19. November schnappt?
Ich würde sagen 50:50. Die Kroaten sind zwar der Favorit, aber in solchen Spielen weiß man ja nie. Da hängt viel von der Stimmung ab. Und die Stimmung ist gut bei Island, wir sind im Aufwind. Es wird allerdings schwierig sein, die Kroaten auszurechnen. Die haben außerdem mit Niko Kovač einen neuen Trainer.

Mit ihm haben Sie Mitte der neunziger Jahre zusammen für Hertha BSC gespielt.
Da weiß man nie, was kommt. Vielleicht ist die Mannschaft verunsichert durch den neuen Trainer. Vielleicht ist sie durch ihn aber auch besonders motiviert. Es ist eher ein Nachteil für Island, dass Trainer Lars Lagerbäck nur schwer planen kann. Wie werden die Kroaten wohl spielen?

Möglicherweise unterschätzen sie Island.
Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass sie gejubelt haben, als sie uns gezogen haben. Für alle vier Mannschaften aus dem ersten Topf wären wir der absolute Lottogewinn gewesen.

Kaum einer setzt auf Island. Spornt das die Spieler an oder entmutigt sie es?
Die wissen, was sie können. Die meisten von ihnen waren 2011 mit mir bei der U21-EM in Dänemark. Die Jungs haben damals internationales Flair geschnuppert und waren am Ende die fünftbeste Juniorennationalmannschaft in Europa. Und sie haben noch einige Jahre, in denen sie zusammenspielen und wachsen werden. Das sind junge Leute. Und trotzdem gute Leute.

Wo ist das Team besonders gut?
Wir sind offensiv sehr stark, es gibt viele Spieler, die gerade einen richtigen Lauf haben. Gylfi Sigurðsson spielt in Tottenham, Jóhann Guðmundsson und Kolbeinn Sigþórsson verdienen ihr Geld in Holland, alle drei machen viele Tore. Wenn man noch Aron Jóhannsson mitzählt, der sich leider für die US-Nationalmannschaft entschieden hat, haben drei der Topscorer in Holland isländische Wurzeln. Schon erstaunlich.

Ist Eiður Guðjohnsen, der in Barcelona und für Chelsea gespielt hat, noch immer der Star des Teams?
Er ist der erfahrenste Spieler, ja. Aber Star? Das ist eher Sigurðsson. Er ist ein Juwel und kann Spiele allein entscheiden, etwa durch seine Freistöße. Ein absoluter Ausnahmespieler, er hat eine einmalige Entwicklung gemacht. Und Kolbeinn Sigþórsson von Ajax wird total unterschätzt. Er ist schnell, kopfballstark, ein unheimlich aggressiver Stürmer, brandgefährlich. Für mich ist er auch ein Weltklassespieler.

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