21.07.2008

Exklusiv: Patrick Helmes im Interview

»Ich fühle mich hier pudelwohl«

Patrick Helmes wechselte in der Sommerpause rheinabwärts zu Bayer Leverkusen. Der Kölner über den immerhohen Erwartungsdruck der FC-Fans, der Rivalität zwischen den beiden Klubs und der Zeit während der Europameisterschaft.

Interview: Gereon Detmer Bild: Imago
Exklusiv: Patrick Helmes im Interview
Wieso haben Sie sich ausgerechnet für Leverkusen entschieden, es gab doch noch genügend andere Interessenten?

Das stimmt. Es gab mehrere Anfragen. Aber ich wollte gerne nach Leverkusen, hier entsteht etwas. Ein neues Stadion wird gebaut und die Mannschaft ist jung und hungrig. Zudem kenne ich einen Großteil der Truppe schon aus der U21 und der A-Nationalmannschaft. Die Mannschaft ist in den letzten Jahren immer gezielt verstärkt worden und konnte sich kontinuierlich einspielen. Als Neuzugang hat man es dann wesentlich einfacher sich zu integrieren. Und nicht zuletzt habe ich mich auch für Leverkusen entschieden, weil ich ein heimatverbundener Typ bin.

Mit Sinkiewicz, Podolski und jetzt Ihnen hat der FC regelmäßig seine hoffnungsvollsten Talente abgeben müssen. Liegt es an der mangelnden sportlichen Perspektive, dass die Spieler den Klub verlassen?


Podolski und Sinkiewicz wollten einfach nicht mehr in der zweiten Liga spielen. Wenn man nach vorne kommen will, muss man den nächsten Schritt machen. Wenn sich der Verein in der ersten Liga stabilisieren kann, wird man auch solche Spieler in Zukunft halten können. Da bin ich mir absolut sicher.

Sie sind als Jugendlicher beim FC aussortiert worden, mit der Begründung, körperlich zu schwach zu sein. Haben Sie in diesem Moment noch an eine Karriere als Profi geglaubt?

Ich war damals noch sehr jung und hatte noch viel vor mir. Klar, ich wäre damals gern in Köln geblieben. Meine Leistungen waren auch nicht schlecht, ich habe viele Tore geschossen. Aber so wie es dann gelaufen ist, habe ich auch kein Problem damit. Ich habe meine Ausbildung in Siegen gemacht und bin dann nach vier Jahren zurück nach Köln gegangen. Mein privates Umfeld hat immer an mich geglaubt. Das hat mir die nötige Kraft gegeben.

Hat ihnen die Zeit in Siegen in Ihrer Entwicklung geschadet?

Im Gegenteil. Ich glaube, sie hat mir sogar genutzt. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn ich beim FC geblieben wäre. Von vielen Spielern, die damals geblieben sind, hört man heute nichts mehr. Die spielen maximal Regionalliga. Ich habe in Siegen eine gute A-Jugend Saison gespielt und Ralf Loose (Anm.: damaliger Trainer der Regionalliga-Mannschaft) hat mich in die Seniorenmannschaft geholt. Seitdem läuft es gut für mich.

Ihr Vater war selber Profi. War es hilfreich, einen Vater zu haben, der sich im Geschäft auskennt?

Für mich war es immer gut. Allein das Ziel, mehr zu erreichen als der Vater, ist schon Ansporn genug. Seine Kritik hat mir immer geholfen. Meine Beidfüssigkeit habe ich größtenteils ihm zu verdanken. Er hat mich immer wieder darauf hingewiesen. Mein Vater wird immer mein härtester Kritiker bleiben.

Wie sind nun Ihre ersten Eindrücke von Bayer Leverkusen?

Ich bin rundum zufrieden. Aber das Gefühl hatte ich auch schon nach den Gesprächen mit Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser. Es ist recht einfach, sich in eine Mannschaft einzufinden, von der man 70 bis 80 Prozent der Spieler schon kennt. Deswegen fühle ich mich auch pudelwohl hier.

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