Ex-Profi und Pferdezüchter Markus Münch

»Wer mit Pferden arbeitet, ist nie sicher«

Markus Münch spielte für den FC Bayern, Besiktas Istanbul und Panathinaikos Athen in der Champions League. Nach dem Ende seiner Karriere machte er in Köln-Weidenpesch den Trainerschein – und wurde Pferdezüchter, wie er uns in der 11FREUNDE-Ausgabe #142 verriet.

Vanja Vucovic
Heft: #
142

Herr Münch, kennen Sie noch Acatenango, den berühmtesten Galopper der achtziger Jahre?
Klar, das ist so, als würden Sie mich nach Franz Beckenbauer fragen.

Sind Sie denn früher schon in der Sportschau beim »Galopper des Jahres« hängen geblieben?
Ich bin zwar als Kind ein bisschen geritten, aber während der Karriere habe ich keine Zeit mehr gehabt. Im Fernsehen habe ich manchmal die »Telewette« geschaut, das war alles.

Sie hatten also nicht schon länger den Plan, einen Rennstall zu gründen?
Nein, ich wollte nur auf dem Höhepunkt aufhören, und die Zeit bei Panathinaikos Athen in der Champions League war für mich das höchste Level. Als ich dort relativ spontan mit dem Fußball aufgehört habe, gab es keinen Plan B. Die Pferde kamen ein, zwei Jahre später.
Wann sind Sie erstmals mit dem Galoppsport in Kontakt gekommen? Als ich bei Borussia Mönchengladbach spielte, habe ich in Düsseldorf ganz nah am Grafenberg gewohnt. Wenn sonntags kein Training war, bin ich mit meiner Familie immer auf die Galopprennbahn gegangen. Einfach, um eine Bratwurst zu essen und eine gute Zeit zu haben. So um 2002 hat mir ein Freund die Hälfte eines Pferdes geschenkt, damit war ich plötzlich Mitbesitzer. Weil ich damals aber noch Fußball spielte, habe ich Basimah relativ selten gesehen.

Zurück aus Griechenland änderte sich das?
Ja, ich hatte plötzlich viel mehr Zeit, habe das Pferd öfter besucht und war fasziniert, als ich feststellte, dass Galopp ein richtiger Leistungssport ist. Da hat mich der alte Ehrgeiz gepackt, gewinnen zu wollen.

Was mussten Sie erlernen, um Ihren heutigen Job machen zu können?
Ich habe 2006 in Köln-Weidenpesch den ganz normalen Trainerlehrgang besucht. Weil ich keine richtige Erfahrung hatte, habe ich die Kontakte zu Jockeys genutzt, die ich aus meiner Profizeit kannte. Ich habe mir Trainingsquartiere in ganz Europa angeschaut und von jedem Trainer etwas mitgenommen. Ich war auch mit Andreas Schütz befreundet, der später als Trainer nach Hongkong gegangen ist. Sein damaliger Stalljockey Andrasch Starke ist heute das Maß aller Dinge in Deutschland.

Ihr Stall MM-Racing residiert heute auf der Galopprennbahn in Frankfurt-Niederrad. Wie groß ist er inzwischen?
Wir haben mit zwei, drei Pferden in Mannheim angefangen, waren gleich im ersten Jahr unwahrscheinlich erfolgreich und sind immer größer geworden. Im Moment haben wir 32 Pferde im Training, überwiegend junge. Unsere Philosophie ist es, Talente zu entdecken, sie auszubilden und auf größere Events vorzubereiten.



Das hätte in abgewandelter Form auch ein Bundesligamanager sagen können.
Da gibt es durchaus Parallelen. Wenn in Baden-Baden die Jährlingsauktion stattfindet, kommt der Zuchtexperte von einem Scheich eingeflogen und sucht sich die vier, fünf teuersten heraus. Für uns ist es deutlich schwieriger, Talente im unteren Segment zu finden und einen Treffer zu landen. Wir sind sozusagen der SC Freiburg, Scheich Al Maktum aus Dubai ist Bayern München.

Gibt es denn Ideen, die Sie aus dem Fußball auf den Galoppsport übertragen konnten?
Vor zwanzig Jahren wurde im Fußball über Laktatwert-Messungen gelacht. Ich hatte die Idee, das auch mal bei unseren Pferden zu messen – und wir haben das dann auch versucht. Es existieren aber insgesamt zu wenige Werte, die man vergleichen kann. Wenn wir im Trainingsalltag mehr Zeit hätten, würden wir das öfter machen.

Was war Ihr größter Erfolg?
Wir haben mal ein Pferd günstig erworben und zwei Jahre später nach Frankreich an André Fabre verkauft, einen der renommiertesten Trainer in Europa. Jetzt ist Intarsia Teil seiner Mutteraufzuchtsherde in Paris.

Sie sind nicht der einzige Fußballer, der sich für Galoppsport begeistert. Was ist daran eigentlich so faszinierend?
Stimmt, ich sehe Klaus Allofs alle paar Wochen auf der Rennbahn. Er ist schon seit Jahrzehnten in diesem Sport zu Hause. Claudio Pizarro und Thomas Müller haben ein paar Pferde in München stehen. In England, wo der Sport eine andere Tradition hat, gibt es kaum einen Fußballer, der kein Rennpferd hat. Die große Kunst an diesem Sport ist es, am Pferd abzulesen, was es in diesem Moment braucht. Das Schöne ist, dass kleinere Stallungen immer wieder die Chance haben, die großen zu schlagen.

Sind die Farben Ihres Stalls eigentlich vom Fußball beeinflusst?
Das waren sie wirklich, anfangs hatten wir ein schwarzes Trikot mit einem grünen Kleeblatt, inspiriert von Panathinaikos. Inzwischen haben wir seit Jahren blau-rote Rauten, das ist aber kein Bayerntrikot.

Sie wurden 2011 im Stall von einem Pferd getreten und landeten auf der Intensivstation. Ist ihr neuer Beruf gefährlicher als Ihr alter?
Wer mit Pferden arbeitet, ist nie sicher. Ein Pferd kann zehn Jahre lang brav sein und irgendwann erschreckt es sich und tritt nach hinten aus. Ich konnte mich zwar noch wegdrehen, hatte aber drei Rippenbrüche. Nicht so dramatisch eigentlich, die Wucht war jedoch so groß, dass ich ein Leberhämatom bekam. Dadurch bestand die Gefahr, dass die Leber platzt, und so stand ich etwas länger unter Beobachtung. Es hat mich aber nicht abgeschreckt.

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