24.09.2011

Ex-Leverkusener Torben Hoffmann über sein Eigentor gegen die Bayern

»Da wusste ich: Du bist raus«

Bayern gegen Leverkusen – das waren oft legendäre Duelle. Auch in der Saison 1999/00 kämpften beide um den Titel. Bis Torben Hoffmann im direkten Duell am 19. Spieltag nach zwei Minuten per Eigentor traf. Hier erinnert er sich an diese schwarze Sekunde und Unterhaching.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Torben Hoffmann, wie jüngst zu lesen war, wechseln Sie bald die Seiten und fangen beim Fernsehsender Sky als Reporter an. Wir müssen Sie deswegen um einen Gefallen bitten.

Torben Hoffmann: Welchen denn?

Belästigen Sie niemals einen Spieler nach dem Abpfiff mit dem Dauerbrenner: »Wie fühlen Sie sich«.

Torben Hoffmann: Oh ja, das ist wirklich die schlimmste aller Fragen. Als Spieler will man nach 90 Minuten Fußball nicht über seine Gefühle sprechen. Schon gar nicht, wenn gerade etwas mächtig schief gegangen ist. Ich werde also versuchen, diese Frage zu vermeiden. Versprochen.



Was hätten Sie geantwortet, wenn Sie am 9. Februar 2000 jemand nach dem Spiel auf Ihre Gefühle angesprochen hätte.

Torben Hoffmann: Ich habe immer versucht, nett und korrekt auf solche Fragen zu antworten. Aber an diesem Tag hätte ich wahrscheinlich sehr patzig reagiert.

Am jenem 19. Spieltag reisten Sie mit Bayer Leverkusen als Tabellenführer zum zweitplatzierten FC Bayern. Für viele ein vorentscheidendes Duell im Kampf um die Meisterschaft.

Torben Hoffmann: Wir waren drei Punkte vor den Bayern und die Medien bauschten das Duell zum absoluten Showdown um den Meistertitel auf. Unter der Woche wurden Giftpfeile hin und her geschossen, Zeitungen lancierten bewusst wilde Gerüchte. Überall, wo man hinkam, merkte man: Die Leute sind heiß auf dieses Spiel.

Hat Ihr damaliger Trainer Christoph Daum zur Motivation noch extra in die Zauberkiste der psychologischen Tricks gegriffen?

Torben Hoffmann: Christoph Daum konnte einen mit seinen Ansprachen richtig in seinen Bann ziehen. Danach wäre man für ihn in ein brennendes Haus gerannt, wenn er es verlangt hätte. Aber erstaunlicherweise machte er vor diesem wichtigen Spiel nichts dergleichen. Uns allen war sowieso bewusst, dass wir die Bayern im Falle eines Sieges zumindest anknocken konnten. Außerdem spielten wir unter Flutlicht. Welcher Fußballer braucht in diesem Moment eine Extra-Motivation?

Das Spiel der Spiele war kurz nach dem Anpfiff allerdings schon gelaufen. Nach nicht einmal zwei Minuten trafen Sie per Eigentor zur Führung des FC Bayern.

Torben Hoffmann: Diese 106 Sekunden von München werden mich immer verfolgen. Im Nachhinein waren sie mein ultimativer Karrierknick. Ich hatte eine richtig gute Vorbereitung hinter mir, hatte mich in die Startelf gespielt und dann rutscht mir dieses Scheißding rein. Danach war ich verbrannt.

Erinnern Sie sich noch an die Situation.

Torben Hoffmann: Klar. Giovanne Elber kam über unsere linke Seite und flankte sehr scharf rein. Ich stand mit Mehmet Scholl im Sechzehnereck, spürte ihn in meinem Nacken. Ich wollte unbedingt vor ihm an den Ball kommen und sprintete los. Aber Scholli blieb einfach stehen. Dummerweise habe ich das nicht bemerkt und ging im vollen Lauf zum Ball. Der Rasen war nass, der Ball tropfte auf und ich habe die Kugel ins linke untere Eck gedrückt.

Der Super-GAU.

Torben Hoffmann: Ich weiß noch, wie ich völlige Leere in mir spürte. Normalerweise bin ich sehr emotional, aber in dem Moment war ich so perplex, dass ich keine Reaktion zeigen konnte.

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