28.04.2014

Ex-Lautern-Trainer Franco Foda über seinen Rauswurf

»Zumindest merkwürdig«

Im August 2013 wurde Franco Foda als Trainer beim 1. FC Kaiserslautern entlassen. Warum, das fragen sich viele bis heute. Vor dem heutigen Spitzenspiel der Pfälzer gegen Union Berlin sprachen wir mit Foda.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Franco Foda, im August 2013 wurden Sie als Trainer vom 1. FC Kaiserslautern freigestellt und sind seitdem ohne Job. haben Sie sich eine Frist gesetzt, innerhalb derer Sie wieder arbeiten wollen?
Nein, das wäre eine falsche Herangehensweise. Es muss einfach alles passen. Kurz nach meiner Beurlaubung beim FCK wurden mir beispielsweise drei Angebote vorgelegt, die zwar allesamt interessant klangen, dennoch für mich kein Thema waren.

Weshalb haben Sie den Klubs abgesagt?
Zunächst wollte ich das Kapitel FCK Revue passieren lassen und ein wenig zur Ruhe kommen. Zudem war es mir wichtig, die Auszeit zu nutzen, um mich weiterzubilden. Nachdem ich unter anderem beim FC Bayern, Borussia Dortmund und Mönchengladbach hospitiert hatte, war ich oft in den Niederlanden unterwegs. Ich kann jedem Trainer nur empfehlen, gelegentlich über den Tellerrand hinauszuschauen.

Sind Sie eigentlich nur deshalb im Winter nicht Trainer des Hamburger SV geworden, weil bekannt ist, dass Sie mit Sportchef Oliver Kreuzer befreundet sind?
Ich äußere mich generell nicht zu Vereinen, die mit mir in Kontakt getreten sind. Das wäre unseriös und stillos.

Die Verantwortlichen des HSV sind also auf Sie zugegangen...
Sorry, keine Chance. Ich würde den Inhalt solcher Gespräche ohnehin niemals in die Öffentlichkeit tragen.

Dann wechseln wir das Thema: Mit welchen Worten würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Kommunikativ, kooperativ - und dennoch stets deutlich in der Ansprache. Um einen Spieler zu verstehen, muss man auch zuhören können. Zudem ist es mein Anspruch, jedem Profi genau zu erklären, weshalb er nicht spielt, denn auch die Ergänzungsspieler sind enorm wichtig fürs Team. Apropos: Ein respektvoller Umgang miteinander sollte an der Tagesordnung sein. Insgesamt will ich die Jungs einfach von meiner Spielidee überzeugen, sie im Training dafür begeistern.

Wie viele Systeme müssen Ihre Spieler draufhaben?
Jede Profimannschaft muss heutzutage in der Lage sein, taktisch zu variieren. Offensivspieler brauchen Freiheiten, um Topleistungen zu bringen. Wer sie in eine Schablone presst, raubt ihnen ihre Kreativität. Unabhängig vom System: Ich gehöre zu den Trainern, denen es wichtig ist, dass die eigene Mannschaft dominant auftritt und sich nur wenig am Gegner orientiert. Plakativ gesagt: 95 Prozent eigene Spielphilosophie, fünf Prozent Orientierung am Gegner.

Dürfen Ihre Spieler während der Partie selbst die Taktik ändern?
Solange sie nicht die Grundordnung über den Haufen werfen, sondern lediglich Details ändern, wie zum Beispiel die Interpretation einer Position, ist alles okay. Ein Trainer kann seinen Spielern schließlich nicht für jede denkbare Spielsituation die passende Lösung an die Hand geben. Ich erwarte von meinen Jungs, dass sie mitdenken. Heutzutage ist es ohnehin üblich, dass Offensivspieler mehrere Positionen spielen können. Bestes Beispiel: Der FC Bayern – welche Abwehr kommt nicht in Bedrängnis, wenn Robben, Müller, Ribery, Lahm und Götze auf dem Feld rochieren?

Es heißt, Profispieler nutzten die Schwächen eines Trainer gnadenlos aus  - muss ein Trainer daher ein guter Schauspieler sein?
Wer immer nur fordert, Aufträge erteilt, aber nie kommuniziert, der kriegt irgendwann Probleme. Eine klare Linie ist wichtig, diese Linie sollte allerdings mit Argumenten, Belegen und auch Überzeugung präsentiert werden. Der Satz »Ich behandle jeden Spieler gleich« ist Blödsinn. Ein Profikader besteht aus 24, 25 Charakteren, es wäre fahrlässig, würde man nicht wenigstens versuchen, auf alle individuell einzugehen. Jeder Spieler tickt anders, der eine braucht ab und an ordentlich Gegenwind, um seine Topleistung abzurufen, der andere wiederum blüht auf, wenn man ihm seine Stärken vor Augen führt. Einzelgespräche sind daher unheimlich wichtig. Nicht weniger wichtig sind allerdings klare Regeln, an die sich alle Teammitglieder halten müssen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden