Ex-Lautern-Trainer Franco Foda über seinen Rauswurf

»Zumindest merkwürdig«

Im August 2013 wurde Franco Foda als Trainer beim 1. FC Kaiserslautern entlassen. Warum, das fragen sich viele bis heute. Vor dem heutigen Spitzenspiel der Pfälzer gegen Union Berlin sprachen wir mit Foda.

Franco Foda, im August 2013 wurden Sie als Trainer vom 1. FC Kaiserslautern freigestellt und sind seitdem ohne Job. haben Sie sich eine Frist gesetzt, innerhalb derer Sie wieder arbeiten wollen?
Nein, das wäre eine falsche Herangehensweise. Es muss einfach alles passen. Kurz nach meiner Beurlaubung beim FCK wurden mir beispielsweise drei Angebote vorgelegt, die zwar allesamt interessant klangen, dennoch für mich kein Thema waren.

Weshalb haben Sie den Klubs abgesagt?
Zunächst wollte ich das Kapitel FCK Revue passieren lassen und ein wenig zur Ruhe kommen. Zudem war es mir wichtig, die Auszeit zu nutzen, um mich weiterzubilden. Nachdem ich unter anderem beim FC Bayern, Borussia Dortmund und Mönchengladbach hospitiert hatte, war ich oft in den Niederlanden unterwegs. Ich kann jedem Trainer nur empfehlen, gelegentlich über den Tellerrand hinauszuschauen.

Sind Sie eigentlich nur deshalb im Winter nicht Trainer des Hamburger SV geworden, weil bekannt ist, dass Sie mit Sportchef Oliver Kreuzer befreundet sind?
Ich äußere mich generell nicht zu Vereinen, die mit mir in Kontakt getreten sind. Das wäre unseriös und stillos.

Die Verantwortlichen des HSV sind also auf Sie zugegangen...
Sorry, keine Chance. Ich würde den Inhalt solcher Gespräche ohnehin niemals in die Öffentlichkeit tragen.

Dann wechseln wir das Thema: Mit welchen Worten würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Kommunikativ, kooperativ - und dennoch stets deutlich in der Ansprache. Um einen Spieler zu verstehen, muss man auch zuhören können. Zudem ist es mein Anspruch, jedem Profi genau zu erklären, weshalb er nicht spielt, denn auch die Ergänzungsspieler sind enorm wichtig fürs Team. Apropos: Ein respektvoller Umgang miteinander sollte an der Tagesordnung sein. Insgesamt will ich die Jungs einfach von meiner Spielidee überzeugen, sie im Training dafür begeistern.

Wie viele Systeme müssen Ihre Spieler draufhaben?
Jede Profimannschaft muss heutzutage in der Lage sein, taktisch zu variieren. Offensivspieler brauchen Freiheiten, um Topleistungen zu bringen. Wer sie in eine Schablone presst, raubt ihnen ihre Kreativität. Unabhängig vom System: Ich gehöre zu den Trainern, denen es wichtig ist, dass die eigene Mannschaft dominant auftritt und sich nur wenig am Gegner orientiert. Plakativ gesagt: 95 Prozent eigene Spielphilosophie, fünf Prozent Orientierung am Gegner.

Dürfen Ihre Spieler während der Partie selbst die Taktik ändern?
Solange sie nicht die Grundordnung über den Haufen werfen, sondern lediglich Details ändern, wie zum Beispiel die Interpretation einer Position, ist alles okay. Ein Trainer kann seinen Spielern schließlich nicht für jede denkbare Spielsituation die passende Lösung an die Hand geben. Ich erwarte von meinen Jungs, dass sie mitdenken. Heutzutage ist es ohnehin üblich, dass Offensivspieler mehrere Positionen spielen können. Bestes Beispiel: Der FC Bayern – welche Abwehr kommt nicht in Bedrängnis, wenn Robben, Müller, Ribery, Lahm und Götze auf dem Feld rochieren?

Es heißt, Profispieler nutzten die Schwächen eines Trainer gnadenlos aus  - muss ein Trainer daher ein guter Schauspieler sein?
Wer immer nur fordert, Aufträge erteilt, aber nie kommuniziert, der kriegt irgendwann Probleme. Eine klare Linie ist wichtig, diese Linie sollte allerdings mit Argumenten, Belegen und auch Überzeugung präsentiert werden. Der Satz »Ich behandle jeden Spieler gleich« ist Blödsinn. Ein Profikader besteht aus 24, 25 Charakteren, es wäre fahrlässig, würde man nicht wenigstens versuchen, auf alle individuell einzugehen. Jeder Spieler tickt anders, der eine braucht ab und an ordentlich Gegenwind, um seine Topleistung abzurufen, der andere wiederum blüht auf, wenn man ihm seine Stärken vor Augen führt. Einzelgespräche sind daher unheimlich wichtig. Nicht weniger wichtig sind allerdings klare Regeln, an die sich alle Teammitglieder halten müssen.


Sie wurden Ende August in Kaiserslautern entlassen, obwohl die Klubführung wenige Tage zuvor sagte, Sie würden im Amt bleiben – welches Adjektiv fällt Ihnen dazu ein?
Verwundert. Dass sich Vereine zunächst hinter den Trainer stellen, ist absolut in Ordnung. Wäre ich mit dem FCK zum damaligen Zeitpunkt Vorletzter gewesen, hätte ich eine Trennung zumindest nachvollziehen können. Da wir allerdings relativ gut dastanden, hat mich die Beurlaubung sehr überrascht.

Sie hatten zu jener Zeit drei Siege und zwei Niederlagen auf dem Konto und waren punktgleich mit dem Zweitplatzierten. Womit haben Sie Sportchef Stefan Kuntz derart verägert, dass er den Weg einer Trennung  für unumgängling hielt?
Ich bin kein Typ, der nachkartet oder die Schuld immer bei Anderen sucht. Nur soviel: Nach meiner Beurlaubung wurden leider einige Unwahrheiten verbreitet. Trotzdem habe ich versucht, das Thema schnell abzuhaken.

Fühlen Sie sich in Ihrer Meinung bestätigt, wenn Sie sehen, wie der FCK in den vergangenen Monaten aufgetreten ist?
Ich verspüre keine Genugtuung, falls Sie darauf hinaus wollen. Derlei Gefühle sind mir seit jeher fremd. Fakt ist: Obwohl der FCK sich im Winter mit Srdjan Lakic und Chinedu Ede nochmals verstärkt hat, muss das Team weiter an jedem Spieltag kämpfen, um nicht den Anschluss an die Aufstiegsplätze zu verlieren. Ich habe schon damals, als wir voll im Soll waren, unentwegt gesagt: »Die zweite Liga ist sehr ausgeglichen, das wird kein Selbstläufer, wir müssen stets am Limit spielen«. Zudem haben Neuzugänge wie Olivier Occean oder Karim Matmour bei ihren vorherigen Vereinen nur selten gespielt. Auch Alex Ring ist ein Junge, dem man Zeit geben muss. Einen Trainer nach fünf Spieltagen zu beurlauben, mitten in einem Entwicklungsprozess, joa, das ist zumindest merkwürdig. Aber noch mal: Ich hege keinen Groll, das Kapitel ist abgehakt.

Stimmt es, dass nach dem Scheitern in der Relegation der Ton intern rauer geworden ist, speziell Ihnen gegenüber?
Nein. Bei meinem Amtsantritt hieß es, wir wollten uns vorne etablieren. Das waren die Worte von Stefan Kuntz. Ich habe mir dann persönlich ein hohes Ziel gesteckt und gesagt »Ich will aufsteigen«. Natürlich wusste ich genau, dass man mich daran messen würde. Aber wie gesagt, wir waren auf einem guten Weg. Obendrein hatte ich die Aufgabe, junge Spieler zu entwickeln, ich nenne nur die Namen Dominique Heintz, Willi Orban, Steven Zellner, Denis Linsmayer (mittlerweile SV Sandhausen, d. Red.) und Hendrick Zuck (jetzt SC Freiburg, d. Red.) - alles Burschen aus der eigenen Jugend. Dass deren Leistung Schwankungen unterworfen sind, ist normal. Die derzeitige Mannschaft hat einen höheren Altersschnitt und ist zudem qualitativ besser aufgestellt – trotzdem hat sie Schwierigkeiten.

Was wollen Sie damit sagen?
Vielleicht wäre es hilfreich, die Erwartungshaltung ein wenig zu dämpfen. Mein Nachfolger hat es zurzeit nicht leicht, der Druck ist gewaltig

Schafft der FCK in diesem Jahr den Aufstieg?
Das wünsche ich mir. Normalerweise gehört der Verein in die Bundesliga. Die Fans sind großartig, auch wenn sie nicht gerade zu den unkritischsten gehören, um es vorsichtig zu formulieren (lacht). Mein Appell: Ein bisschen mehr Geduld im Klub und eine hundertprozentige Unterstützung im Umfeld, gerade in Phasen, in denen es nicht rund läuft. Dann geht noch was.

Franco Foda, wie muss ein Klub aufgestellt sein, dass Sie sagen: »Ja, hier unterschreibe ich aus voller Überzeugung einen Vertrag als Cheftrainer«?
Ich bin der Meinung, ein Verein braucht eine eigene Philosophie, an der er konsequent festhält. Die Art, wie Fußball gespielt werden soll, muss schon im Jugendbereich vermittelt werden. Auch bei der Transferpolitik sollte nach einem klaren Schema vorgegangen werden. Ist all das nicht der Fall, endet es meist im Chaos. Neuer Trainer, neue Ideen, neue Spieler – und wieder von vorn. Mittlerweile gibt es glücklicherweise viele Klubs, die dem Trainer in schwierigen Phasen den Rücken stärken, und zwar nicht nur alibimäßig.

Welche Klubs fallen Ihnen spontan ein?
Die Verantwortlichen des SC Freiburg haben klar gesagt, dass sie mit Christian Streich in die zweite Liga gehen würden, auch Mainz-Manager Heidel würde in Krisenzeiten an Thomas Tuchel festhalten. Eintracht Braunschweig hat Torsten Lieberknecht gestützt, als der mediale Druck rasant zunahm. Ähnliches haben wir zuletzt in Bremen beobachtet. Wir merken: Viele Verantwortliche schätzen die Situation samt der Erwartungshaltung und den möglichen Folgen realistisch ein. Es gibt einfach Phasen, in denen es wichtig ist, dem öffentlichen Druck standzuhalten - Überzeugung und Haltung sind wichtig. Klar ist aber auch: Jeder Trainer weiß genau, auf was er sich einlässt. Man darf eine Beurlaubung nie persönlich nehmen.

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