15.09.2011

Ex-Hannover-Profi Hakan Bicici über den Europacup '92

»Votava wollte mir die Beine brechen«

Erstmals seit 1992 spielt Hannover 96 wieder im Europapokal. Ganz Niedersachsen hoffte damals auf einen internationalen Gegner für den Zweitligisten, doch es kam alles anders. Ex-96-Spielmacher Hakan Bicici über teure Uhren und harte Worte von Mirko Votava.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Groß geworden in Hannovers Fußballjugend, schaffte Hakan Bicici 1989 erstmals den Sprung in die erste Mannschaft. Mit den 96ern spielte der gebürtige Türke in der 2. Bundesliga, zwischenzeitlich war er auch für Eintracht Braunschweig, TuS Celle, sowie in der Türkei für Antalyaspor, Gençlerbirliği und Denizlispor aktiv. Heute spielte er in der Traditonsmannschaft von Hannover 96.


Hakan Bicici, Sie standen zwischen 1989 und 1998 dreimal bei Hannover 96 unter Vertrag, in der Aufstellung für das DFB-Pokalfinale 1992 fehlen Sie allerdings. Warum?


Hakan Bicici: Da müssen Sie Michael Lorkowski fragen. Der hat 96 damals trainiert, kam aber offenbar mit meiner Spielweise nicht zurecht und sortierte mich im Sommer 1991 aus. Während sich mein Herzensverein Hannover bis ins Pokalfinale vorkämpfte und dort als Zweitligist sensationell gegen Borussia Mönchengladbach gewann (4:3 nach Elfmeterschießen, d. Red.) spielte ich für TuS Celle in der Oberliga Nord.



Fühlten Sie sich um den größten Erfolg Ihrer Karriere betrogen?

Hakan Bicici: Es war auf alle Fälle eine blöde Situation. Als wesentlich schmerzhafter empfand ich es, nicht mehr für Hannover 96 spielen zu dürfen. Als die Fernsehkameras meinen Freund Lorkowski zeigten, wie er den DFB-Pokal in die Höhe stemmte, war ich mir eigentlich sicher: Der wird den Verein in nächsten Jahren unter keinen Umständen verlassen, der ist da jetzt der große Held!

Stattdessen wechselte Lorkowski vor der Saison 1992/93 zum FC St. Pauli...

Hakan Bicici: ...und der neue Trainer Eberhard Vogel holte mich zurück nach Hannover. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Als amtierender deutscher Pokalsieger war der Zweitligist aus Hannover automatisch für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert. Wie sehr hat das Thema Europapokal die Kabinengespräche beherrscht?

Hakan Bicici: Es dauerte eine Weile, ehe wir das Thema Europapokal auf dem Schirm hatten. In der Vorbereitung ließen sich die Jungs natürlich noch für ihren Sensationserfolg gegen Mönchengladbach feiern und als die Saison begann, mussten wir uns auf die Punktspiele konzentrieren. Als dann der Tag der Auslosung näher rückte, wurden wir allerdings immer nervöser...

Wie oft haben Sie in dieser Zeit die Europakarte nach möglichen Gegnern abgegrast?

Hakan Bicici: Kann ich Ihnen gar nicht mehr genau sagen. Was ich weiß: Kurz vor der Auslosung bekamen wir vom Verein eine Komplettausstattung für den Europapokal überreicht. Hose, schickes Jackett, weißes Hemd, schwarze Schuhe – wir sahen großartig aus! In meinem Kopf spielte sich schon das Szenario ab: Wie die stolze Zweitliga-Truppe von Hannover 96 in todschicken Klamotten lässig am Flughafen eincheckt, um nach Spanien, England oder Italien zu fliegen...

Und dann kam alles anders.

Hakan Bicici: Ich glaube, ich saß zu Hause und verfolgte die Auslosung vor dem Fernseher. Hannover 96 gegen... Werder Bremen.

Hannover und Bremen trennen 130 Kilometer. Fahrtzeit: Eineinhalb Stunden...

Hakan Bicici: Da saßen wir nun mit unseren tollen Europapokalanzügen, setzten uns in den Mannschaftsbus und fuhren nach Bremen. Nix mit Spanien oder Italien. Es fühlte sich an wie ein schlechter Scherz.

Soll ich Ihnen mal vorlesen, welche Gegner Sie durch das Los damals verpassten?

Hakan Bicici: Bitte nicht...

AS Monaco...

Hakan Bicici: (...)

Atletico Madrid...

Hakan Bicici: (...)

FC Liverpool...

Hakan Bicici: Aufhören!

Stattdessen mussten Sie am 15. September 1992 im Bremer Weserstadion antreten.

Hakan Bicici: Immerhin gegen den amtierenden Sieger dieses Wettbewerbs (Werder hatte 1992 den Europapokal der Pokalsieger im Endspiel gegen den AS Monaco gewonnen. d. Red.). Das war für uns Zweitligakicker natürlich trotzdem eine große Ehre.

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