19.02.2014

Ex-»Gunner« Luis Boa Morte über den Mythos Arsenal

»Highbury schmeckte nach Geschichte«

Der Portugiese Luis Boa Morte war einer der ersten Transfers von Arsene Wenger beim FC Arsenal. Am Rande der Präsentation des neuen Puma-Schuhs »evoPOWER« in Barcelona sprachen wir mit dem knallharten Defensivmann über den Mythos Arsenal und das Coming-out seines Ex-Kollegen Thomas Hitzlsperger.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Luis Boa Morte, Sie waren einer der ersten Spieler, den Arsene Wenger zum FC Arsenal holte. Welche Eindrücke sind Ihnen noch im Gedächtnis?
Ich war 19, ein blutjunger Spieler aus Portugal, der plötzlich mit den »Big Guys« spielen durfte. Selbstverständlich war ich nervös und sehr unsicher, was mich erwarten würde. Aber meine Bedenken wurden schnell zerstreut. Ich wurde von allen mit offenen Armen empfangen. Es war, als wenn man in eine Familie kommt. Das ist im Profifußball nicht immer so, das können Sie mir glauben.

Vater dieser Familie war und ist Arsene Wenger. Als Sie 1996 verpflichtet wurden, hatte er gerade das Amt beim FC Arsenal übernommen. Was war er damals für ein Trainer?
Wenger vereint zwei Eigenschaften, die ihn zu einem außergewöhnlichen Trainer machen: Er kennt den Fußball wie kein Zweiter und ist ein echter Gentleman, ein toller Mensch. Bei mir war es so wie bei den vielen anderen Jungs, die nach mir zum Klub stießen: Er gab mir gleich das Gefühl, zur richtigen Stelle am richtigen Ort zu sein. Und er kümmert sich um seine Spieler.

Wie meinen Sie das?
Er weiß über seine Spieler Bescheid – und zwar nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch im privaten Bereich. Wie gesagt, ich war damals fast noch ein Kind, Arsenal war mein erster Klub als Profi. Ich hatte Heimweh. Also schickte er mich zur Weihnachtszeit 1996 nach Hause und ließ mich mit meiner Familie in Lissabon feiern. Und dass, obwohl über die Feiertage in England wichtige Ligaspiele anstehen. Das war allerdings das letzte Mal in meiner Karriere, dass ich die »Boxing Days« (Premier-League-Spiele am Weihnachtstag, d. Red.) verpasst habe! (lacht)

Sie blieben bis 1999 in London. An welche Spieler haben Sie die intensivsten Erinnerungen?
Eine einzelne Person herauszupicken, würde diesen Klassefußballern nicht gerecht werden. Ich hatte das große Glück, mir meine ersten Sporen im Profifußball an der Seite von Leuten wie Marc Overmars, Dennis Bergkamp oder Patrick Vieira zu verdienen. Selbst mit Thierry Henry stand ich noch gemeinsam auf dem Platz, allerdings nur für zwei Spiele, dann verließ ich den Klub. Solche Fußballer machen dich besser, weil du gerade als junger Spieler unglaublich viel von ihnen lernen kannst.

Welchen Einfluss hatte das bei den Fans geradezu mystisch aufgeladene Highbury auf Sie und Ihr Spiel?
Ich habe Highbury geliebt. Wenn du in so einem Stadion spielst, dann riechst und schmeckst du auf jedem Quadratmeter die Geschichte dieses Vereins. Du wirst Teil des Vereins und möchtest deine Spuren in diesem Stadion hinterlassen. Das beeinflusst selbstverständlich deine Leistung. So ging es jedenfalls mir.

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