Ex-Fürth-Stürmer Sascha Rösler über die Relegation

»Natürlich ist das Show«

Sascha Rösler weiß, wie man aufsteigt. Mit Ulm, Aachen, Mönchengladbach und Düsseldorf schaffte er den Sprung ins Oberhaus. Wir sprachen mit dem 36-Jährigen über die Unwägbarkeiten der Relegation, den Platzsturm von 2012 und das Duell des HSV gegen Fürth.

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Sascha Rösler, Sie sind bereits viermal in die Bundesliga aufgestiegen. Was ist der Unterschied zwischen einem »normalen« und einem Relegations-Aufstieg?
Es sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, wenn der Aufstieg vier Wochen vorher feststeht oder man es erst im letzten Moment packt. Diese beiden Arten von Aufstieg möchte ich nicht miteinander vergleichen.

Was macht den Reiz der Relegation aus?
Alleine die Ausgangslage ist doch spannend: Der 16. der Bundesliga hat meist eine enttäuschende Saison hinter sich, der Dritte der zweiten Liga eine gute. Trotzdem ist die Relegation für beide eine Entweder-oder-Situation: Entweder ich werde zum Helden oder die ganze Saison ist für die Katz.

Trotz der unterschiedlichen Ausgangslage: Spürt man als Zweitligist eigentlich Arroganz von Seiten des Erstligisten?
Ich habe das damals in der Relegation nicht gespürt. Es mag sein, dass der ein oder andere Spieler durchaus an den Klassenunterschied denkt. In der Regel hat der 16. der Bundesliga aber ja keine Glanzsaison gespielt. Arroganz wäre deswegen vollkommen deplatziert. Darüber würde ich eher lachen.

Es heißt immer wieder, der Zweitligist habe eher einen Vorteil, weil er zunächst auswärts ran darf. Ist das tatsächlich so?
Wenn das zweite Spiel im eigenen Stadion stattfindet, ist die Chance vielleicht größer, das Ergebnis umzubiegen. Insgesamt glaube ich aber nicht, dass es ein Vorteil ist. Der Erstligist kann auch schon im Hinspiel alles klarmachen.

Sie standen 2012 mit Düsseldorf gegen Hertha BSC in der Relegation. War es schwer, sich nach dem eigentlichen Liga-Ende noch einmal auf zwei »Endspiele« einzustellen?
Wir wussten, dass sich in diesen Spielen die Saison entscheidet. Bei Ligaspielen hatten wir unsere normalen Abläufe. Die konnten wir vor der Relegation jedoch vergessen. Wenn der Ausgang der kompletten Saison an diesen zwei Spielen hängt, ist vor allem die mentale Stäke wichtig.

Was hieß das konkret für die Vorbereitung?
Für uns war es ja damals schon ein Erfolg, dass wir überhaupt in der Relegation standen. Das hatte vor der Saison niemand von Fortuna Düsseldorf erwartet. Unser Trainer Norbert Meier hat daher auch wenig geändert. Er hat Ruhe bewahrt und immer wieder gepredigt, dass wir uns nicht verrückt machen sollen.

Wie sind Sie damals selber mit der Situation umgegangen?
Ich habe an nichts mehr anderes gedacht, habe nachts schlecht geschlafen und konnte es kaum erwarten, dass es losgeht. Der Druck ist enorm und das Gefühl nach einem erfolgreichen Aufstieg einfach nur unglaublich. Auch wenn das bei uns ein bisschen abgeschwächt wurde.


Sie spielen auf die Geschehnisse rund um das Rückspiel an. Fans stürmten den Platz, im Anschluss sahen sich die Vereine wochenlang vor Gericht. Mit welchen Gefühlen schauen Sie heute zurück?
Wegen dieser Geschehnisse wurde der Aufstieg mit Fortuna nicht zum richtigen Highlight. Wir haben in der Nacht nach dem Spiel zwar schon gefeiert, am nächsten Tag habe ich aber schon die belastete Stimmung gespürt. Es ging nur noch um »Skandale«, eine angebliche »Schande« und die Rechtmäßigkeit des Ergebnisses. Als wir dann aus Berlin gehört haben, dass Hertha Einspruch einlegen will, kippte die Aufstiegseuphorie in pure Enttäuschung um.

Wie sehr hat Sie genervt, dass Hertha Einspruch einlegen wollte?
Der Verein hatte Feierlichkeiten geplant, die abgesagt werden mussten, wir Spieler mussten unsere Mallorca-Tour absagen. Wir waren also extrem genervt. Aber mal ehrlich: Das, was die Hertha-Leute da ausgesagt haben, war ja auch übertrieben. Ihre Äußerungen über »Angstzustände« hätten sie sich vermutlich besser gespart.

War die ganze Aufregung um diesen Platzsturm übertrieben?
Auf jeden Fall. Leider wurde das von den Medien derart hochgepusht. Mich hat richtig geärgert, dass einige Medien über eine Eskalation unserer Fans berichtet haben. Die vielen Fortunen wollten einfach nur feiern und waren total friedlich.

In diesem Jahr trifft Ihr Ex-Verein, die SpVgg Greuther Fürth, in der Relegation auf den Hamburger SV. Wie bewerten Sie die Ausgangslage?
Wenn ich diese beiden Mannschaften nominell gegenüberstelle, ist Hamburg natürlich deutlich besser bestückt und der große Favorit. Das zählt in der Relegation aber nur bedingt. Für mich hat Fürth einen klaren Vorteil.

Welchen?
In solchen Spielen ist die mentale Seite entscheidend. Fürth hat nichts zu verlieren. Wenn sie es am Donnerstag und Sonntag nicht schaffen, macht ihnen vermutlich keiner einen Vorwurf. Das ist beim HSV anders. Der hat im Stadion beispielsweise eine Uhr hängen, die tickt und tickt und tickt. Die ganze Stadt, fast komplett Fußball-Deutschland schaut darauf. Das kommt den Fürthern entgegen.

Der HSV hat aus den letzten zwölf Spielen nur acht Punkte geholt. Fürth in gleichem Zeitraum 23. Ist es fair, dass der Erstligist in der Relegation noch einmal die Chance auf den Klassenerhalt bekommt?
Das habe ich mich auch schon ein paar Mal gefragt. Als wir 1999 mit Ulm Dritter geworden sind, war ich froh, dass wir keine Relegation spielen mussten (lacht). Über die Fairness der Relegation lässt sich streiten. Die Regel ist da, das müssen wir alle akzeptieren. Ich glaube, dass die zwei Spiele als attraktiver Abschluss der Saison eingeplant sind.

Ist die Relegation dann nicht bloß Show?
Die Leute wollen unterhalten werden. Natürlich ist das Show. Ehrlich gesagt finde ich den Nervenkitzel als Zuschauer auch spannend. Als Spieler eines Zweitligisten würde ich aber sagen: Das ist ungerecht!

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