24.10.2012

Ex-DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn über Pyrotechnik

»Ich hätte die Gespräche fortgesetzt«

Helmut Spahn, langjähriger Sicherheitschef des DFB, sprach im vergangenen Jahr mit Vertretern der Initiative »Pyrotechnik legalisieren« über Pilotprojekte. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam, und was bei der Kommunikation falsch gelaufen ist. Spahn bleibt dabei, dass man Pyrotechnik mit »herkömmlichen Methoden« nicht in den Griff bekommt.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago

Helmut Spahn, Sie haben sich mit Vertretern der Initiative »Pyrotechnik legalisieren« an einen Tisch gesetzt. Wie kam es dazu?
Spahn: Das war keine fixe Idee von mir persönlich. Ich habe ja nicht zu Hause auf dem Sofa gelegen und angefangen zu träumen, wie schön Pyrotechnik ist. Ganz im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass Pyrotechnik, so wie sie derzeit angewendet wird, im Stadion nichts verloren hat. Punkt. Aus. Allerdings haben wir uns jedes Jahr mit den Sicherheitsbeauftragten der Vereine zusammengesetzt und dabei festgestellt: Die Vorfälle häufen sich von Jahr zu Jahr und die Vereine müssen immer wieder Strafen bezahlen. Mit den herkömmlichen Methoden bekommen wir das Problem nicht in den Griff, war die einhellige Auffassung.

Momentan gehen viele Vereine dazu über, bessere Videotechnik einzusetzen.
Spahn: Es wurden bereits viele Dinge ausprobiert. Mehr Ordnungsdienst, bessere Kameras, vor manchen Auswärtsblocks wurden Zelte aufgebaut, in denen sich Fans ausziehen mussten. Doch wir müssen auch mal der Realität ins Auge blicken: Wir haben die modernsten Stadien der Welt, das modernste Stadionmanagement – und trotzdem immer wieder Pyrotechnik im Stadion. Das haben wir in den unterschiedlichsten Arbeitsgruppen thematisiert und in der Analyse gemerkt, dass wir nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten müssen. Just zu diesem Zeitpunkt kamen Vertreter der Initiative auf uns zu und haben uns ein Konzept übergeben. Darin gab es erstmals eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema Pyrotechnik.

Sie wurden dafür kritisiert, dass Sie die folgenden Gespräche als »ergebnisoffen« bezeichnet haben.
Spahn: Dazu stehe ich. Ich kann doch keine Gespräche führen, aber vorher sagen, dass schon klar ist, wie es ausgeht. Man muss auch zwei Dinge beachten: Am Ende unserer Gespräche hätte genau das gleiche Ergebnis stehen können, wie es jetzt der Fall ist: Eine klare Absage an jegliche Form von Pyrotechnik. Zweitens war allen Beteiligten klar, dass unsere Ergebnisse von den Gremien genehmigt werden müssen. Das DFB-Präsidium hätte so oder so unabhängig von unserer Empfehlung entscheiden können.

Es gab ein Treffen im Mai, eins im Juli. Dann wurde der Dialog abgebrochen. Warum?
Spahn: Ich war zu dieser Zeit nicht mehr beim DFB tätig und habe die Entscheidung, dass die Gespräche abgebrochen werden, nur aus der Ferne mitbekommen. Der Verband hat sich so entschieden, das ist sein gutes Recht. Allerdings wurden die Gespräche abgebrochen, ohne dass man sich mit den Fangruppierungen noch einmal zusammengesetzt und die Entscheidung erklärt hat. Das führte natürlich zu Irritationen und Enttäuschungen.

Für Außenstehende wirkt es so, als hätten Ihre Gespräche mit den Fans nach Ihrem Weggang ihre Gültigkeit verloren. Waren die Gespräche ein Alleingang von Ihnen?
Spahn: Klares Nein. Schon die erste Übergabe des Konzeptes geschah auf der öffentlichen Veranstaltung »Feindbilder im Abseits« in Frankfurt. Dort waren sämtliche Verbandsvertreter anwesend. Auch bei den Gesprächen saßen weitere Vertreter von DFB und DFL mit am Tisch. Zudem gibt es von jeder Sitzung Protokolle, die in die Gremien gereicht wurden. Wenn sich heute ein Verbandsvertreter hinstellt und sagt, dass er davon nichts gewusst hat, dann ist das eher ein Kommunikationsproblem innerhalb der eigenen Organisation.

Sie haben die Gespräche vor Ihrem Weggang nach Katar begonnen. Hätten Sie das auch getan, wenn Sie beim DFB geblieben wären?
Spahn: Natürlich. Wir haben uns mit dem Konzept der Initiative beschäftigt, als noch gar nicht klar war, dass ich nach Katar gehe.

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