24.11.2011

Eurosport-Legende Wolfgang Ley beim 11FREUNDE-Jahresrückblick

»Wir haben geackert wie die Verrückten«

Wolfgang Ley kommentierte auf Eurosport einst siebzehn Sportarten gleichzeitig – und ließ sich nicht aus der Fassung bringen. Nun ist er zurück: Am 4. Dezember wird er beim 11FREUNDE-Jahresrückblick in Berlin auftreten. Lest hier das große Interview mit ihm.

Interview: Andreas Bock Bild: imago

Adventszeit, das riecht nach Lebkuchen, dem ersten Schnee und Rotkohl. Und nach unseren stets wohlduftenden Rampensäuen Philipp Köster und Jens Kirschneck! Zum großen Jahresrückblick hat unser Duo am 4. Dezember 2011 im Berliner Club »Lido« zwei absolute Legenden als Gäste eingeladen: Die Reporter-Ikonen Manni Breuckmann und Wolfgang Ley! Bestellt Tickets über Eventim. Informiert euch über die Veranstaltung hier. Lest die besten Sprüche von Wolfgang Ley dort.

Außerdem findet ihr hier drunter ein Karriere-Interview mit Wolfgang Ley, das wir im Mai 2011
geführt haben. Viel Spaß beim Lesen!

Wolfgang Ley, die Frauen-WM und die Copa America stehen vor der Tür. Früher hätten Sie vermutlich beide Turniere parallel kommentiert. Wieso werden wir Sie jetzt nicht mehr hören?


Wolfgang Ley: Es gab einen führenden Kopf in der Kirch-Gruppe, der meine Karriere Mitte der neunziger Jahre abrupt beendete. Ich war damals Fußballchef des DSF und hielt mit meiner Meinung über ihn nicht zurück. Der Mann hatte einfach keine Ahnung vom Geschäft – und er konnte nicht mit Kritik umgehen. Er kegelte mich also aus dem Unternehmen.



Warum haben Sie nicht bei einem anderen Sender angeheuert?

Wolfgang Ley: Ich ging zu Eurosport, doch auch dort musste ich die Segel streichen, denn es stellte sich heraus, dass jener Herr sehr lange Arme hat. Ich merkte zudem, dass es in dem Geschäft sehr schwierig ist, irgendwo unterzukommen, wenn man mal draußen war. Meine letzte große Reportage war das EM-Finale 1996. Eigentlich ein wunderschöner Abgang. Dennoch: Gerade vor großen Turnieren wie einer WM oder der Copa America kribbelt es natürlich.

Wie viele Spiele haben Sie eigentlich täglich bei Eurosport kommentiert?

Wolfgang Ley: Es kam vor, dass ich an einem Tag drei Sachen machte, etwa ein Live-Spiel und später noch zwei Zusammenfassungen. Später, beim DSF, schob man irgendwo noch eine Moderation dazwischen. Wir haben geackert wie die Verrückten.

Haben Sie damals vorgegeben live im Stadion zu sein?

Wolfgang Ley: Nein, das wäre ja Selbstmord gewesen. Die Zuschauer hätten sich jedenfalls zurecht gefragt: Der Ley kommentierte doch vorhin noch NHL in den USA, danach Leichtatheltik in Deutschland, wieso sitzt der jetzt schon bei der WM in Italien? Übrigens habe ich vor einigen Tagen erstmals die Planica-Skiflugschanze in natura gesehen. Ich kannte die, obwohl ich häufig Skispringen kommentierte, nur vom Bildschirm aus meiner kleinen Übertragungsbox.

Die besten Sprüche von Wolfgang Ley >>

Sie kommentierten unter vielen anderen Sportarten Boxen, Leichtathletik, Fußball oder Tennis. Waren Sie ein Allround-Experte?

Wolfgang Ley: Am Anfang dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn häufig: Ach, Wolfgang, die Sportart kannst du ja auch noch machen. So ging es allerdings vielen Kollegen im Sender. Ein Eurosport-Reporter kommentierte in der Frühphase zum Beispiel sehr gerne Reiten. Dabei nannte er nur die Namen der Pferde – die der Reiter kannte er scheinbar nicht. Rückblickend kann man natürlich sagen: Die Haltung, auf allen Gebieten Experte sein zu wollen, ist totaler Quatsch – und auch ich fiel mit dieser Einstellung mal auf die Schnauze. Du musst dich einfach spezialisieren. Meine Steckenpferde waren später Fußball und Boxen, im Winter dann Langlauf, Biathlon und Eishockey.

Sie kamen aber zu Eurosport, weil man Sie für einen Bob-Fachmann hielt.

Wolfgang Ley: Es war so, dass ich seit meiner Jugend von einer Reporter-Karriere träumte. Ich volontierte Anfang der siebziger Jahre bei Axel Springer, war lange in den Sport- und Fußballredaktionen der Bild, später beim Express. Das Problem damals: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten vererbten die Jobs mehr oder weniger. Da kamst du nicht rein. Eines Tages rief dann ein Mann vom sehr jungen Sender Eurosport an: »Herr Ley, Sie sind doch Bob-Experte. Können Sie morgen ein Rennen kommentieren?« Da sagt man natürlich nicht nein.

Klingt ein bisschen nach einem städtischen Offenen Kanal.

Wolfgang Ley: So war es auch. Ich hatte zwar ein wenig Ahnung von Bobfahren, doch nicht genug, um ein Rennen über eine Stunde zu kommentieren. Also bereitete ich mich über zehn Stunden vor – und ich schlug mich einigermaßen okay. Die akribische Vorbereitung blieb auch danach stets mein Credo. Für NHL-Spiele sprach ich mit Trainern und Experten, recherchierte oft mehr als acht Stunden jedes Detail aus. Schon aufgrund der Tatsache, dass ich manchmal mehrere tausend Kilometer entfernt vor einem kleinen Fernseher hockte, blieb mir nichts anderes übrig. Ich war einfach zu weit weg, um wirklich dabei zu sein.

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