»Euro Eddy« Schmitt über seinen Freund Thorsten Fink

»Er ist ein Menschenversteher«

Kaum einer kennt Thorsten Fink besser als sein ehemaliger Mitspieler »Euro Eddy« Edgar Schmitt. Zusammen absolvierten beide den Trainerlehrgang. Wir sprachen mit ihm über den Trainer Fink, das Bayern-Gen und die Vorteile des Abstiegskampfes. »Euro Eddy« Schmitt über seinen Freund Thorsten Fink

Edgar Schmitt, wir möchten mit Ihnen über den neuen HSV-Trainer Thorsten Fink sprechen. Sie haben 2005 mit ihm zusammen die Trainerlizenz an der Sporthochschule Köln erworben. Wie eng war der Kontakt zu dieser Zeit?

Edgar Schmitt: Sehr eng. Thorsten und ich waren ein halbes Jahr lag Tag und Nacht zusammen. Wir haben uns das Zimmer geteilt und eigentlich alles zusammen gemacht.

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Ottmar Hitzfeld ist der »General«, Ralf Rangnick der »Professor«. Was würden Sie dem Trainer Thorsten Fink für einen Spitznamen geben?

Edgar Schmitt: Ich würde gar nicht versuchen, ihn zu kategorisieren. Er ist weder »General« noch »Professor«. Er ist ein ganz eigener Typ.

Dann verraten Sie uns, was Fink auszeichnet.

Edgar Schmitt:  Er ist sehr authentisch und hat neben einer fachlichen Kompetenz auch große Stärken im sozialen Bereich. Er ist ein Menschenversteher, der viel Empathie für seine Spieler aufbringen kann, diese aber genau so packt und motiviert. Da kann es dann auch mal knallen. Seine Art der Mannschaftsführung und sein taktischer Aufbau sind überragend.

Was war Fink während der Trainerausbildung für ein Schüler?

Edgar Schmitt: Kein Streber, sondern eher der stille Beobachter. Er hat die Einflüsse von den anderen Trainern aufgesaugt und daraus seine Schlüsse gezogen.

Auch während seiner aktiven Zeit war er nicht gerade als lautstarker, extrovertierter Typ bekannt. Gibt es Parallelen zwischen dem Spieler Fink und dem Trainer Fink?

Edgar Schmitt: Auf jeden Fall! Er war auch damals eher zurückhaltend, was vor allem an seiner Position lag. Als »Sechser« musste er schon immer verantwortungsvoll handeln und strategisch vorausdenken. Diese Besonnenheit kommt ihm heute als Trainer zugute.

Worauf legt er heute am meisten Wert?

Edgar Schmitt: Auf seine taktischen Finessen. Und da ist er auch sehr stolz drauf. (lacht)

Gerade in so einem verunsicherten Verein wie dem HSV fordern jetzt viele eine klare Führung.
Ist Thorsten Fink ein autoritärer Typ?

Edgar Schmitt: Er hat diese Ambivalenz auf der einen Seite gelassen zu sein und auf der anderen Seite autoritär aufzutreten. Er scheut sich nicht, die Sachen klar anzusprechen, die ihn stören. Er ist ganz klar der Chef.

Was unterscheidet ihn sonst von anderen Trainern?

Edgar Schmitt: Uli Hoeness hat ihm damals das Bayern-Gen implantiert, dieser permanente Optimismus und der Glaube an die eigene Stärke. Das kann er gerade für seine Arbeit beim HSV unheimlich gut gebrauchen.

Sie haben drei Jahre lang zusammen mit Fink beim Karlsruher SC gespielt. Ihr damaliger Trainer war Winnie Schäfer, der aus einer ganz anderen Trainergeneration stammt. Konnte man sich da trotzdem etwas abgucken?

Edgar Schmitt: Für mich ist diese Unterscheidung von jungen und alten Trainern dummes Geschwätz. Es gibt nur gute oder schlechte Trainer. Winnie Schäfer war damals jemand, der uns viele Freiheiten gab. Wir mussten selbst denken und handeln wie Trainer und haben während des Spiels den Rhythmus bestimmt. Seine große Kunst war, der Mannschaft, die mit Spielern wie Oliver Kahn oder Slaven Bilic ohnehin schon eine große Eigendynamik hatte, diese Freiräume auch einzugestehen. Und man sieht ja, dass aus dieser Truppe unheimlich viele Trainer hervorgegangen sind. Winnie Schäfer ist der Ursprung.

Vor wenigen Wochen hat Fink mit dem FC Basel fast bei Manchester United in der Champions League gewonnen. Können Sie den Wechsel zum Tabellenletzten der Bundesliga nachvollziehen?

Edgar Schmitt: Die Bundesliga ist doch eine ganz andere Nummer. Ich finde den Schritt, den er gemacht hat, absolut richtig. Sicher ist Basel der FC Bayern der Schweiz, aber es ist eben nur die Schweiz. Außerdem weiß Thorsten, dass er früher oder später wieder einen Verein in der Champions League trainieren wird, vielleicht klappt das sogar irgendwann einmal mit dem HSV.

Daran ist derzeit kaum zu denken. Was kann man vom HSV unter dem Trainer Thorsten Fink in dieser Saison erwarten?

Edgar Schmitt: Sicherlich geht es in erster Linie um den Klassenerhalt, mehr ist nicht drin. Das ist eine ganz schwere und heikle Aufgabe, das ist allen Beteiligten aber auch bewusst. Wenn man das geschafft hat, dann kann man im nächsten Jahr höhere Ziele anvisieren.

Fink ist der 13. HSV-Trainer in elf Jahren. Kann er es schaffen, Ruhe in den Verein zu bringen?

Edgar Schmitt: Die Konstellation ist sehr gut, er übernimmt den Verein in einer optimalen Position.

Optimal? Die Hamburger stehen auf dem letzten Tabellenplatz und laufen Gefahr das erste Mal in der Vereinshistorie abzusteigen.

Edgar Schmitt: Gerade weil sie so weit unten stehen, sind die Ansprüche realistisch. Kein HSV-Trainer, der vor ihm kam, war in einer derart prekären Situation. Da ging es immer um den UEFA-Cup oder sonstige Ziele, obwohl die Mannschaft nicht stark genug war.

Das Scheitern als Chance?

Edgar Schmitt: Ganz genau. Man wird Thorsten dankbar sein, wenn er den Klassenerhalt geschafft hat und darauf kann man dann aufbauen.

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