Eugen Polanski im Interview

»Ich will in die Nationalelf«

Eugen Polanski auf dem Sprung: Der ehemalige Gladbacher spielt eine starke Saison für Getafe. Nun plant er seine Rückkehr in die Bundesliga -– und will sich bald in Löws Notizbuch wiederfinden. Wir sprachen mit ihm. Eugen Polanski im InterviewImago

Herr Polanski, könnten Sie mir jetzt schon ein Interview auf Spanisch geben?

Wir könnten das Interview auf Spanisch führen. Hier gebe ich auch alle Interviews auf Spanisch und hatte damit bis jetzt noch kein Problem.

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Da muss ich leider passen. Wie empfinden Sie die Mentalität der Spanier, genießen Sie die Gelassenheit?

Auf jeden Fall, auch wenn man sich am Anfang erst daran gewöhnen muss und die Umstellung schwierig ist.  Gelassenheit klingt ja gut, aber die haben hier wirklich die Ruhe weg.

Über das Wetter kann man sich auch nicht beschweren, oder?

Das Wetter ist sehr viel besser als in Deutschland, zurzeit scheint bei 28 Grad die Sonne.  Man kann es hier wirklich sehr gut aushalten.

Trotzdem wollen Sie wieder nach Deutschland zurückkehren.

Auf der einen Seite ist hier alles super, und es läuft auch sportlich richtig gut, anderseits möchte ich gerne wieder nach Deutschland. Das hat persönliche Gründe, die ich dem Verein erläutert habe.

Im Interview mit »Spox« schlossen Sie auch eine Rückkehr nach Gladbach nicht aus. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an Ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren?

Darüber kann ich nichts sagen, ich bin nicht derjenige, der das entscheidet. Vorstellen kann ich mir das ganz bestimmt, ich habe 15 Jahre bei der Borussia gespielt und hatte dort eine super Zeit. Ich habe schon nach meinem Wechsel gesagt, dass ich gerne irgendwann zurückkehren möchte. Das es jetzt so schnell gehen könnte, kommt auch für mich überraschend.

Vergangene Woche haben Sie mit Getafe ein sehr dramatisches Spiel mit 2:3 nach zweimaliger Führung bei Real Madrid verloren. Wie groß ist die Enttäuschung?


Wer das Spiel gesehen hat, der weiß, dass wir einen oder sogar drei Punkte verdient hätten. Es ist geil gewesen, in diesem Stadion zu spielen, das Spiel hatte alles, was ein großes Spiel braucht, nur letztlich das falsche Ergebnis. Wir hätten die drei Punkte im Abstiegskampf sehr gut gebrauchen können, aber wir hatten schon ein paar Tage später das nächste Spiel, da gab es gar nicht die Zeit, groß nachzudenken.

Wie haben Sie die Szene erlebt, als Real-Verteidiger Pepe ausrastete?

Casquero läuft im Sechzehner frei auf das Tor zu, bekommt einen Schubser von hinten, ein klarer Elfmeter. Auch wenn es bis dahin noch kein brutales Foul war, es war eins und der Schiedsrichter hat Elfmeter gepfiffen. Was danach passiert ist, habe ich noch nie im Fußball erlebt, wie Pepe getreten, das Schiedsrichtergespann beschimpft (Anm. d. Red,: als »Hurensöhne«) und angefangen hat, wie ein Boxer zu kämpfen. Auch nachdem Spiel wurde noch provoziert, da fehlt völlig der Respekt vor anderen Menschen.

Waren Sie an der Tumultbildung im Anschluss beteiligt?

Ich war natürlich auch mit dabei, weil ich mit meinen Mitspielern Casquero, der noch am Boden lag, schützen und zur Beruhigung beitragen wollte. Und ich habe den Schiri darauf aufmerksam gemacht, dass Pepe an der Seitenlinie noch weiter randaliert. Seine eigenen Mitspieler haben ihn dann zurück gehalten und versucht, noch Schlimmeres zu verhindern. Ich glaube, Pepe weiß bis jetzt noch nicht, was er da gemacht hat.

Wie geht es dem Betroffenen Casquero?

Es ist eigentlich wieder alles in Ordnung. Er hat natürlich Schmerzen am Rücken gehabt, wo er getroffen wurde, aber ernsthaft verletzt hat er sich zum Glück nicht.

Fünf Tore, Pepes Ausraster, der verschossene Elfer: War es die verrückteste Partie ihrer bisherigen Karriere?

Ja, das kann man so sagen. Kurz nach dem Spiel habe ich mich an eine Partie mit Gladbach erinnert, die wir damals mit 4:3 gegen Eintracht Frankfurt gewonnen haben, was schon en verrücktes Spiel war. Aber das, was ich gegen Real Madrid erlebt habe, mit der Kulisse und dem Stadion dazu, war mit Sicherheit das Verrückteste. Zwei Freunde aus Gladbach waren im Stadion, die haben mir danach auch gesagt, dass sie so etwas noch nicht erlebt haben.

Bei Getafe haben Sie sich in ersten Elf etabliert. Sind Sie ein wenig stolz darauf, der einzige deutsche Spieler zu sein, der sich seit langer Zeit in der Primiera Division durchgesetzt hat?

Darauf achte ich nicht. Ich konzentriere mich auf meine Leistung, die ich Woche für Woche abrufe, und finde es natürlich super, gegen so starke Mannschaften und Spieler wie in der Primiera Division zu spielen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Nationalspieler Odonkor, Hinkel, Metzelder und Hildebrand solche Schwierigkeiten hatten und haben?

Mit Metzelder habe ich mich am Dienstag kurz unterhalten, der ist in einer ganz anderen Situation als ich. Bei Real Madrid hat er große Konkurrenz, in jeder anderen Mannschaft wäre er wahrscheinlich Stammspieler. Ansonsten möchte ich mir kein Urteil darüber erlauben, warum es bei den anderen nicht geklappt hat. 

Woran lag es bei Ihnen, dass es in Deutschland nicht mehr zu einem Stammplatz gereicht hat?

In der Abstiegssaison habe ich meiner Meinung nach eine sehr schlechte Hinrunde gespielt, in der Rückrunde habe ich mich dann wieder Woche für Woche zur alten Leistung zurückgekämpft. Am Saisonende hatten wir einen Trainerwechsel und anfangs habe ich auch unter dem neuen Trainer (Anm. d. Red.: Jos Luhukay) gespielt. Dann aber bin ich immer weniger zum Einsatz gekommen, und der Trainer hat neue Spieler geholt, die vielleicht besser in sein Konzept passten und zu denen er mehr Vertrauen hatte. Ich habe sicherlich zu wenig Vertrauen vom Trainer gespürt in dieser Situation.

Ein deutscher Spieler wechselt von Mönchengladbach, wo sein Vertrag ausgelaufen ist, zu Getafe nach Spanien, was nicht gerade der gewöhnliche Weg ist. Wie ist der Kontakt nach Spanien entstanden?

So wie es eigentlich immer abläuft. Der Verein hat einen Spielerberater beauftragt, mich zu fragen, ob ich es mir überhaupt vorstellen könnte, nach Spanien zu wechseln, und ich konnte das. Ich habe mir immer vorgenommen, dass ich mal ins Ausland bzw. nach Spanien gehe. Dann hat Getafe mich eingeladen, ich habe mir alles angeschaut, und es hat mir alles super gefallen. Außerdem wollte ich später nicht sagen, dass ich die Chance vergeigt habe, nach Spanien zu gehen.

Im Sommer nimmt die deutsche U-21 Elf an der Europameisterschaft teil und die DFB-Elf geht auf Asienreise. Wo verbringen Sie den Sommer?

Für mich gibt es nur eine Option, und das ist die U-21 EM. Ich hoffe, dass ich dabei bin, wenn nicht, habe ich Ferien.

Wenn Sie nominiert werden, wollen Sie...

...möglichst jedes Spielen gewinnen und somit Europameister werden.

In Deutschland spielen Sie für die U-21, in Ihrem Geburtsland Polen könnten Sie womöglich für die A-Nationalmannschaft auflaufen.

Ich denke nicht, dass man als Fußballer gucken sollte, wo man welche Chancen hat. Ich bin zwar in Polen geboren, lebe aber seit meinem dritten Lebensjahr in Deutschland. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe dort meine Freunde und habe dort das Fußballspielen gelernt. Ich denke, da sollte man dem Land auch dankbar sein und die Ehre haben, ganz klar zu sagen, dass man für Deutschland spielt, egal was man für Chancen hat. Mein Ziel ist ganz klar, dass ich irgendwann für die deutsche Nationalmannschaft spielen möchte.

 

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