Greifen viele Vereine deshalb immer öfter zu internen Lösungen und befördern Jugend- oder Co-Trainer zum Cheftrainer?
Peter Neururer: Durchaus. In Köln beispielsweise brauchte man nach der Entlassung von Zvonimir Soldo einen Trainer, der direkt in die tägliche Arbeit konnte. Und das war Frank Schäfer, weil er den Verein schon so lange kennt. Aber das kann man nicht pauschalisieren. Sehen Sie sich mal die Situation in Stuttgart an. Da hat derselbe Versuch mit Jens Keller nicht geklappt. Im Fußballgeschäft gibt es eben kein Rezeptbuch, wo man bei Bedarf Seite 13 aufschlägt, um nachzulesen, wie die Problemen zu lösen sind.
Früher haben sich die Vereine in der Not mit erfahrenen Rettern aus dem ominösen Trainerkarussell bedient. Ist das mittlerweile stillgelegt?
Peter Neururer: Nein, das dreht sich wie eh und je. So groß ist der Anteil junger unbekannter Trainer nun auch nicht. Der Schritt einen jungen Trainer zu holen, ist auch immer gleichbedeutend damit, dass die Vereine bei Misserfolg am Ende die Möglichkeit haben zu sagen: Wir haben es immerhin versucht. Und teuer ist ein Trainer aus dem eigenen Stall auch nicht. Wenn es eng wird, dann wird jeder Verein auf die Option »erfahrener Trainer« zurückgreifen. Siehe das Beispiel Bayern München und Jupp Heynckes. Dieses ganze Gerede von jung und alt, alt und jung – noch mal: es gibt nur erfolgreiche und weniger erfolgreiche Trainer!
Sie haben mal gesagt: »Ohne Fußball geht es bei mir gar nicht«. Nun sind Sie schon über ein Jahr ohne Trainerjob. Wie geht es Ihnen aktuell?
Peter Neururer: Gesundheitlich hervorragend. Aber ohne Fußball ist das Leben für mich nicht wirklich erfüllend.
Ist Ihre Generation im Moment vielleicht einfach nicht gefragt?
Peter Neururer: Das glaube ich nicht. Louis van Gaal ist ein älterer Trainer, Jupp Heynckes auch. Früher waren Christoph Daum und ich die jungen Wilden, die Trendsetter im Trainergeschäft. Daran hat sich nichts geändert. Der Markt ist nur größer geworden.
Welche Rolle spielt Ihre Erfahrung aus 27 Jahren als Fußball-Trainer?
Peter Neururer: Eine entscheidende. Das sind Schätze, die ich mir im Verlauf meiner Karriere angeeignet habe.
Geschichtsstunde: Als Peter Neururer seine Daten verlor>>Wie kann man nach über einem Jahr ohne Job noch auf dem Laufenden bleiben?
Peter Neururer: Ich schaue mir andauernd Spiele an, bin ständig unterwegs und besuche Kollegen im Ausland. Andere nennen das Fortbildung.
Und wann steigen Sie wieder ins Trainergeschäft ein?
Peter Neururer: So bald wie möglich. Im Moment gibt es aber nur einige Anfragen aus dem Ausland. Die sind für mich allerdings uninteressant.
Sie wollen also nicht Nationaltrainer in einem ehemaligen Sowjetstaat werden?
Peter Neururer: Das hätte ich schon zehn Mal machen können. Dafür bin ich noch viel zu motiviert.