»Erklären Sie mir, was ein Konzepttrainer sein soll!«

Peter Neururer über den Trainermarkt

Der Trainermarkt hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Der moderne Übungsleiter ist kein schindender Schleifer, sondern ein Fußball-Gelehrter. Alles Quatsch, sagt Peter Neururer. Eigentlich bleibt alles beim Alten. »Erklären Sie mir, was ein Konzepttrainer sein soll!«Imago

Peter Neururer, was denken Sie, wenn Sie das Wort »Konzepttrainer« hören?

Peter Neururer: (lacht) Das ist gerade in Mode, aber Konzepte hatten Trainer schon immer, egal in welcher Liga. Und man sollte nicht vergessen: Konzepte gibt immer der Verein vor. Ich kann nicht 4-3-3 spielen, wenn ich gar keine Spieler dafür habe. Das wäre ein schwachsinniges Konzept.

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Ist der Begriff  des »Konzepttrainers« also irreführend?

Peter Neururer: Der ist nicht irreführend, das ist Schwachsinn. Erklären Sie mir doch mal, was ein Konzepttrainer sein soll? Besser noch: Was ist das Gegenteil eines Konzepttrainers?

Ein schlechter Trainer?

Peter Neururer: Schlechte Trainer gibt es nicht. Es gibt nur erfolgreiche und weniger erfolgreiche. Wenn das Training schlecht ist, aber die Mannschaft am Wochenende gewinnt, dann ist man trotzdem erfolgreich. So einfach ist das.

Hatten Trainer früher weniger Konzepte als heute?

Peter Neururer: Das ist doch Quatsch. Es werden heute so viele Sachen als innovativ verkauft, die schon längst im Schrank standen und nun wieder ausgekramt werden. Denken Sie nur an Jürgen Klinsmanns Deuser–Band. Vieles ist einfach Scharlatanerie.

Aber von Matchplänen hatte vor dieser Saison noch niemand etwas gehört. Auch nur eine Modeerscheinung?

Peter Neururer: Das ist an sich in Ordnung. Aber man sollte sich nicht hinstellen und sagen: Ich bin der einzige, der so etwas macht. Die einen nennen es Matchplan, die anderen ganz simpel Vorbereitung.

Trotzdem scheint es so, als ob die aktuelle Trainergeneration große Visionen vom Fußballspiel besitzt. Oder diese zumindest gut verkaufen kann.

Peter Neururer: Sie können jeden Trainer der ersten oder zweiten Bundesliga fragen, wie er spielen will. Und alle werden ihnen sagen: Natürlich Offensivfußball mit jungen deutschen Nachwuchsspielern! Eine gute Idee, wer will das nicht? Nur: Es hat eben kaum einer die Möglichkeiten dazu.

Aber bei einigen Vereinen scheint dieses Konzept zu funktionieren.

Peter Neururer: Sicher. Beim FC St. Pauli etwa, hat man die Philosophie, mit deutschsprachigen Spielern aus der Region zu arbeiten. Da funktioniert es und ich finde das klasse. Und wenn St. Pauli mit dieser Philosophie absteigt, ist das im Umfeld auch ok. Aber versuchen Sie das mal bei Bayern München. Da bleiben Sie keine vier Wochen lang im Amt, wenn der Erfolg ausbleibt. Letztlich gibt der Verein immer Ziele und Philosophien vor.



Greifen viele Vereine deshalb immer öfter zu internen Lösungen und befördern Jugend- oder Co-Trainer zum Cheftrainer?

Peter Neururer: Durchaus. In Köln beispielsweise brauchte man nach der Entlassung von Zvonimir Soldo einen Trainer, der direkt in die tägliche Arbeit konnte. Und das war Frank Schäfer, weil er den Verein schon so lange kennt. Aber das kann man nicht pauschalisieren. Sehen Sie sich mal die Situation in Stuttgart an. Da hat derselbe Versuch mit Jens Keller nicht geklappt. Im Fußballgeschäft gibt es eben kein Rezeptbuch, wo man bei Bedarf Seite 13 aufschlägt, um nachzulesen, wie die Problemen zu lösen sind.

Früher haben sich die Vereine in der Not mit erfahrenen Rettern aus dem ominösen Trainerkarussell bedient. Ist das mittlerweile stillgelegt?

Peter Neururer: Nein, das dreht sich wie eh und je. So groß ist der Anteil junger unbekannter Trainer nun auch nicht. Der Schritt einen jungen Trainer zu holen, ist auch immer gleichbedeutend damit, dass die Vereine bei Misserfolg am Ende die Möglichkeit haben zu sagen: Wir haben es immerhin versucht. Und teuer ist ein Trainer aus dem eigenen Stall auch nicht. Wenn es eng wird, dann wird jeder Verein auf die Option »erfahrener Trainer« zurückgreifen. Siehe das Beispiel Bayern München und Jupp Heynckes. Dieses ganze Gerede von jung und alt, alt und jung – noch mal: es gibt nur erfolgreiche und weniger erfolgreiche Trainer!

Sie haben mal gesagt: »Ohne Fußball geht es bei mir gar nicht«. Nun sind Sie schon über ein Jahr ohne Trainerjob. Wie geht es Ihnen aktuell?

Peter Neururer: Gesundheitlich hervorragend. Aber ohne Fußball ist das Leben für mich nicht wirklich erfüllend.

Ist Ihre Generation im Moment vielleicht einfach nicht gefragt?

Peter Neururer: Das glaube ich nicht. Louis van Gaal ist ein älterer Trainer, Jupp Heynckes auch. Früher waren Christoph Daum und ich die jungen Wilden, die Trendsetter im Trainergeschäft. Daran hat sich nichts geändert. Der Markt ist nur größer geworden.

Welche Rolle spielt Ihre Erfahrung aus 27 Jahren als Fußball-Trainer?

Peter Neururer: Eine entscheidende. Das sind Schätze, die ich mir im Verlauf meiner Karriere angeeignet habe.

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Wie kann man nach über einem Jahr ohne Job noch auf dem Laufenden bleiben?

Peter Neururer: Ich schaue mir andauernd Spiele an, bin ständig unterwegs und besuche Kollegen im Ausland. Andere nennen das Fortbildung.

Und wann steigen Sie wieder ins Trainergeschäft ein?

Peter Neururer: So bald wie möglich. Im Moment gibt es aber nur einige Anfragen aus dem Ausland. Die sind für mich allerdings uninteressant.

Sie wollen also nicht Nationaltrainer in einem ehemaligen Sowjetstaat werden?

Peter Neururer: Das hätte ich schon zehn Mal machen können. Dafür bin ich noch viel zu motiviert.

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