27.01.2011

»Erklären Sie mir, was ein Konzepttrainer sein soll!«

Peter Neururer über den Trainermarkt

Der Trainermarkt hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Der moderne Übungsleiter ist kein schindender Schleifer, sondern ein Fußball-Gelehrter. Alles Quatsch, sagt Peter Neururer. Eigentlich bleibt alles beim Alten.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Peter Neururer, was denken Sie, wenn Sie das Wort »Konzepttrainer« hören?

Peter Neururer: (lacht) Das ist gerade in Mode, aber Konzepte hatten Trainer schon immer, egal in welcher Liga. Und man sollte nicht vergessen: Konzepte gibt immer der Verein vor. Ich kann nicht 4-3-3 spielen, wenn ich gar keine Spieler dafür habe. Das wäre ein schwachsinniges Konzept.



Ist der Begriff  des »Konzepttrainers« also irreführend?

Peter Neururer: Der ist nicht irreführend, das ist Schwachsinn. Erklären Sie mir doch mal, was ein Konzepttrainer sein soll? Besser noch: Was ist das Gegenteil eines Konzepttrainers?

Ein schlechter Trainer?

Peter Neururer: Schlechte Trainer gibt es nicht. Es gibt nur erfolgreiche und weniger erfolgreiche. Wenn das Training schlecht ist, aber die Mannschaft am Wochenende gewinnt, dann ist man trotzdem erfolgreich. So einfach ist das.

Hatten Trainer früher weniger Konzepte als heute?

Peter Neururer: Das ist doch Quatsch. Es werden heute so viele Sachen als innovativ verkauft, die schon längst im Schrank standen und nun wieder ausgekramt werden. Denken Sie nur an Jürgen Klinsmanns Deuser–Band. Vieles ist einfach Scharlatanerie.

Aber von Matchplänen hatte vor dieser Saison noch niemand etwas gehört. Auch nur eine Modeerscheinung?

Peter Neururer: Das ist an sich in Ordnung. Aber man sollte sich nicht hinstellen und sagen: Ich bin der einzige, der so etwas macht. Die einen nennen es Matchplan, die anderen ganz simpel Vorbereitung.

Trotzdem scheint es so, als ob die aktuelle Trainergeneration große Visionen vom Fußballspiel besitzt. Oder diese zumindest gut verkaufen kann.

Peter Neururer: Sie können jeden Trainer der ersten oder zweiten Bundesliga fragen, wie er spielen will. Und alle werden ihnen sagen: Natürlich Offensivfußball mit jungen deutschen Nachwuchsspielern! Eine gute Idee, wer will das nicht? Nur: Es hat eben kaum einer die Möglichkeiten dazu.

Aber bei einigen Vereinen scheint dieses Konzept zu funktionieren.

Peter Neururer: Sicher. Beim FC St. Pauli etwa, hat man die Philosophie, mit deutschsprachigen Spielern aus der Region zu arbeiten. Da funktioniert es und ich finde das klasse. Und wenn St. Pauli mit dieser Philosophie absteigt, ist das im Umfeld auch ok. Aber versuchen Sie das mal bei Bayern München. Da bleiben Sie keine vier Wochen lang im Amt, wenn der Erfolg ausbleibt. Letztlich gibt der Verein immer Ziele und Philosophien vor.

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