17.05.2013

Erkennen Sie Jupp Heynckes wieder, Herbert Laumen?

»Als junger Trainer war er schwierig«

Hals- und Pfostenbruch: Zum Bundesliga-Abschied von Jupp Heynckes spricht Gladbach-Legende Herbert Laumen über den Noch-Bayern-Trainer als Gegenspieler bei dessen Heimatverein Grün-Weiß Holt, als Mitspieler in der Fohlen-Elf und als Erfolgscoach.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago

Herbert Laumen, Sie sind bei Borussia Mönchengladbach für die Traditionspflege zuständig. Wer hat sich denn von den früheren Spielern zum letzten Saisonspiel gegen die Bayern angesagt?

Da kommen einige. Der Verein hat die Pokalsieger von 1973 eingeladen. Wir treffen uns am Freitag zum Grillen im Stadion und schauen uns am Samstag gemeinsam das Spiel an. Bis auf Allan Simonsen, der gerade in Dänemark einen neuen Trainerjob übernommen hat, haben alle zugesagt.

Jupp Heynckes auch?
Der hat sich bereit erklärt, am Freitag für zwei Stunden vorbeizukommen.

Für Samstag müssen Sie ihm aber keinen Platz am Tisch der Ehemaligen frei halten?
Da sitzt er ja unten auf der Bank. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er nach dem Spiel noch bei uns vorbeischaut. Für die Bayern beginnt ja im Grunde mit dem Schlusspfiff die Vorbereitung auf das Champions-League-Finale.

Wenn es perfekt läuft, kann Heynckes in dieser Saison drei Titel mit den Bayern holen.
Das ist schon grandios, was er in diesem Jahr mit der Mannschaft geleistet hat. Die brechen ja alle Rekorde. Nur ein Spiel verloren, auswärts noch gar nicht. Das ist schon Wahnsinn. Ich weiß nicht, ob das überhaupt noch mal übertroffen werden kann. Es sei denn von den Bayern selbst.

Aus der Ferne betrachtet: Was hat Heynckes richtig gemacht?
Es gibt Leute, die sagen: Bei den Bayern mit diesen Spielern erfolgreich zu sein – das kann doch jeder. Das sehe ich ganz anders. So viele Weltstars bei Laune zu halten ist sicher nicht einfach. Ich glaube, da hat Jupp genau den richtigen Ton getroffen. Er hat den Spielern das Gefühl vermittelt, dass jeder gebraucht wird. Das hat er grandios hinbekommen.

Mit seinem 1011. Spiel als Spieler und Trainer endet Heynckes’ Karriere in der Bundesliga am Samstag genau da, wo alles begonnen hat: in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach, bei seinem Klub Borussia.
Ja, da schließt sich der Kreis. Das ist doch schön. Man wird ihn wahrscheinlich auch gebührend verabschieden. Jupp hat sich bei Borussia nichts zuschulden kommen lassen. Er ist hier immer gut angesehen gewesen. Und er hat ja auch ganz klar gesagt, dass sein Verein nach wie vor Gladbach ist.

Haben Sie noch regelmäßig Kontakt?
Eigentlich nicht. Jupp hat zwar ein Haus in der Nähe von Mönchengladbach, und wir wohnen auch nur drei oder vier Kilometer Luftlinie auseinander, aber über den Weg gelaufen sind wir uns noch nie.

1965 sind Sie gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen. Sie kennen sich also seit fast 50 Jahren …
… sogar noch länger. Wir haben schon in der Jugend gegeneinander gespielt. Wenn wir mit Borussia gegen die Klubs aus den Gladbacher Stadtteilen angetreten sind, kriegten die von uns immer die Hucke voll. Jupp Heynckes spielte damals nebenan bei Grün-Weiß Holt. Der arme Kerl! Der war der Einzige, der in dieser Mannschaft überhaupt auffiel. Aber das nutzte ihm auch nichts. Die Ergebnisse waren fast immer zweistellig.

Was hat Heynckes damals ausgezeichnet?
Er hat nie aufgegeben, bis zur letzten Minute gekämpft, weil er unbedingt Tore schießen wollte. Man konnte sofort sehen, dass Jupp in eine bessere Mannschaft gehörte. Zum Glück ist er dann zu uns gekommen.

Trainer Hennes Weisweiler soll nach seinem Amtsantritt ziemlich erbost gewesen sein, dass Heynckes noch keinen Lizenzspielervertrag besaß. Ist Weisweiler sein Entdecker?
Ach was, Jupps Talent konnte man gar nicht übersehen. Schon Weisweilers Vorgänger Fritz Langner hat ihn bei der ersten Mannschaft trainieren lassen. Jupp wusste, was er konnte und was er wollte. Dementsprechend ist er aufgetreten. Für seine 18, 19 Jahre war er rotzfrech.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden