05.06.2009

Erik Wegener über Manuel Neuer

»Er ist jung und verwirrt«

Das Bayern-Interesse stürzt Manuel Neuer und ganz Schalke in die Sinnkrise. Wir sprachen mit Erik Wegener, Autor des S04-Romans »11 Feinde«, über Neuer in Lederhosen und seine Liebe zu den Königsblauen.

Interview: René Scheufen Bild: Imago
Erik Wegener, die Wechselposse um Manuel Neuer dauert weiter an.

Beim Interview nach dem Länderspiel musste ich als Schalke-Fan erst mal schlucken. Er sagte irgend etwas von: »Gott sei Dank bin ich so weit weg hier in Dubai und bekomme hier nichts mit von dem ganzen Gerede.« Das war schon eine komische Aussage.



Sogar sein Berater hat ein etwaiges Interesse signalisiert.


Thomas Kroth hat gesagt, dass wenn ein Angebot vom FC Bayern kommt, sich ein Spieler auch entsprechend Gedanken macht. Die neueste Entwicklung geht jetzt dahin, dass Neuer mit den Worten zitiert wird, dass sich das ganze ja längst erledigt hat und er bei Schalke bleibt.

Wenn Neuer gar kein Interesse an einem Wechsel hat, hätte er es doch an dieser Stelle sagen können.

Das stimmt. Ich fand es unglücklich, wie er da aufgetreten ist. Gerade für die Fans des S04 bleibt ein übler Nachgeschmack. Denn gerade von ihm, dem »Schalker Jung«, erwartet man sofort ein klares Bekenntnis. Und das kam nicht.

Haben Sie eine Erklärung für sein Auftreten?

Manuel ist ein blutjunger Spund, er ist erst 23 und erlebt so ein Wirrwarr um seine Person zum allerersten Mal. Es war eine schwierige Situation für ihn, zumal er auch gerade erst sein erstes Länderspiel bestritten hat. Ich kann schon verstehen, wenn Manuel in dieser Situation verwirrt war.

Beim Sieg gegen den FC Bayern ist er zur Eckfahne gelaufen, hat sie sich geschnappt und auf Kahn’sche Art gejubelt, um sich für die verpasste Meisterschaft beim FC Bayern zu rächen. Können Sie nachvollziehen, wie sich Neuer jetzt fühlt? Was geht in dem Jungen vor, da er ein Angebot vom großen FC Bayern hat?

Manuel IST Schalke! Obwohl er noch sehr jung ist, ist er eine Ikone für viele Schalker. Er ist eine Identifikationsfigur, weil er aus der Schalke-Kurve kommt. Er hat den 19. Mai 2001 live miterlebt im Parkstadion, hat gelitten, geweint.  Er stellt in gewisser Weise die ehrlichste und authentischste Verbindung zwischen der Mannschaft und den Fans, zwischen dem Ruhrgebiet und den restlichen Anhängern da draußen im Orbit dar. Andererseits kann ich verstehen, dass ihn das  Angebot lockt. Es ist seine erste große Offerte und dann auch noch der FC Bayern.

Der große Konkurrent.

Ja, aber bei den Bayern spielt er in der Champions League, steht international im Fokus, und letzten Endes geht es auch um die Nummer eins in der Nationalmannschaft. Das ist für ihn ein Riesending. Er hat zurzeit im Vierkampf um das deutsche Tor eine gute Position und sollte er zu den Bayern gehen, stehen die Chancen für so einen jungen Spieler gut, als Nummer eins nach Südafrika zu fahren. So eine Chance gab es für derart junge Torhüter in der jüngeren Vergangenheit nicht.

Höre ich da Verständnis heraus?

Ja, denn ich denke, dass es sein Ziel sein muss, als Nummer eins zur WM zu fahren – und das wird ihm sicherlich im Kopf herumgeistern.

Und was sagen Sie als Schalke-Mitglied?

Die andere Seite der Medaille gibt es auch. Manuel würde den Lebenstraum, mit dem FC Schalke 04 Meister zu werden, damit aufgeben. Den Traum, den alle Schalker noch im Hinterkopf haben. Das ist dann eine Art Verrat, zumindest in den Augen vieler Fans.

Das Fanlager ist also gespalten?

Viele schieben dem FC Bayern den Schwarzen Peter zu. Die Bayern werden ja auch gerne als »Bauern« bezeichnet, und dann wird gesagt: »Den Bauern geben wir unseren Manuel Neuer nicht.«

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