24.03.2010

Erik Wegener über den DFB-Pokal

»Bayern-Fans sind peinlich«

Erik Wegener lebt in München und ist Schalke-Fan. Wie er das aushält und warum S04 heute Abend das Endspiel erreichen wird, erklärt der Autor des Schalke-Romans »11 Feinde« im Interview mit Roland Wiedemann.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Obwohl sie nicht gerade den attraktivsten Fußball spielt…

Die Defensive ist derzeit sicher die große Stärke, na und? Das ist keine Schande. Im Schalker Spiel ist endlich mal eine klare Linie zu erkennen. Auf Kuranyi ist Verlass, Matip ist ein Goldjunge und Rakitic ist um 200 Prozent besser geworden.

Die Schalke-Fans warten seit fast 52 Jahren auf den nächsten Meistertitel. Wann erlöst Felix Magath den treuen Anhang?

Vielleicht klappt es 2011. Die Erwartungen sind zwar jetzt schon wieder enorm gestiegen. Aber man muss auch berücksichtigen, woher man kommt. Noch vor wenigen Monaten steckte der Verein in großen finanziellen Schwierigkeiten. Felix Magath braucht auf jeden Fall noch, um seine Vorstellungen von einer Spitzenmannschaft durchzusetzen. Aber ich denke komischerweise gar nicht mehr so oft an die Schale. Momentan ist das »Gefühl Schalke« wieder ein richtig stimmiges. Das zählt. Weil der Kampf und die Leidenschaft zurück sind.

Niko Malente, dem Romanhelden, dauert das alles zu lange. Er setzt eine Freundin auf den Bayern-Stürmerstar an, er sorgt für einen Stromausfall mit anschließendem Spielabbruch in der Allianz Arena. Als das alles nichts nützt und die Bayern immer noch die Tabelle anführen, entführt Niko den Mannschaftsbus samt der Millionärstruppe.

Niko ist von den Ereignissen vom 19. Mai 2001 traumatisiert und er wohnt als Schalke-Fan in München, dieser oft kühlen Poser-Metropole. Da kommt viel zusammen. Ich habe wie Niko den 19. Mai im Stadion erlebt. »11 Feinde« ist für mich eine Art Verarbeitung der Ereignisse von damals, als die Bayern den Königsblauen den Titel weggenommen haben. 

Sie gehörten wie Niko Malente also zu den wenigen Zweiflern im Parkstadion, als nach dem 5:3-Sieg gegen Unterhaching die Meisterschaft bereits überschwänglich gefeiert wurde, obwohl das Bayern-Spiel in Hamburg noch lief?  

Damals kam der knallharte Realist in mir durch. Ebbe Sand hat einmal gesagt: »Wir waren für vier Minuten deutscher Meister. Es war ein so schönes Gefühl.« Da werde ich ein bisschen neidisch, bei mir währte dieses Gefühl nur für ein paar Sekunden. Aber es war wirklich phantastisch. In diesen zwei, drei Sekunden zog alles vor dem geistigen Auge vorüber, was ich in den vergangenen 24 Jahren als Schalke-Fan erlebt hatte und was meine Liebe zu diesem Verein ausmachte.

Was riss Sie aus allen Träumen?

Ich bin das schon so oft gefragt worden und immer wieder scheitere ich fast daran, diese surreal anmutende Szene zu beschreiben. Es war so absurd. Ich sah Oliver Kahn auf der Videoleinwand im Parkstadion und dachte mir zuerst, das ist ein gutes Zeichen. Der Geschehen muss sich vor dem Münchner Tor abspielen. Aber dann sah ich, dass Kahn in den gegnerischen Strafraum gelaufen war...

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