24.03.2010

Erik Wegener über den DFB-Pokal

»Bayern-Fans sind peinlich«

Erik Wegener lebt in München und ist Schalke-Fan. Wie er das aushält und warum S04 heute Abend das Endspiel erreichen wird, erklärt der Autor des Schalke-Romans »11 Feinde« im Interview mit Roland Wiedemann.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Schalke gegen Bayern – zwei Fußball-Welten Welten prallen im Pokal-Halbfinale aufeinander. Wir haben mit Erik Wegener gesprochen. Er ist Autor, Schalke-Fan, lebt in München – und hat einen Schalke-Roman geschrieben. Darin rächt sich ein Schalke-Fan für den 19. Mai 2001, den Tag, an dem sich Schalke für viereinhalb Minuten als Meister fühlte, bevor Bayern München auf wundersame Weise durch ein Tor vorbeizog.  



Der FC Schalke 04 steht im Pokal-Halbfinale und liegt in der Liga auf Platz zwei. Aber Herr Magath tritt ganz ordentlich auf die Euphoriebremse. Verstehen Sie das?

Na klar, Magath ist ja kein Träumer. Ich bin da voll auf seiner Linie. Woche für Woche warte ich fast darauf, dass der Einbruch kommt und die Mannschaft mal verliert. Aber sie tut es nicht. Das ist umso erstaunlicher, als da teilweise 18-Jährige auf dem Platz stehen.

Und jetzt kommen die FC Bayern-Wochen…

Diese Spiele gegen den FC Dusel, die haben was Geiles, Überragendes, sehr Intensives. Für mich sind die noch viel emotionsgeladener als die Derbys mit dem BVB. Denn die Lüdenscheider verlieren ja meistens sowieso gegen S04, aber Bayern ist immer eine superharte Nuss. Bayern zu schlagen, ist wie eine kleine Meisterschaft! Ich bin ziemlich sicher, dass Schalke sie im Pokal raushaut. 

Niko Malente, der Protagonist Ihres provokanten Schalke-Romans »11 Feinde«, lässt an den Bayern-Fans kein gutes Haar. Sind die Roten wirklich so schlimm?

Ich habe schon viele getroffen, die sich sofort dafür entschuldigt haben, dass sie zum FCB halten. Das ist bezeichnend! Die Bayern-Fans sind tatsächlich ein bisschen uninspiriert, unoriginell und oft auch peinlich. Die haben offenbar keine Fan-Rituale, wie beispielsweise die Sechziger. Da wackelt auf der Fahrt in die Allianz Arena der ganze U-Bahnwaggon und alle singen „Wer nicht hüpft, der ist ein Roter“. So etwas habe ich von Bayern-Fans in zehn Jahren noch nicht erlebt.

Schalke-Fans dagegen sind über die Maßen leidgeprüft. Skandale, selbstherrliche Präsidenten und Finanzchaos – sehnt man sich da nicht manchmal nach ein bisschen Normalität oder ist dieses Wort auf Schalke schlichtweg verpönt?

Man wünscht sich schon eine produktive Ruhe im Verein und die ist mit Magath ja eingekehrt. Schalke ist auch dann noch spannend genug. Ich gebe ja gerne zu, dass der FC Bayern ein vorbildlich geführter Klub ist, ein Finanzstreber. Da haben Leute das Sagen, die vernünftige Entscheidungen treffen und kompetent sind. Bei Schalke war das in der Vergangenheit leider nicht immer so.

Schafft es Felix Magath, aus dem FC Schalke 04 tatsächlich einen halbwegs normalen Bundesliga-Verein zu machen?

Schalke wird nie ein normaler Verein werden. Der Schalker Kreisel, Szepan und Kuzorra, Libuda, Abi und Fischer, der uralte Knappen-Mythos, die Vereinshymne, das Königsblau – all' das ist einmalig. Der Stolz der Schalker, diese Inbrunst, diese uneingeschränkte Liebe der Fans, ist nicht zu toppen. Der Klub polarisiert, weil er neidisch macht. Daran soll sich nichts ändern. Aber in der Führung muss S04 deutlich professioneller  und cleverer werden. Felix Magath ist der ideale Mann dafür.

Inwiefern?

Wie kaum ein anderer Trainer besitzt er das richtige Format für S04. Gefühlt ist Schalke ja noch mal viel größer als im Realen, gefühlt gehört Schalke in eine Liga mit Liverpool und Inter. Wer auf Schalke Erfolg haben will, muss erstens ein Kind der Bundesliga sein, er muss woanders was Großes geleistet haben, und zwar als Spieler und Trainer, und er muss ein Dickkopf sein. Deswegen konnte es mit Leuten wie Neubarth, Slomka und Rutten niemals klappen. Magath ist ein Fuchs, er hat geniale Ideen, er trifft haufenweise unpopuläre Entscheidungen, führt gnadenlos neue Strukturen ein und er macht die Spieler besser. Es ist auch sein Verdienst, dass die Fans wieder voll hinter dem Team stehen und auch mal Fehler verzeihen. Magath hat es geschafft, dass die Fans wieder stolz auf ihre Mannschaft sind.

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