Erik Meijer über seine Ziele mit Alemannia

»Motto: Gas geben!«

Erik Meijer ist in Aachen ein Held. Ab 1.1. ist er Sportlicher Leiter bei der Alemannia. Wir sprachen mit dem 40-Jährigen über seine Ziele mit dem Verein, Segeltörns in Thailand und die »Erik-Meijer-Tugenden«. Erik Meijer über seine Ziele mit Alemannia

Erik Meijer, ab dem 1. Januar werden Sie neuer Sportdirektor bei Alemannia Aachen. Eine Herzensentscheidung?

Eine Kombination zwischen Herz und Kopf. Alemannia ist mein Klub geworden, ich bin hier seit 2003 in verschiedenen Funktionen tätig, aktuell im Marketing. Ich musste aber auch meinen Kopf benutzen, um zu entscheiden, ob ich mich im sportlichen Bereich wieder einbringen will, von dem ich ein paar Jahre bewusst Distanz gehalten habe.

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Was bewog Sie dazu, das Angebot der Alemannia anzunehmen?

Ein solches Angebot bekommt man nicht alle 14 Tage, schon gar nicht bei der Alemannia. Dazu kommt die Tatsache, dass im Sommer 16 Spielerverträge auslaufen, was bedeutet, dass vieles in meiner Hand liegt. Es wird keine leichte Aufgabe sein, aber die gab es in Aachen sowieso noch nicht so oft (lacht).

Bei jedem x-beliebigen Zweitligisten hätten Sie wohl nicht angeheuert.


Hier in Aachen habe ich die letzten Jahre meiner Karriere verbracht und sehr viel Erfolg gehabt. Dass der Verein mir das Vertrauen gibt, ist ein herrliches Gefühl. Ich werde Vollgas geben, wie man das von mir kennt.

Welche Aufgaben hatten Sie bislang bei Alemannia?

Ich habe dafür gesorgt, dass wir so viel wie möglich Business-Seats verkauft haben, auch um die Werbung im Stadion und Videoanzeigen habe ich mich gekümmert. Wir haben in diesem Bereich einen überragenden Umsatz von fast 9 Millionen Euro geschaffen. Das ist Champions League in der Zweiten Liga!

Bei Ihrem Rücktritt als Profi im Sommer 2006 sagten Sie, Sie wollten sich auch Zeit nehmen, um längere Reisen zu machen. Wo ging’s denn hin?

Ganz oben auf der Liste stand Australien, wo ich mit meiner Frau dann auch mehrere Monate war. Wir haben in den letzten Jahren viele Seiten der Welt gesehen. Reisen macht mir Riesenspaß und ist mein größtes Hobby.

Ein Hobby, das künftig wohl zu kurz kommen dürfte.

Das ist richtig, es wird sich auf einen Zeitraum pro Jahr zuspitzen, wenn ich als Sportlicher Leiter etwas weniger zu tun habe, also wohl irgendwann nach dem Saisonstart.

Für die Öffentlichkeit kam Ihre Verpflichtung überraschend. Wann trat der Klub an Sie heran?

Im November. Ich war gerade auf einem Segelurlaub in Thailand. Das Telefon klingelte nachts um eins. Ich habe erst einmal geantwortet, dass ich so etwas nicht auf einem Segelschiff mitten in der Nacht entscheiden könnte. Nach meiner Rückkehr haben wir uns dann zusammengesetzt.

Ihr Vorgänger Andreas Bornemann konnte sich nicht einmal ein Jahr im Sattel halten. Warum wird das bei Sportdirektor Erik Meijer anders sein?

Ich werde das Rad nicht neu erfinden, aber die Sache natürlich auf meine Weise angehen. Ich bin ein Teamplayer und will deshalb rings um mich auch ein Team formen mit Leuten, die ich fragen kann, wenn ich etwas nicht weiß.

Wie kann man sich Ihre Herangehensweise vorstellen. Als Spieler waren Sie immer der Kämpfer, der mit hundert Prozent Einsatz zur Sache geht...

... aber auch den Spaß nicht vergisst. Ich weiß, wann es ernst zur Sache geht und man hart arbeiten muss, aber auch, wann man feiern kann.

Wollen Sie Ihren Spielern diese Balance zwischen harter Arbeit und Spaß vermitteln?

Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil. Wenn man die ganze Woche hart arbeitet, kann man es auch besser verkraften, wenn man verliert.

Stehen Sie schon in Kontakt mit den Spielern?

Ich bin gerade auf dem Weg zum Training...

Wie sieht Ihre Philosophie als Sportchef aus?

Ich muss mir zunächst einen Überblick verschaffen, welche Leute wir an Bord haben. Gerne sehe ich junge deutsche Spieler sowie Jungs aus der Region, also auch aus dem Grenzbereich zu Belgien und den Niederlanden. Vor allem aber will ich Jungs sehen, die ihre Ärmel hochkrempeln und erstens stolz sind, dass sie Profifußballer sind und zweitens superstolz, das Wappen von Alemannia Aachen auf der Brust tragen.

Fehlt diese Leidenschaft den Aachener Spielern momentan?

Wir haben einen guten Kader, die Jungs haben alle reichlich Talent. Es sind nur Kleinigkeiten, die zu korrigieren sind. Alemannia und der Tivoli sind fürs Kämpfen bekannt, und das soll auch wieder gezeigt werden.

Wollen Sie den Spielern die »Erik-Meijer-Tugenden« in Einzelgesprächen näherbringen?

Ich werde versuchen, in den nächsten Wochen und in der Wintervorbereitung mit allen Spielern zu sprechen. Ich werde auch viele Tage auf dem Trainingsplatz verbringen, damit ich einschätzen kann, wie sehr sich jeder einbringt. Ich will den Jungs auch zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Wird es schon in der Winterpause Verstärkungen geben?

Wenn Sie einen reichen Onkel haben, der uns helfen kann (lacht)... Wir werden sehen, was sich machen lässt.

Zahlreiche Verträge laufen im Sommer aus – die Spieler können sich also ein halbes Jahr bewähren.

So könnte man sagen. Es ist ja so, dass im Sommer wieder ein paar hundert Profis einen Klub suchen werden. Das einzige Motto lautet deshalb: Gas geben!

Trainer Michael Krüger ist für die Umsetzung Ihres Konzepts auf dem Platz verantwortlich. Denken Sie, dass sich Ihre Pläne gleichen oder befürchten Sie Meinungsverschiedenheiten?

Ich kenne den Trainer noch nicht so gut, aber wir werden uns da schon finden. Erst einmal müssen wir uns kennenlernen. Ich will wissen, wie er über die Mannschaft und die Taktik denkt. Ich kann ja nicht sagen, dass wir offensiv spielen, bevor ich weiß, ob wir genügend Stürmer haben.

Die Alemannia ist derzeit Zwölfter der 2. Bundesliga. Was ist in dieser Saison noch drin?

Prognosen gebe ich keine ab. Ich will nur, dass wir wieder das abliefern, wofür wir stehen. Die Leute müssen ins Stadion gehen und sich denken: »Wow! Hier geht’s ab. Gut, dass ich gekommen bin.«

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