23.12.2010

Erik Meijer über Aachen-Bayern

»Erik, Schluss mit Fußball!«

Erik Meijer spielte für Leverkusen, Liverpool und den HSV, doch seine schönste Zeit hatte er als Aachener Volksheld. Hier erzählt er von seinem Tor gegen die Bayern, den Duschen am Tivoli – und wie sein Vater ihn für immer auswechselte.

Interview: Christoph Neethen Bild: imago

Erik Meijer, wann wurden die Gästekabinen am Aachener Tivoli zum letzten Mal renoviert?

Noch nie, glaube ich. (lacht) Die Ausstattung ist nach wie vor absolut »basic«: Geflieste Wände, Holzbänke und eine kleine Dusche. Na ja, das Wort »modern« trifft den Zustand nicht wirklich.



Die Bayern verließen das Stadion nach dem Pokal-Aus fluchtartig – und duschten angeblich erst im Hotel.

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so war. Das ist ein Mythos, der um dieses Spiel gemacht wurde. Als ehemaliger Spieler von Alemannia Aachen garantiere ich Ihnen: Unsere Duschen sind sauber und funktionieren.

In der 81. Minute trafen Sie zum entscheidenden 2:1. Woher nahm der Zweitligist das Selbstvertrauen, den großen Bayern ein Bein zu stellen?


An diesem Abend hat alles gepasst: Wir sind über uns hinausgewachsen – und die Bayern haben uns klar unterschätzt. So einfach ist das. Ich hatte die gesamte Zeit das Gefühl, die Münchner wollten das Spiel schnell mal eben im Vorbeigehen gewinnen, um sich danach wieder auf die Bundesliga und die Champions League konzentrieren zu können. Doch wir drängten mit aller Macht auf den Sieg – bei meinem Kopfballaufsetzer war Oliver Kahn völlig chancenlos.

Wie war die Stimmung vor dem Spiel in der Kabine?

Es war sehr ruhig. Jörg Berger spürte ja, dass wir förmlich brannten. Seit Wochen gab es in der Region um Aachen kein anderes Thema mehr, die Hütte war natürlich lange ausverkauft. Manche Fans haben vor dem Ticketshop geschlafen, um die letzten Karten zu bekommen. Da haben sich sogar einige Studenten etwas dazu verdient: Die haben vor der Kasse campiert und die Tickets dann zum vierfachen Preis verkauft. (lacht)

Waren die Bayern-Spieler vielleicht gedanklich schon beim anstehenden Champions League-Spiel gegen Real Madrid?

Auch für einen Spieler kommt es immer darauf an, wie die Medien mit der Situation im Verein umgehen. Das Spiel gegen Madrid war ja immerhin schon das Achtelfinale, also die K.o.-Runde. Und die Münchner wurden ständig dazu befragt. Wenn man dann in Gedanken den zweiten Schritt vor dem ersten macht, fällt man eben auf die Fresse.

Kennen Sie dieses Gefühl?

Klar, das ist mir auch schon passiert, als ich noch mit Leverkusen in der Champions League spielte. Da mussten wir auch gegen Real oder die Glasgow Rangers ran – und haben vorher die Punkte in Duisburg gelassen.

Bayern-Trainer Hitzfeld sprach nach der Blamage von einer »Trauerstimmung« in der Münchner Kabine. Wie haben sie die Verlierer nach dem Spiel erlebt?

Manche Bayern-Spieler haben schon während des Spiels lautstark miteinander geschimpft. Die haben den Tivoli danach wirklich auf ganz, ganz leisen Sohlen verlassen und sich für ihre Leistung geschämt. Der Tross war unheimlich schnell weg, ich konnte mit niemandem mehr sprechen.

Wie feierten Sie nach dem Spiel?


Ich habe die Nacht nicht zum Tag gemacht, da ich privat große Probleme hatte. Mein Vater wurde ja einige Tage vorher mit einer Herzattacke ins Krankenhaus eingeliefert. Das war für mich ein echter Schock! Bei ihm habe ich im Vorfeld des Spiels auch einige Zeit verbracht. Natürlich habe mit meinen Mitspielern nach Schlusspfiff im Stadion ein bisschen Party gemacht – aber danach bin ich schnell nach Hause gegangen und habe dort eine Flasche Wein getrunken. Ich wollte lieber alleine sein.

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