Erich Rutemöller in Iran

»Die Euphorie ist riesig«

Erich Rutemöller war seit 1994 beim DFB, sieben Jahre davon als Leiter der Trainerausbildung. Nun ist er Assistent von Irans Nationalcoach Ali Daei. Hier spricht er über seine neue Aufgabe und seinen Traum von der WM 2010. Erich Rutemöller in IranImago

Erich Rutemöller, in welcher Funktion sind Sie eigentlich in Iran?

Bestimmt nicht als iranischer Nationaltrainer, der ist immer noch Ali Daei. Auch das Gerede von einer Doppelspitze ist Quatsch. Ich werde eher der Berater sein, arbeite Trainingspläne aus, vor allem langfristig.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, nach Iran zu gehen?

Ich kenne das Land ganz gut, weil ich schon Trainerlehrgänge in Iran veranstaltet habe. Im Juli oder August dieses Jahres hat mich Ali Daei angesprochen, ob ich mir eine Zusammenarbeit mit ihm vorstellen könne. Wir haben uns lange unterhalten, und ich war begeistert von der Idee. Also haben wir das gleich konkret festgehalten. Weil mein Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund noch bis zum Ende des Jahres lief, bin ich noch so lange hier geblieben.

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Wie sind denn die Bedingungen für Fußball in Iran?

Besser als viele denken. Die erste Liga ist hochprofessionell. Zu einem Spitzenspiel kommen gerne mal 40 000 oder 50 000 Zuschauer ins Stadion. Die Euphorie ist riesig, Fußball ist die klare Nummer eins. Am meisten aber gefällt mir die phänomenale Gastfreundschaft dort.

Erzählen Sie!

Ach, das fängt gleich am Flughafen an. Dort warten immer Journalisten, die jedes Detail von einem wissen wollen. Und die Funktionäre probieren dann, einem jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Eine kleine Anekdote beschreibt das vielleicht ganz gut: Einmal bin ich mitten in der Nacht angekommen, um zwei oder drei Uhr war ich im Hotel. Dort hat doch tatsächlich noch einer vom Verband auf mich gewartet, nur um mir den Schlüssel zu übergeben. Den hätte er doch ruhig an der Rezeption abgeben können, habe ich zu ihm gesagt. Er habe ihn mir unbedingt persönlich geben wollen, hat er geantwortet.

Wie lange wollen Sie denn bleiben?


Das hängt vom Erfolg der Mannschaft ab. Wenn wir es schaffen, uns für die Weltmeisterschaft 2010 zu qualifizieren, dann bleibe ich auf jeden Fall bis nach dem Turnier.

Und wie stehen die Chancen?

Wir sind gut in die Qualifikation gestartet und haben als Zweiter noch alle Möglichkeiten. Am 11. Februar spielen wir in Teheran gegen den Tabellenführer Südkorea. Das wird sicher ein Hit!

Hat das Team denn echte Stars?


Sie brauchen sich doch nur einmal die Namen im Kader anzuschauen: Ali Karimi, Mehdi Mahdavikia, Vahid Hashemian – das sind erstklassige Fußballer, die schon in Deutschland gespielt haben oder noch spielen. Dazu kommen zwei Profis von Osasuna und einer aus der Premier League. Mit diesen Leuten könnten wir bei der Weltmeisterschaft sogar die Vorrunde überstehen, es wäre das erste Mal in der Geschichte Irans. Das ist mein Traum.

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