Englische Fans planen Proteste

»Es ist Zeit zu handeln«

Hunderte Fans aus ganz England kommen zusammen, um den Protest gegen die Verbände und Vereine zu koordinieren. Seb White vom Fanzine »Stand AMF« ist einer der Initiatoren des Fanmeetings in Liverpool. Wir sprachen mit ihm über die Probleme im englischen Fußball und den geplanten Aufstand.

Herr White, was versprechen Sie sich vom Fankongress am 6. Juli in Liverpool?
Wir hoffen auf 300 Teilnehmer aus dem ganzen Land, vielleicht mehr. Die Location bietet Platz für 500 Teilnehmer. Wir haben Zusagen von Fans aus Deutschland, Spanien oder Schottland. Es geht um die essentiellen Fragen, die die Fans bewegen. Wir wollen uns zusammen schließen und schauen, was wir in den kommenden Monaten bewegen können.

Um welche Themen geht es konkret?
Drei Themenfelder stehen im Fokus: der Einfluss der Fans in den Vereinen, die hohen Ticketpreise und die Rechte der Fans in und außerhalb des Stadions. Zum ersten Punkt: Wir haben gerade aktuell bei Portsmouth gesehen, was es ausmachen kann, wenn Fans die Eigentümer des Vereins sind. Portsmouth ist der größte von Fans geführte Verein, dort wurde direkt dafür gesorgt, dass die Fans sich den Stadionbesuch wieder leisten können. Das führt zum Punkt Eintrittskartenpreise. Die sind in der Premier League definitiv zu hoch, aber auch in den unteren Ligen. Bereits im Januar hat die FSF (Football Supporters' Federation) zu einer Diskussion über die Ticketpreise eingeladen. Nun geht es darum, dass wir den Protest koordinieren.

Was meinen Sie mit dem Themenfeld Fanrechte?
Viele Fans sind sich gar nicht bewusst, auf welche Rechte sie pochen können. Uns geht es hierbei darum, grundsätzlich zu informieren. Was darf ich im Stadion und außerhalb und was nicht? Konkret zu unseren Plänen rund um den Protest ist das auch ein wichtiger Punkt. So wird beispielsweise ein Parlamentsabgeordneter zu diesem Punkt auf dem Podium sprechen.

Sie haben sehr viele Sprecher eingeladen, unter anderem den Profi David Preece, der einst bei Barnsley und Lincoln City aktiv war.
Er will nach seiner Karriere Journalist werden, hat bereits einen Artikel in unserem Fanzine veröffentlicht. Wir freuen uns sehr, dass er bei der Veranstaltung dabei ist. Ich würde nicht sagen, dass er ein echter Verfechter unserer Sache ist. Aber für uns ist es wichtig, zu erfahren, wie Spieler den Protest auf den Rängen wahrnehmen. Wir stellen uns auch die Frage: Wie können wir protestieren, ohne die Spieler zu stören?

In der Ankündigung zur Veranstaltung ist die Rede davon, dass die Fans ihre Farben an der Tür abgeben sollen. Sind die Rivalitäten das große Hindernis für ein landesweites Bündnis?
Ja, das ist immer noch unsere schwierigste Aufgabe. Es gibt noch sehr viele Leute, die unsere Ideen teilen, aber nicht bereit sind, sich mit Fans anderer Vereine an einen Tisch zu setzen. Allerdings haben wir es schon einmal geschafft, dass auch Anhänger von Manchester United zu unserer Veranstaltung nach Liverpool kommen. Das ist für die eigentlich feindliches Territorium.

Wie schätzen Sie die Situation ein: Wird es in England einen großen Fan-Protest geben?
Schwierig zu sagen. Wir stehen am Anfang. Gerade die abgelaufene Saison hat vieles verändert und viele Fans aufgebracht. Da war der TV-Deal mit den Unsummen an Geldern, während gleichzeitig die Fans geschröpft werden, die unverhältnismäßigen Eingriffe der Polizei, die hohen Eintrittspreise – das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Leute hier in England merken nach und nach, was Proteste bewirken können. Erst kürzlich haben die Fans der Bolton Wanderers mit einer Petition verhindert, dass ihr Klub von einer Privatbank gesponsert wird. Diese vergibt unverantwortliche Kredite zu horrenden Zinsen. Die Fans haben bewirkt, dass der Deal platzte.

Sind in Kürze weitere Aktionen geplant?
Am 19. Juli wird der Spielplan der neuen Saison verkündet. Fans aus Liverpool haben dazu aufgerufen, an diesem Tag vor den Büroräumen der Premier League zu demonstrieren. Auch dabei geht es darum, dass der Verband Milliarden einnimmt, während die Fans bluten müssen. Wir wollen bei unserer Veranstaltung alle zusammen bringen, dann schauen wir, wie es weitergeht. Wenn die Leute nach Hause gehen und denken »Es ist Zeit zu handeln«, dann hat sich die Veranstaltung schon gelohnt.


Infos zur Veranstaltung: http://www.standamf.com/

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