Energie Cottbus trainiert um vier Uhr nachts

»Alle wollten nur noch ins Bett!«

Nach einer 1:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg und sieben Stunden Busfahrt durften die Spieler von Energie Cottbus zur Belohnung nachts um 3.45 Uhr eine Trainingseinheit absolvieren. Torwart René Renno über blaue Flecken, gefrorenen Boden und unglaubliche Müdigkeit.

René Renno, Ihr Trainer Rudi Bommer zitierte die Mannschaft nach der 1:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg und einer siebeneinhalbstündigen Busfahrt um vier Uhr morgens auf den Trainingsplatz. In Pressemeldungen hieß es, dass Sie die ärmste Sau auf dem Platz gewesen seien. Haben Sie noch blaue Flecken?
Nein, so schlimm war es auch wieder nicht. Wahrscheinlich hatten einige Mitleid, weil ich beim Torschusstraining der einzige Torwart war. Hinzu kommt, dass der Boden bei der Kälte gefroren war.

Die Wetterstation von Cottbus hat in der Nacht zum Sonntag minus zehn Grad Celsius gemessen.
Nach siebeneinhalb Stunden Busfahrt wirken zehn Minusgrade sogar noch kälter. Vor allem, wenn es vier Uhr morgens ist und man einfach unglaublich müde ist.

Dennoch soll das Nachttraining keine Strafmaßnahme nach der Duisburg-Niederlage gewesen sein. Die Mannschaft hat als Ausgleich am Sonntag freibekommen. War es das wert?
Die Alternative war, am nächsten Morgen um zehn Uhr zu trainieren. Das hätte nur drei Stunden Schlaf für die Spieler bedeutet. Das Nachttraining war schon einigermaßen sinnvoll. Natürlich war das ziemlich ungewöhnlich, aber damit hatten wir es hinter uns und konnten am nächsten Tag wenigstens ausschlafen.

War es das kälteste Training, das Sie je absolviert haben?
Nein, das war bereits im Winter 2010 bei Minus 18 Grad. Es war so kalt, dass uns die Trainingssachen am Leib eingefroren sind.

Wie groß war Ihre Angst, sich auf dem harten Boden zu verletzen?
Ich bin jedenfalls nicht wie ein Verrückter nach jedem Ball gehechtet. In meinem Alter (Renno ist 34 Jahre alt, d. Red.) sollte man auf harten Plätzen mehr auf sein Stellungsspiel achten und mit Auge arbeiten. (lacht)


René Renno, 2. Torwart von Energie Cottbus, in Aktion. Bildquelle: Imago

Wie schätzen Sie den Trainingseffekt nach der siebeneinhalbstündigen Busfahrt ein?
Wir sind alle um eine Erfahrung reicher. Aber natürlich war der Trainingseffekt nicht allzu hoch, es war ja auch eine einmalige Sache. Ich für meinen Teil hatte wegen meiner massiven Müdigkeit mit einer leicht verlangsamten Reaktion und kleineren Wahrnehmungsproblemen zu kämpfen. Die Schüsse haben sich viel schneller angefühlt als sonst.

Haben sich die Kollegen nach der Trainingseinheit für die harten Schüsse entschuldigt?
Uns war um die Uhrzeit nicht groß nach Reden zumute. Danach waren alle einfach todmüde. Wir wollten alle nur noch ins Bett.

Im Internet bieten Sie parallel zu Ihrer aktiven Fußballkarriere Trainingsratgeber mit Namen wie »Die Sieben geheimen Erfolgsfaktoren« und »Der Renno-Report« an. Nehmen Sie jetzt den Punkt Nachttraining auf?
(lacht) Nein, meine Zielgruppe ist eher der Amateursport. Dort kommen die Mannschaften eher selten mitten in der Nacht nach Hause.

Wie sinnvoll ist Nachttraining für den Profibereich?
Nach einer langen Busfahrt sind die Muskeln und der Körper müde. Ich als Spieler hätte mir vielleicht lieber eine Laufeinheit gewünscht, aber dafür haben wir halt einen Chef. Wenn der sagt, dass wir auf den Trainingsplatz gehen, dann machen wir das.

Felix Magath hat seinen Spielern einmal das Trinken im Training untersagt. Blieb Ihnen wenigstens das erspart?
Zum Glück. Aber Scherz beiseite: Alle haben es gut überstanden.

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