07.03.2012

Endlich als Buch: Fotograf Chris Olley und seine 92 Grounds

»Wracks in der Beton-Wüste«

Der englische Fotograf, Punkrock-Sänger und Fußball-Fan Chris Olley ist mit seiner Leica-Kamera auf seinem Motorrad durch England gereist, um alle 92 Profi-Stadien zu fotografieren. Jetzt gibt es sein Buch zu kaufen. Wir sprachen mit ihm über Wahnsinn und Wassertürme.

Interview: Alex Raack Bild: Chris Olley


Wann ging es los?

Chris Olley: Ende 2008.

Du bist verheiratet und hast Kinder. Was hast du deiner Frau gesagt? »Schatz, ich bin dann mal für zwei Jahre auf meinem Motorrad unterwegs?«

Chris Olley: Meine Frau unterstützt mich natürlich in allem, was ich tue...(lacht). Im Ernst: Ich war schon etwas verrückt, als sie mich kennen lernte und inzwischen glaube ich: Die steht auf so was. Außerdem war ich ja nicht zwei Jahre am Stück auf meinem Bike unterwegs, ich bin immer wieder treu und brav nach Hause gefahren.

Wie sehr hat das Projekt den Familienalltag behindert?

Chris Olley: Ach, ich habe das ganz geschickt gemacht. Wenn draußen die Sonne schien, sagte ich meiner Familie: »Heute ist so ein schöner Tag, lasst uns doch an den Strand fahren!« Also sind wir an den Strand. Zufällig ganz in der Nähe von Newcastle. Und wo wir schon mal in Newcastle waren, konnten wir auch gleich einen Abstecher nach Middlesbrough und Sunderland machen. Schon waren drei Stadien weniger auf meiner Liste. Ich glaube, meine Kinder haben erst auf der Ausstellung gemerkt, zu welchen Groundhoppern ich sie ohne ihr Wissen gemacht hatte...

Apropos Groundhopper: Mit deinen 92 Grounds dürftest du dir auch einen Namen in der Szene gemacht haben.

Chris Olley: Ja! Bei uns in England gibt es den »92er-Klub«. Wer von allen 92 Profi-Stadien ein Ticket vorzeigen kann, wird Mitglied dieser erlauchten Gesellschaft. Ich habe keine Tickets, aber die Fotos. Kurz nach meiner Ausstellung bekam ich ein wunderbares Geschenk zugeschickt: Den Mitgliedsausweis im »92er-Klub«. Jetzt bin ich Mitglied – ehrenhalber!

Deine Bilder sind alle in Schwarz-Weiß gehalten.

Chris Olley: Das hat einen einfachen Grund: Ich wollte nicht, dass man die Vereinsfarben erkennt und damit sofort weiß, um welches Stadion es sich handelt. So erscheinen die Bilder auf den ersten Blick alle gleich, bis auf die Perspektive und die Distanz zur Kamera sind sie es natürlich ganz und gar nicht. Aber auf jedem Bild gibt es ein Detail, an dem das geübte Auge erkennen kann, um welchen Klub es sich handelt.

Auffällig ist auch, dass auf den Fotos kein Mensch zu sehen ist. Absicht oder Zufall?

Chris Olley: Absicht. Wenn kein Spieltag ist – also den absoluten Großteil der Zeit – stehen diese Stadien wie verlassene Schiffswracks mitten in der Betonwüste. Dort, wo am Wochenende zehntausende Menschen unterwegs sind, ist unter der Woche keine Menschenseele. Das ist unheimlich!

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