07.03.2012

Endlich als Buch: Fotograf Chris Olley und seine 92 Grounds

»Wracks in der Beton-Wüste«

Der englische Fotograf, Punkrock-Sänger und Fußball-Fan Chris Olley ist mit seiner Leica-Kamera auf seinem Motorrad durch England gereist, um alle 92 Profi-Stadien zu fotografieren. Jetzt gibt es sein Buch zu kaufen. Wir sprachen mit ihm über Wahnsinn und Wassertürme.

Interview: Alex Raack Bild: Chris Olley

Was lange währt, wird endlich gut: Bereits vor gut einem Jahr sprachen wir mit dem englischen Fotografen, Punkrock-Sänger und Fußball-Verrückten Chris Olley über seine wundersame Tour durch Fußball-England. Damals suchte Olley noch händeringend nach einem Verlag, um seine »92 Stadiums« zu veröffentlichen. Jetzt gibt es den einzigartigen Bilderband zu kaufen! Den Link zum Buch findet Ihr HIER, zur Homepage von Chris Olley geht es HIER.

Chris Olley, du hast alle 92 Stadien des englischen Profi-Fußballs fotografiert. Was hat dich zu dieser Idee inspiriert?


Chris Olley: Aus fotografischer Sicht waren das die Bilder von Bernd und Hilla Becher, die mit dokumentarischen Schwarz-Weiß-Fotografien von Industriebauten berühmt wurden. Unter anderem gibt es da einen Bilderband nur über Wassertürme. Sieht man ein Foto, ist das nicht unbedingt spannend, aber schaut man sich 10 oder 20 Wassertürme an, die immer aus der gleichen Perspektive und aus der gleichen Distanz fotografiert wurden, dann bekommen diese scheinbar so langweiligen Objekte eine Geschichte.

Ist das nicht die Aufgabe eines Fotografen?

Chris Olley: Ganz genau. Fotografie kann – wenn sie gut ist – eine Welt zeigen, die zwar vorhanden ist, die wir aber als selbstverständlich betrachten und dadurch einfach nicht mehr richtig wahrnehmen. Aus einem stupiden Wasserturm wird dann plötzlich ein Gebäude von wundersamer Schönheit. So erging es mir mit den englischen Stadien.

Woher kommt deine Liebe zum Fußball?

Chris Olley: Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Ich bin in England geboren, aber als ich acht Monate alt war, wurde mein Vater nach Münster versetzt. Meine Mutter kommt ursprünglich aus Recklinghausen. Und ihre ganze Familie ist Schalke, also wurde ich auch Schalker, obwohl ich bereits mit fünf Jahren West Ham United meine ewige Liebe erklärt hatte. Was vielleicht meinen Vater etwas verärgert hat – der ist nämlich Fan von Leicester City. Mein erstes Fußball-Großereignis war die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland, als plötzlich überall im Land diese neuen großen Stadien aus dem Boden gestampft wurden.

Daher die Affinität zu Fußballstadien?

Chris Olley: Eigentlich nicht, denn diese Kessel von damals hatten alle eine riesige Laufbahn zwischen Spielfeld und Tribüne. Stadien mit Rand – das finde ich bis heute unmöglich! Da müssen Fußballfans die ganze Saison lang aus einem Kilometer Entfernung versuchen das Spiel zu erkennen, nur weil zweimal im Jahr irgendwer über diese Laufbahn sprintet. Absurd.

Wie eng ist deine Beziehung zu Schalke 04?

Chris Olley: Damals habe ich Schalke geliebt! Das war die Zeit mit Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik und Norbert Nigbur. Und diese Fans!  Als wir 1983 abstiegen, kamen immer noch 45.000 Menschen ins Stadion, das war unglaublich.

Wie hat es West Ham geschafft, sich zwischen deine Liebe zu Schalke 04 zu zwängen?

Chris Olley: Wir lebten zwar in Deutschland, aber eigentlich bin ich in einer Art Klein-England aufgewachsen. Ich ging auf eine britische Militärschule, zu Hause hörten wir englisches Radio, meine Kumpels waren ebenfalls Kinder von Engländern. Und wenn wir über Fußball sprachen – was wir eigentlich immer taten – dann ging es um englischen Fußball.

Wie lange warst du in Deutschland?

Chris Olley: Kaum war ich 18, war ich schon fast hinter der Grenze. Versteh mich nicht falsch! Ich liebe Deutschland, hier bin ich aufgewachsen. Aber immer wenn ich die weißen Klippen von Dover sehe, dann wird mir ganz warm ums Herz. Dann weiß ich: Hier gehörst du hin. Ich bin durch und durch Engländer.

Ich will nicht an alten Narben kratzen, aber wo warst du bei der englischen WM-Halbfinal-Niederlage 1990 gegen Deutschland?


Chris Olley: Wo wohl? In Italien! Ich bin damals bis nach Dorsten getrampt, habe meinen Cousin Jörg – einen Schalke-Fan – abgeholt und wir fuhren mit dem Zug nach Italien. Ich hatte allerdings nur Karten für ein Spiel: Schottland gegen Brasilien.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden