EM 2012: Polens Fanbeauftragter im Interview

»Hooligans werden bei der EM untergehen«

Nach den letzten Gewaltexzessen polnischer Hools macht man sich Sorgen um die Sicherheit bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine. Wir sprachen mit dem Fanbeauftragten des Organisationskomitees über den Status Quo seiner Arbeit. EM 2012: Polens Fanbeauftragter im Interview

Dariusz Lapinski hat mal wieder eine Menge zu tun: Für die Organisation PL.2012, die neben dem polnischen Fußballverband für  die Ausrichtung der Europameisterschaft 2012 zuständig ist,  kümmert sich der Wissenschaftler um die Belange der Fußballfans.  »Wenn man so will, bin ich die polnische KOS«, sagt Lapinski, der  sich nach den heftigen Krawallen von polnischen Hooligans bei einem  Spiel ihrer Nationalmannschaft in Litauen erneut dem Vorwurf erwehren muss, dass Fans des Co-Gastgebers der kommenden Europameisterschaft nur darauf warten würden, allen »die über die polnische Grenze kommen, in die Fresse zu hauen« (Zitat eines polnischen Hooligan in einem ARD-Beitrag). Lapinski sagt: »Hooligans werden bei der EM einfach untergehen.«  

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Dariusz Lapinski, weil polnische Fans in Litauen randalierten, befürchtete die deutsche Öffentlichkeit nun, dass auch friedliche Zuschauer bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr nicht sicher sein werden. Müssen wir uns Sorgen machen?

Dariusz Lapinski: Nein. Die Szenen in Litauen waren schlimm, aber – so paradox das klingen mag – sie haben mir auch gezeigt, dass unsere Fanszene weiter auf dem Weg der Besserung ist.

Wie meinen Sie das?

Dariusz Lapinski: Der harte Kern der Hooligans ist in jedem polnischen Verein in den vergangenen Jahren immer weiter verkleinert worden. In manchen Klubs sind es vielleicht noch zehn, in anderen Vereinen 50 oder 60 solcher Schläger, die den Fußball nutzen, um sich zu prügeln. Diese Szenen sind zwar straf organisiert, aber so klein, dass sie in den Stadien selbst immer kleinere Rolle spielen. Den Ton geben langsam andere Fangruppierungen, zum Beispiel die Ultras, an. 

Die Bilder aus Litauen sprechen allerdings eine andere Sprache.

Dariusz Lapinski: Das ist korrekt. Aber dieses Hooligan-Problem haben sie auch in Deutschland: Die Randalierer suchen sich gezielt Orte und Länder aus, wo noch »was geht«, wo man also als Hooligan, seinem »Hobby« nachgehen kann. In der polnischen Liga ist die Gewalt in den vergangenen Jahren aus den Stadien verschwunden. Wenn die Medien dann trotzdem nach Gewalt-Fotos suchen, müssen sie schon in den Archiven der neunziger Jahre suchen. 

Wie sieht Ihre Arbeit mit den Fanszenen konkret aus?

Dariusz Lapinski: Wir haben deutliche Fortschritte gemacht, seit wir uns 2008 der Fanarbeit in Polen angenommen haben. Die gab es vorher gar nicht, vielmehr ist es so, dass ich den Gesprächen mit Vereinen, Beamten oder möglichen Sponsoren für unsere Arbeit, erst einmal erklären muss, was organisierte Fanarbeit überhaupt ist! Das, was sich in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat – Fanprojekte, Fanbetreuung, langfristige Fanarbeit – versuchen wir in Polen gerade in sehr kurzer Zeit aus dem Boden zu stampfen. Vor allem möchte ich – und das unterscheidet uns von den Kollegen in Österreich und der Schweiz 2008 – Fanprojekte aufbauen, die über die EM hinaus Bestand haben. 

Der Ruf polnischer Fans in Europa dürfte sich allerdings nach den Vorkommnissen in Litauen weiter verschlechtert haben...

Dariusz Lapinski: Vermutlich schon. Die schlechte Presse können und werden wir auch in Zukunft nicht verhindern. Ich erinnere mich an der EM 2008, als ich die mobile Fanbotschaft Polens betreut habe. Da riefen mich Journalisten an und fragten nach »blutigen Bildern« von der polnischen Fanszene. Auch eine Form der Recherche. 

Wie lautet Ihre Prognose für die EM 2012?

Dariusz Lapinski: Ich glaube, dass wir bei der Europameisterschaft 2012 keine Probleme mit gewalttätigen Fans bekommen werden. Die Hooligans werden in der großen Masse der friedlichen Fans einfach untergehen, ähnlich wie bei der WM 2006 in Deutschland, als ja auch alles weitestgehend friedlich verlief. Das kann ich allerdings nur für Polen sagen, aber ich versichere ihnen: Auch in der Ukraine machen die Kollegen einen guten Job.

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